Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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18 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Machs noch einmal, Sam...., 16. Juli 2009
"Zeiten des Aufruhrs" (Originaltitel: Revolutionary Road), das schriftstellerische Debüt des eigentlich schon fast vergessenen US-Autor Richard Yates ist Vorlage zu diesem gleichnamigen Film von Sam Mendes. Es handelt von einem Ehedrama aus der Wirtschaftswunderwelt der amerikanischen Mittelschicht.
Die Geschichte spielt 1955 und thematisiert die Hoffnungen und Sehnsüchte des selbstbewussten Ehepaares Frank (Leonardo di Caprio) und April Wheeler (Kate Winslet). Die beiden jungen Menschen lernen sich kennen, sind heiss und innig verliebt. Doch bereits sehr früh holt sie der Alltag ein.
Frank scheint in seinem Schreibtischjob gelangweilt, unterfordert und verrichtet diesen mit wenig Spass sondern noch erträglichem Frust. Er tut dies, so scheint es, aus dem Grund der Verantwortung, weil ein Mann für seine Familie zu sorgen hat.
Auch April findet das Leben als Hausfrau in einem schönen, idyllischen Haus in den Vorstädten von Connecticut mehr als mittelmässig.
Das Leben nimmt den gewohnten Gang: Kinder kommen, Streit kommt, die beiden hegen Ambitionen zum Ausbrechen aus dem Gefängnis konventioneller Lebensgemeinschaft und Vorbestimmung durch Normen, beide kompensieren ihren Frust mit nicht weiter wichtigen Beziehungen, bis April den Plan fasst, aus dem Alltag auszubrechen und nach Paris zu ziehen.
Frank gibt sich verhalten, willigt dann aber ein. Doch ist der grosse Plan nach Veränderung, nach einer besseren Zukunft nur eine Illusion, eine Lebenslüge ?
Sam Mendes hat vor 10 Jahren diesen wunderbaren "American Beauty" gedreht, ein fieser, satirischer Seitenhieb auf den "american way of life".
Die Geschichten sind sich nicht unähnlich, auch dort versucht der Titelheld sein mittelmässiges Dasein zu analysieren und einen neuen Weg zu suchen.
In "Revolutionary Road" geht er sogar noch einen Schritt weiter. Zwar werden die 50er Jahre thematisiert, auch die Bestimmung der Frau als Inventar einer dem schein nach glücklichen Familie mit Haus.
Der Stoff hat es aber in sich. Er erzählt von bitteren Wahrheiten für den scheinbar gefestigten und in der Gesellschaft integrierten Menschen von Heute, man findet sich teilweise selbst in den Figuren, die Hoffnungen und Ängste der beiden Protagonisten sind nicht neu. Dieses Gefühl ein Sekundenglück in die gesamte Lebenszeit retten zu müssen, kennt man doch zu gut.
Optisch ist der Film ganz grosses Kino, er erinnert an die Bilder aus Douglas Sirk Movies. Auch schauspielerisch agieren Leonardo di Caprio und Kate Winslet auf ganz hohem Oscar-Niveau.
Ich glaube es ist kein Zufall, dass Mendes das Traumpaar aus "Titanic" auswählte. Das Motto heisst Untergang Part II.
Ein kleiner Wermutstropfen bei aller vordergründiger Brillianz: Der Film ist nicht nur zynisch oder gallig, er ist in einem hohen Maße auswegslos deprimierend. Ein kleiner Hoffnungsschimmer wäre gut gewesen, aber selbst die wahrheitsliebende und gesund wirkende Figur im Film, der psychisch kranke John Givings, den die beiden kennenlernen, lebt gerade deswegen in der Klapse.
Das Schlussbild von April brennt sich heftig und trostlos ins Gedächtnis ein.
"Zeiten des Aufruhrs" wurde in den USA mit einer Bewertung R (Restricted) versehen, was soviel heisst, dass Jugendliche unter 17 Jahren den Film nur in Begleitung eines Erwachsenen ansehen dürfen. Als Grund für diese Einordnung werden Sprache, sexuelle Inhalte und Nacktheit angegeben.
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12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Lebst Du? Wenn ja, wie?, 26. März 2009
"American Beauty" gehört zu meinen absoluten Lieblingsfilmen.Selten wurde die glänzende und heile Vorstadtwelt(und nicht nur die) so düster dargestellt und schonungslos zerstört.
Sam Mendes als Regisseur trägt sicher einen sehr großen Anteil an der Magie und dem Erfolg des Films.Nun führt er wieder bei einem ähnlichen Thema Regie.
Diesmal spielt es aber in den USA der 50er Jahre (Nebenbei, dass die 50er als "Austragungsort" gewählt wurden, finde ich völlig unerheblich.Ich denke es ist problemlos auf die heutige Zeit übertragbar)und anstatt des zynischen Kevin Spacey dreht sich alles um das "Titanic-Traumpaar" Winslet & Di Caprio als April und Frank Wheeler.
Beide beziehen frisch verliebt und voller Träume und Pläne ein wunderschönes Haus in einer noch schöneren Vorstadtidylle.
So als Übergang.Denn eigentlich sind sie ja 2 Rebellen im Herzen und ihre Beziehung so überhaupt nicht mit denen der anderen zu vergleichen.
Auch nur als Übergang arbeitet Frank in einem Büro.Obwohl er den Job nicht mag.Nach einigen Jahren des Tiefschlafs erwachen die Beiden plötzlich, denn ihre Welt hat Risse bekommen.Ist da nicht noch mehr?
Ungefähr ab diesem Zeitpunkt steigt der Zuschauer ins Geschehen ein...
Wer bei diesem Film viel Liebe und Romantik erwartet, den muss ich enttäuschen.
Es gibt etwas anderes:Das Leben!Aber von seiner finsteren und bösartigen Seite.Es geht um geplatzte Träume, verpasste Chancen, nie bestätigte Hoffnungen, Untreue, große und kleine Lügen, der Tatsache, dass Worte mehr als Taten verletzen können, Spießertum und den Fragen: Bin ich etwa ein Teil der grauen Masse?Seit wann?Komme ich da raus?Will ich da raus?
Und es geht um die Wahrheit, die hier anscheinend nur von einem geistig Verstörrten gesehen wird (einmalig gespielt von Michael Shannon).
Zum Schluss will ich noch kurz die schauspielerischen Leistungen in diesem Drama erwähnen, die mich wirklich beeindruckt haben.Kathy Bates, Kate Winslet und Leo Di Caprio sind natürlich bekannte Namen, hier laufen sie aber zur Höchstform auf.Da wird es sicherlich Preise geben (insofern es die noch nicht gegeben hat)!
Mein Fazit:Ein starkes Drama, das von einzigartigem Schauspiel, grausamen Wahrheiten und einer nachwirkenden Story lebt!!
Vergleichbar mit: The Good Girl, American Beauty, Little Children
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43 von 57 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Von der Unfähigkeit aus einer banalen Existenz auszubrechen, 24. Mai 2009
Das junge Ehepaar Frank (DiCaprio) und April Wheeler (Winslet) bezieht ein Haus in einem pittoresken Vorort Connecticuts. Frank Wheeler, der nie das getan hat, was er wirklich wollte, hasst seinen Job. Seine Frau April ist eine erfolglose Schauspielerin, die ihr Dasein fortan als Hausfrau fristet. Die Angst vor der eigenen Bedeutungslosigkeit lässt beide den Ausbruch wagen. Eines Tages beschließen sie, wie es Frank einst in jungen Jahren auch träumte, nach Paris auszuwandern, und ein neues Leben zu beginnen. Doch Frank bekommt plötzlich beruflich die Chance seines Lebens. Die schon latent vorhandenen Konflikte in der Ehe beginnen offen auszubrechen und enden in der Katastrophe.
Sam Mendes erzählt nach einer Buchvorlage von Robert Yates in einer nüchternen und komplexen Charakterpsychologie den Niedergang einer Ehe vor dem Hintergrund der amerikanischen Vorstadthölle der 50er Jahre. Der Stoff ist dennoch zeitlos: der Versuch der persönlichen Selbstverwirklichung endet in Konflikten mit einer auf Sicherheit programmierten Gesellschaft. Intelligent sind Handlung und Charaktere konstruiert. Die Wheelers steigen in die kleinbürgerliche Enge der amerikanischen Vorstadtprüderie ab, die zu ihren verpassten Träumen diametral entgegengesetzt ist. Stück für Stück werden teilweise beklemmende Fragmente und Muster eines fortschreitenden Abdriftens in die Apathie beider Protagonisten zusammengetragen. Das spießige Umfeld dient dabei lediglich zur Projektionsfläche für die sich anstauende innere Wut über eigene Schwächen, wie die unausgelebten Träume Franks und das nichtverwirklichte Selbstbild Aprils. Es ist weniger die Vorstadtprüderie als mehr psychologische Barrieren und persönliche Ängste die den Ausbruchsversuch aus der Provinzialität zum Scheitern bringen. Genial ist dabei die Figur des John Givings (Michael Shannon), der in einer Art psychisch gestörtem Troll, die Fassade der Vorstadtidylle einreist und den Mantel des Schweigens über den sich stetig steigernden Konflikten der Wheelers wegzieht und in aller Öffentlichkeit bloßstellt.
Mendes studiert wie schon bei American Beauty nüchtern, ruhig, etwas tröge und diesmal ohne Tragikomik mit einem kritischen Auge die Hauptfiguren. Manchmal lässt er etwas Feinschliff vermissen. So spielen beispielsweise die Kinder der Wheelers nur eine marginale bis überhaupt keine Rolle, was sicher auch der Buchvorlage geschuldet ist. Ein Umstand der bei Filmen wie Little Children (ebenfalls mit Winslet) viel besser in die Handlung eingewoben wurde. Auch wird der Fluß der Handlung und das Gefälle des Spannungsbogens bei ähnlichen Stoffen etwa von Stephen Daldry (The Hours) besser gezeichnet. Perfekt getroffen sind wiederum manche Kameraeinstellungen, die die Psyche der Charaktere hervorragend abbilden. Grandios sind Kate Winslet und Michael Shannon, die mit einer stark ausfüllenden Aura ihre Rollen zeichnen und das Ganze doch zu einer sehenswerten Charakterstudie machen, für die der Zuschauer etwas Geduld aufbringen muss.
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