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12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen
Die Brockes-Passion von R. Jacobs, 14. April 2009
Wie üblich bei René Jacobs bekommt man hier keineswegs das Werk des Komponisten sondern vielmehr eine freie Adaption geboten. Da die Passion Telemanns anscheinend zu "theatralisch" war und daher zu sehr von den durch J.S. Bach geprägten Vorstellungen, wie eine Passion zu sein hat, abwich, griff Herr Jacobs kurzerhand zum Rotstift. Da musste über eine halbe Stunde Musik gestrichen, die Bravourarien entweder ganz entfernt oder verstümmelt werden, um so die offensichtlich fehlende Ernsthaftigkeit Telemanns zurechtzurücken.
Auch die besten Solisten können gegen so einen besserwisserischen Dirigenten nicht ankommen und die Aufnahme retten. Wenn bei Telemanns Brockes-Passion die Arie "Brich brüllender Abgrund" gestrichen wird, ist das vergleichbar mit dem Streichen der Arie "Mache dich mein Herze rein" in J.S. Bachs Matthäus-Passion: ein Höhepunkt des Werks wird ausgelassen und die emotionale Entladung der geschilderten Situation wird entfernt. Da dieses bei der vorliegenden Aufnahme konsequent bei allen dramatischen Passagen geschieht, lässt die Aufführung den Hörer kalt und wirkt wie ein blasser Abklatsch der originalen Komposition. Zum Glück gibt es noch die alte Aufnahme unter Nicholas McGegan mit schlechterem Chor und Orchester, aber dafür dem vollständigen & unbearbeiteten Werk!
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8 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Alternative ? Nein, Ergänzung, 9. April 2009
Seit Mendelssohns Wiederentdeckung 1829 hört man in der Passionszeit landauf-landab die Passionen von Johann Sebastian Bach.
Wenn René Jacobs nun die Brockes-Passion von Telemann veröffentlicht- ist dies fast eine Entdeckung.
Zu Zeiten des Johann Sebastian Bach war dies anders.
"Unter den Komponisten war die Brockes-Dichtung heiß begehrt. Mehr als ein Dutzend mal ist sie vertont worden, darunter von Berühmtheiten wie Johann Mattheson, Reinhard Keiser oder Georg Friedrich Händel."
Brockes war ein Hamburger Ratsherr.natürlich ein Großbürger.
Eine liturgische Passion schrieb er nicht.
"Zu sehr zielt er auf szenische Vergegenwärtigung und mitleidende Anteilnahme. Telemanns Oratorium ist mehr eine sakrale Oper als feierliche Gottesdienstmusik."
Telemann verstand es meisterlich, einen solchen Text in Musik umzusetzen.
"Telemann kann mitreißend dramatisch komponieren. Er war ein ausgebuffter Theatraliker, beherrschte die Finessen des wirkungsvollen Arienschreibens, zog experimentierfreudig alle Register der Instrumentierungskunst." meint Claus Spahn in einer aktuellen Kritik in der Zeit.
In Leipzig, wo man Telemann auch hatte haben wollen,wäre dies sicher nicht goutiert worden. Denen war ja schon die Matthäus-Passion von Bach zuviel.Ihm wurde " französischer Schaum" vorgeworfen. Zu viel Theater in der Kirche.
Bach war schon zu seiner Zeit ein Unzeitgemäßer. Das aufgeklärter Bürgertum hörte lieber ein Stück von Brockes.
"Hör, wie sein knirschendes Geräusch, sein Drachenzähnen gleiches Laub durchdringet Sehnen, Adern, Fleisch", das war ein gefragter Text, in dem es überanschaulich um die konkrete Darstellung des Leidens ging.
"Der Text folgt der Idee, dass die »Gnadenflut«, die für den sündigen Menschen aus der Passionsbotschaft entspringt, in einem direkten Zusammenhang steht mit der Menge an vergossenem Christusblut. Viel hilft viel. Deshalb presst »der Hölle wilde Glut«, wie Jesus in einem Rezitativ stöhnt, »aus Bein und Adern Mark und Blut«." so nochmals Claus Spahn.
Allerdings ist dieser Zugang offensichtlich von geringerer Nachhaltigkeit gewesen.Telemann konnte perfekt eine Mode bedienen,sie ging vorbei- die Musik war vergessen."Der Brockes-Passion, 1716 erstmals dargeboten in der Barfüßerkirche zu Frankfurt am Main, hört man den Trend zur außerkirchlichen Bezahl-Passion schon an. Sie wirbt um den Hörer, der des Hörens eigentlich überdrüssig ist. Ihre vielen Effekte sind bereits ein Zeichen dafür, wie wenig man der Botschaft noch zutraute, Interesse zu wecken."
Bach bediente keinerlei Mode. Seine Werke haben eine grosse innere Kraft- sie bleiben.
Jacobs holt mit seiner mitreissenden Interpretation das Werk aus der Vergessenheit.
Schon die live Aufführung in Berlin stiess auf viel Begeisterung:
"Die Aufführung folgte, dem Werk angemessen, einer Ästhetik der Verblüffung. Was kann man nicht alles mit Stimmen und Instrumenten machen! Celli donnerten, Hörner knurrten, das ganze Orchester spuckte mit klatschendem Geräusch."
Ebensolche Zustimmung findet nunmehr die Aufnahme.
"Man kann René Jacobs und seine Musiker nicht genug dafür loben, dass sie sich Telemanns vergessener Pracht-Passion angenommen haben.... Das Stück ist seine Wiederentdeckung allemal wert. Es entwickelt in seiner Grellfarbigkeit einen überwältigenden Sog."
Will man die Künste eines Kompositeurs bewundern- und Telemann hat davon überreich- ist diese Aufnahme dafür bestens geeignet.
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6 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Große Klappen ..., 16. März 2009
... haben die Herren und Damen bei Harmonia Mundi:
"VERGESSEN SIE HÄNDEL!
Wenn Sie Telemann eher nicht so mögen, werden Sie Ihre Meinung von Grund auf ändern. Wenn Sie Telemann schätzen, werden Sie ihn anschließend lieben. Eine dramatischere, packendere Passionsvertonung hat es weder vor 1716 noch danach gegeben. Vergessen Sie Händel! Lassen Sie Bach einen lieben Mann sein! Hören Sie Telemanns Brockes-Passion! 140 inspirierende Minuten musikalischen Hochgenusses mit RENÉ JACOBS am Pult der Akademie für Alte Musik Berlin erwarten Sie!"
So kündigt HM diese neue Aufnahme auf ihrer Website an. Mir gefällt das ja sehr, im Händeljubiläumsjahr 09.
Aber was ist eigentlich dran? Ich habe diese Darbietung in Magdeburg live gesehen und war schon damals hell auf begeistert. Herr Weisser war einfach mal eine Wucht, raumfüllend, warm und irgendwie sexy (das habe ich als Mann zumindest in den Gesichtern der anwesenden Damen sehen können - meine Begleiterin war schwer verliebt). Als Don Giovanni war er sehr diskutiert, für meine Begriffe vollkommen zu Unrecht, jetzt mit dieser Aufnahme muss jeder Zweifel verflogen sein.
Und es stimmt, vergessen kann man Händel wahrlich wenn man hier zuhört. Wird doch der Telemann gern belächelt (der Vielschreiber, weit hinter Bach und Händel etc.). Diese Musik ist großartig, inspiriert, man spürt das Telemann dem Textbuch gerecht werden will. Da ist einiges neu zu überdenken. Missen will man den Händel und den Bach freilich nicht aber der Telemann ist einfach mit zu nennen. Punkt.
Die Akademie spielt toll und belebt, der Rias Kammerchor ist wie immer in hervorragender Verfassung. René Jacobs muss man nicht mehr loben, weiß ja jeder. Auch wenn er dirigiert als würde er Wäsche aufhängen, seine Interpretationen und seine Leistungen sind über jeden Zweifel erhaben.
Ich sage mal, kaufen und zu Ostern anstatt der Johannes- oder Matthäus-Passion einfach diese Aufnahme hören.
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