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213 von 266 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Fremde, Verwandte, Freunde, Kirche, Vergebung, Rache und Mut: ein weiteres Meisterwerk., 2. April 2009
Clint Eastwood gelingt mit diesem Film etwas ganz Besonderes:er vermittelt Einblicke in die übersättigte amerikanische Mittelschicht und verknüpft damit fremde Welten in der Nachbarschaft, die einem oft näher stehen als die eigenen Verwandten.
Es ist kein Film über Rassismus, sondern eine Metapher zu Übersättigung, Macht und Rache. Macht ist in allen Schichten vorhanden, ganz unten ist sie nur besonders ersichtlich und direkt. Kowalski, der Korea-Veteran und treue Fordarbeiter gerät nach dem Tod seiner geliebten Frau unversehens in einen Bandenkrieg seines Viertels, das zunehmend von Fremden bewohnt wird. Dabei findet er keinen Halt bei seinen verzogenen, gierigen Kindern und Enkeln (wunderbar gespielt und in ihrer Übersättigung und Dekadenz kaum besser beschreibbar).
Die Handlung entwickelt eine unglaubliche Spannung, vermittelt intelligente Dialoge und lebt von dem Unterschied zwischen spießigem, viel zu sattem Amerika und der fremden chinesischen Welt. Man verrät nicht zu viel, wenn man sagt, dass sich Kowalski mit der Familie nebenan anfreundet und dem Sohn, einem "Weichei", zur Seite steht und ihm - weil er wohl seine eigenen Kinder nie erzogen hat - den Weg in die Zukunft weist. Dabei sind wir beim Kernthema aller Eastwood Filme: sie machen Mut, wollen den Entrechteten helfen, in jedem Autonomie und die klare Sicht auf die Dinge wecken.
Clint Eastwood spielt einfach überragend und lässt sein bekanntes Spucken auch hier mit ein- bzw. ausfließen. Er setzt sich, wie so oft, mit der Kirche auseinander und zelebriert in den Dialogen mit dem Geistlichen höchste Schauspiel- und Philosophiekunst.
Das Ende ist sehr überraschend, ungewöhnlich und der Höhepunkt eines Plotts, der mich wirklich begeistert hat. Werde den Film öfters ansehen.
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112 von 158 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ganz großes Kino!, 14. Oktober 2009
Walter Kowalski (Clint Eastwood), für seine wenigen Freunde Walt, war im Koreakrieg. Dort hat er vor bald 60 Jahren unsägliche Grausamkeiten erlebt, aber auch angerichtet. Seither ist Kowalski ein verbitterter Pedant. Sein Haus ist stets militärisch-makellos gepflegt, seine schon lang erwachsenen Kinder mit schärfsten Drill erzogen und daher entfremdet. Als seine Frau beerdigt wird, verhält sich auf der Trauerfeier vom Priester bis zum letzten Gast auch niemand respektvoll genug für seine Vorstellungen. Ganz klar: Walter Kowalski will man nicht als Nachbarn haben. Als im leerstehenden Nachbarhaus eine koreanische Familie einzieht, scheint für Kowalski entgültig der Siedepunkt erreicht worden zu sein. Spätestens als der Nachbarjunge Taoh, von einer lokalen Gang angestiftet, seinen 1972er Gran Torino beschädigt, droht das angespannte Nachbarschaftsverhältnis in einen Kleinkrieg umzuschlagen. Doch als die Gang seine Nachbarn anfängt zu terrorisieren, beginnt Kowalski einzuschreiten...
Mit 80 Lenzen zeigt Clint Eastwood mehr Biss beim Filmemachen als manche Regisseure, die dem Zuschauer das Blaue vom Himmel versprechen, dies aber meist nicht einhalten können. Sein geradezu kammerspielartiges Drama "Gran Torino" verknüpft die aktuellen sozialen Probleme von Amerikas Ballungsräumen, gekonnt mit den Dämonen, die ein alter Mensch und Kriegsveteran mit sich herumschleppt. Dass dadurch Walters Entfremdung von der eigenen Familie vorangetrieben wird, zeigt umso deutlicher, dass die "Abschiebepolitik" der westlichen Gesellschaft, die ihre Alten lieber in Heime verbannt, als sie im Mittelpunkt der Familie zu halten, bis ins Mark fehlgeleitet ist - ganz anders wie bei seinen koreanischen Nachbarn.
Besonderes Augenmerk legt Eastwood dabei auf die späte Annäherung der Kulturen zwischen seiner Figur, dem verbissenen Veteranen, und dem pickeligen, jungfräulichen und offensichtlich nichtsnutzigen Sohn seiner asiatischen Nachbarn, die offenbar gekommen sind, um sein geliebtes Amerika zu überfremden.
Eastwood inszeniert mit nur wenig Aufwand das Wesentliche einer jeden Szene, sein Film wirkt wie das 100-Prozent handgemachte Endprodukt eines Filmliebhabers - Old School, wie es sie nur selten gibt in Hollywood. Wenn Hauptdarsteller Eastwood dann noch knurrend den Mundwinkel verzieht, um seinen Unmut auszudrücken, dann merkt man warum der Mann eine Legende vor und hinter der Leinwand ist.
Abschließend bleibt eigentlich nur zu sagen: Ansehen und genießen. "Gran Torino" ist wahrlich ein vielschichtiges Meisterwerk, an dem sich so mancher vermeidliche Filmemacher eine dicke Scheibe von abschneiden kann - 5 Sterne.
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30 von 44 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Bewegendes Plädoyer für mehr Menschlichkeit (und auch etwas Rache)!, 23. September 2009
Ich verneige mich vor Clint Eastwood!
Was der Mann allein in den letzten Jahren als Produzent und Regisseur für Filme erschaffen hat, ist einfach unbeschreiblich. Er hat anscheinend genau die richtige Nase, um zu erkennen, ob ein Drehbuch Potential hat und wie man das dann perfekt umsetzt. Dabei sind es nie leichte Geschichten, deren er sich annimmt.
So wie auch in diesem Fall bei der Geschichte des verbitterten, alten Walt Kowalski. Der Mann lebt in einer ehemaligen Vorzeigesiedlung der Mittelschicht, die im Laufe der Jahre durch die wirtschaftliche Lage, der darausfolgenden Abwanderung der Einheimischen und nun jeder Menge Multi-Kulti nicht mehr ganz in sein Weltbild passt. Er ist ein waschechter Patriot, der dem wilden Treiben in seiner Nachbarschaft nichts abgewinnen kann und dem Ganzen mehr als nur missmutig gegenüber steht. Wüste Beschimpfungen und eine geladene Schrotflinte erwarten jeden, der der letzten Bastion amerikanischer Werte, seinem Zuhause, zu nahe kommt. Ein Vorfall mit einer Gang direkt vor seinem Haus rüttelt aber etwas (Gutes?) in ihm wach. Ist Walt doch nicht so ein Rassist und boshafter Mensch, wie man es gedacht hat?
Clint Eastwood spielt den einsamen Walt einfach überragend. Diese anfänglich traurige, stoische Figur, die dann urplötzlich mit hasserfüllten Augen und rassistischen Sprüchen explodiert, hätte wohl niemand sonst so genial spielen können. In vielen Momenten war es für mich kurzzeitig vorbei mit der Sympathie für den guten, alten Clint. Das war teilweise schon harter Stoff. Aber auch im späteren Verlauf, als seine Figur eine (zugegeben erwartete) kleine Wandlung durchlebt, war ich immer noch sprachlos von dieser schauspielerischen Größe.
Diese kleine Wandlung von Kowalski ist für mich dann auch die wahre Stärke von Gran Torino. Als Zuschauer darf man dabei sein, wenn ein Mann, den seine Vergangenheit zu einem Bündel Trauer, Hass und Verbitterung gemacht hat, so langsam anfängt neue Maßstäbe zu setzen und sich zu einem Teil des (für ihn befremdlichen) Kollektivs entwickelt. Einem Kollektiv, das ihm eigentlich nie feindlich gegenüber stand. Ich finde, einige Leute sollten sich daran mal ein Beispiel nehmen, sei es auch nur im Kleinen.
Ansonsten gibt es bei diesem 112minütigen Drama all das, was man von einem Eastwood auch erwarten darf: Zutiefst beeindruckende Bilder, riesige Dialoge und viel, viel Ruhe, in der ebensoviel Kraft steckt. Und natürlich ein überraschendes Ende, das für einigen Gesprächsstoff sorgt.
Ich hoffe, dass der Mann (die Legende) der Filmndustrie noch lange erhalten bleibt!
Unbedingt ansehen!!
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