Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Thailand-Kino im Vormarsch!, 22. Februar 2009
Restaurantbesitzer Wit (Pornwut Sarasin) und seine Frau Daeng (Lalita Panyopas) kehren zurück nach Bangkok, Thailand um zu einer Trauerfeier zu kommen. Vom Jetlag gequält, versuchen sie vor dem Morgen noch etwas Schlaf zu finden. An der Hotelbar lernt Wit die 19-Jährige Ploy (Apinya Sakuljaroensuk) kennen. Sie müsste in der Empfangshalle des Hotels noch einige Stunden auf ihre Mutter warten. Also schlägt Wit ihr vor, sich in seinem Hotelzimmer frisch zu machen und etwas zu schlafen, ohne seine Frau jedoch davon in Kenntnis zu setzten. Sie ist von Wits Bekanntschaft sichtlich nicht begeistert und so ist Ploy Auslöser für den Beginn einer Ehekrise.
Trotz der Spannung wird der Film langsam erzählt und es wird darauf verzichtet den Film mit unzähligen Ereignissen zu füllen. So entsteht ein ganz neues Gefühl für den Zuschauer, denn er erlebt Geschichte wie in Echtzeit mit, etwa fünf schlaflose Stunden mit Jetlag auf dem Hotelzimmer.
Parallel zur Handlung verläuft noch ein weiterer Handlungsstrang in dem das Zimmermädchen Tum (Porntip Papanai) und der Barkeeper des Hotels (Ananda Everingham) sich zu erotischen Spielen in einem der leeren Hotelzimmer treffen. Diese Nebenhandlung ist wie ein Kontrast zu der emotionslosen Ehe der sieben Jahre Verheirateten.
Auch wenn der Film zu Anfang etwas unzugänglich scheint, trügt dieser Schein. Wenn man sich auf die meditativen Bilder, den Erzählstil, die ruhige Art und vor allem auf die Umgebungsgeräusche und das Grundrauschen einlässt, dann stellt man fest, dass dieses Unperfekte "Ploy" erst das gewisse Reale verleiht, das bei der aufpolierten Hollywoodwelt nur noch selten zu finden ist.
Die Charaktere sind wunderbar gezeichnet, ohne sie viel sprechen zu lassen, entsteht für den Zuschauer ein klares Bild jeder einzelnen Figur. Das ist in erster Linie Verdienst der Schauspieler. Insbesondere Ploy, als lebhaftes, aber müdes junges Mädchen scheint wie für diese Rolle geschaffen. Ihre eigenwillige, dann wieder einfühlsame Art zeichnet ihren Charakter aus. Auch das Paar spielt ausgezeichnet und das brillante Zusammenspiel der beiden unterstreicht noch einmal die Glaubwürdigkeit der gebrochenen Beziehung.
Ein weiterer Punkt, der diesen Film auszeichnet ist die Feinfühligkeit von Regisseur "Pen-Ek Ratanaruang" und seine minutiösen Beobachtungen aus dem Leben:
(In der Bar in der Wit sich mit Ploy bekannt macht, hören die beiden Musik über Kopfhörer. Man sieht die beiden, wie sie pantomimisch sich zur Musik bewegen, mitsingen, und hört, was sie hören. Dann wechselt das Bild zum Barkeeper, die Musik noch für hörbar. Der Barkeeper fängt an - ohne für uns ersichtlichen Grund - in sich hinein zu lächeln. Das Szenenbild wechselt wieder zu Ploy und Wit, nun aber aus Sicht des Barkeepers. Die Musik vergeht im Moment des Szenenbild-Wechsels. Jetzt verstehen wir erst warum der Barkeeper lachte.)
Pen-Ek Ratanaruang zeigt uns so auf eindrucksvolle Weise wie einfach falsche Auffassungen oder Missverständnisse entstehen können und wo sie entstehen.
"Ploy" bedient sich auch des Stilmittels der Verwirrung, indem zwischen Traum und Realität nicht immer gleich unterscheiden werden kann. So bleibt es durchgehend spannend bis zur letzten Minute. Unkonventionelle Kameraführung und Schnitt sind weitere Eigenschaften des Films. Durch besagte Kameraführung scheint es zwar wie eine Low-Budget Produktion. Gleichzeitig wird so aber der Fokus auf bestimmte Details gerichtet und man hat mehr dieses Mittendrin-Gefühl. Das führt so weit, dass dies einer dieser Filme ist, denen man mit starrem Blick ohne Augenzwinkern folgt, um nicht das kleinste Detail zu verpassen. Durch die Eigenwilligkeit ist "Ploy" als gelungenes filmisch-künstlerisches Experiment zu sehen. Arthaus-Kino eben.
Als kleiner Kritikpunkt ist zu erwähnen, dass der Film technisch etwas unausgereift wirkt.
Fazit: Ein ruhiges Drama (das etwas Eingewöhnung bedarf) mit überzeugenden, passend besetzten Darstellern. Eine spannende, wie aus dem Leben gegriffene Geschichte. Ernst, dann traurig, aber niemals verbittert, die Hoffnung schimmert immer ein wenig durch.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Tagträume, 16. Dezember 2009
In einem Hotel in Bangkok trifft an einer Bar der vom Jetlag geplagte Wit auf die 19-jährige Ploy, die dort auf ihre Mutter wartet. Er bietet ihr sein Hotelzimmer an, wo sie sich waschen und ein wenig ausruhen kann. Die Anwesenheit der jungen Dame wird zum Auslöser für zunehmende Spannungen zwischen Wit und seiner drogenabhängigen Ehefrau Dang, die fortan in verbalen Auseinandersetzungen die Trostlosigkeit ihrer Ehe aufarbeiten. Währenddessen träumt Ploy, wie sich der Barkeeper aus der Lounge und ein Zimmermädchen, welches ihr kurz zuvor auf dem Hotelflur begegnete, in einem Nebenzimmer erotischen Spielen hingeben.
Wenn Träume und Realität ineinander verschwimmen - der thailändische Regisseur Pen-Ek Ratanaruang spielt in diesem Film im Arthouse-Chic mit dem Zuschauer. Ein übermüdetes Ehepaar und eine 19-jährige versinken im kühlen Neonlicht eines Hotels in ihren Tagträumen, die als Ausdruck des intimen Ichs einmal in Form von Ängsten bei Wit und Dang und andererseits als Sehnsüchte bei Ploy dem Zuschauer offenbart werden. Was tatsächlich passiert oder was nur geträumt ist, wird nie ganz aufgelöst. Der Erzählstil fällt dementsprechend zeitlupenartig wie im Trancezustand aus. Nicht umsonst wurde dabei ein Hotel als Ort dieser Mischung aus Kammerspiel, Beziehungsdrama und Mystery-Film ausgewählt. So wie Menschen aus allen Himmelsrichtungen in einem Hotel zusammenfinden, kurz miteinander in Kontakt kommen und dann wieder auseinanderdriften, neigt sich auch die Ehe und Liebe zwischen Wit und Dang dem Ende und droht zu zerbrechen. Wie jeder Hotelaufenthalt steuert auch eine Beziehung auf ein Datum zu, das unweigerlich das Ende markiert. Die Lounge des Hotels dient als willkommenes Refugium, in das sich beide Ehepartner flüchten. Das Mädchen Ploy wird dabei zum Ventil unterdrückter Gefühle. Nimmt Wit die 19-jährige gar nur deshalb mit auf sein Zimmer, weil er seine kontrollsüchtige Frau provozieren will? Die sehr erotischen Liebesszenen im anderen Zimmer bilden dabei den Kontrast zu der leidenschaftslosen und unerfüllten Ehe zwischen Wit und Dang. Alles was Wits eifersüchtige Ehefrau an Gefühlen nicht mehr bekommt, erfährt das Zimmermädchen nebenan vom Barkeeper. Insofern scheint der Regisseur zwei Lebensformen gegenüber zu stellen. Die stark bindende Ehe in dem einen Raum, bei der das Feuer mit der Zeit zwangsläufig erlischt und an deren Erfüllung er von vornherein scheinbar nicht glaubt und eine lose leidenschaftliche Affäre nebenan, die an erogener Befriedigung kaum noch zu überbieten ist. So drängt sich dem Zuschauer implizit die Frage auf, ob es so etwas wie eine lange glückliche Ehe überhaupt geben kann. Der Film lässt Raum für Interpretationen. Das Hotel wird somit als Allegorie für eine Art der Beziehung betrachtet. Man kann es trotz seiner kalten Flure und kühl ausgestatteten Zimmer als Hort der Geborgenheit sehen. Erst als Wits Ehefrau Dang aus dem Hotel raus in die einsame anonyme Großstadt flüchtet, gerät sie in Bedrohung.
Der Film erinnert stark an Lost In Translation von Sofia Coppola, schildert das Hotelleben jedoch noch detaillierter und präziser. Die Figuren taumeln wie benommen ohne viele Worte durch diese Szenerie und werden dennoch durch ihre Physiognomie und ihre Habiten sehr scharf und exakt gezeichnet. Anbei zu dieser DVD-Veröffentlichung im Rahmen der Arthouse-Collection ist ein ausführliches Booklet mit Artikeln über den Film, die Schauspieler und einem Interview mit dem Regisseur. Die Tonspur liegt in Deutsch und Thai in Dolby Digital 5.1 vor. Das Bildformat ist 1,78:1.
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5.0 von 5 Sternen
Sensationell gut, der Streifen, 10. Dezember 2009
"Ploy" ist wie nahezu jeder Film von Pen-Ek Ratanaruang ein fantastischer Film, Thailand hat wirklich großartige Filmemacher, die in unsere hiesigen Kreisen leider noch sehr unterbewertet stattfinden. "Ploy" zeichnet sich durch eine ruhige Kameraführung, schöne Fotographien und eine feinfühlige Geschichte aus. Insbesondere die Storyline des Ehepaares hat mich beeindruckt. Der Film reiht sich nahtlos in die wirklich sehenswerten Filme der Arthouse-Asia Reihe ein und ist jedem zu empfehlen, der den Unterschied zwischen "Ruhe" und "Langeweile" kennt, Wong Kar Wei's Zigarettenrauch-Sequenzen und den französischen Film noir zu schätzen weiß und einen Film guckt anstatt ihn als "nebenbei Berieselung" zu verstehen....volle Punktzahl für einen außergewöhnlich und schönen Film!
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