Auf "Wait For Me", seinem neunten Album in gut 20 Jahren Pop-Karriere, bereut Moby vergangene Taten, besinnt sich auf alte Stärken und ist in seiner bewährten Melancholie hörenswert wie lange nicht.
Sein letztes Album, das wenig überzeugende Disco-Experiment "Last Night", kam bei den Fans nicht wirklich an; was davor war, mochte Moby selbst nicht besonders. "Überproduziert, unpersönlich und fast ein bisschen seelenlos", nennt er rückblickend im Interview etwa "Hotel". Doch nachdem er eine Rede von Film-Genie David Lynch hörte, der eigentlich nur die alte Weisheit predigte, dass Kunst nicht im Hinblick auf Kommerz produziert werden sollte, war dem New Yorker Musiker, Produzenten und DJ klar, dass das nicht noch einmal passiert.
Von einer radikalen Neuerfindung kann auf "Wait For Me" trotzdem keine Rede sein, vielmehr scheint sich Moby an die Zeit zu erinnern, als ihm mit Songs wie "Why Does My Heart Feel So Bad" endgültig der Durchbruch gelang. Die Stimmung auf dem mittlerweile neunten Album ist ähnlich ruhig bis melancholisch wie damals auf "Play", wieder wird mit prägnanten Samples gearbeitet ("Study War") und wenn nicht gerade Moby selbst singt ("Mistake") oder alles instrumental ("Shot In the Back of the Head", zu dem passenderweise Lynch das Video beisteuerte) ist, kommen auch hier wunderschöne Frauenstimmen zum Einsatz. Die stammen zwar, weil für "Wait For Me" nur unaufwändig und im heimischen Schlafzimmer produziert werden sollte, dieses Mal nicht von prominenten Gaststars, sondern direkt aus Mobys Freundeskreis.
Aber davon - und vom selbstgezeichneten Cover - abgesehen bewegt Moby sich durchaus in bekannten Gefilden, in denen der Kommerz noch immer um die Ecke lauert. Trotzdem: als überzeugende, mitunter sogar sehr berührende Rückkehr zu alter Form ist "Wait For Me" tatsächlich so hörenswert wie lange kein Moby-Album mehr.