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10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Juwel des modernen Musiktheaters aus Ungarn, 27. März 2008
Mit Ausnahme einiger russischer und tschechischer Opern sind Werke des osteuropäischen Musiktheaters im Westen nur sehr wenig bekannt. Hierzu zählt auch der Einakter "Herzog Blaubarts Burg" des Ungarn Béla Bártòk aus dem Jahr 1911, den man gleichwohl als einen der großen Opernklassiker des 20. Jahrhunderts ansehen muss. Bei der vorliegenden DVD-Einspielung von Decca handelt es sich nicht um eine Aufnahme einer Bühnenaufführung, sondern um eine sehr werkgetreue Opernverfilmung aus dem Jahr 1981 in Coproduktion mit MTV.
Bártòks Zwei-Personen-Stück ist ein quasi symbolistisches Seelen- und Beziehungsdrama (s. Prolog im Beiheft), in dem Judith ihrem Gatten Blaubart gegen den Willen ihrer Familie in dessen düstere und kalte Burg folgt, um ihn aus seiner Einsamkeit und von seiner Gefühlskälte zu befreien. Im Verlaufe des Stückes wandeln sich Judiths anfängliche Liebe zu Blaubart und ihr Wunsch, ihren Gatten besser kennenzulernen (ihre "Neugier" in Bezug auf die sieben verschlossenen Türen), zunehmend in Misstrauen. Die verschiedenen Kammern und Räume, die sich hinter den Türen verbergen, werden durchweg detailgetreu dargestellt: rotes Licht, Feuer, blutverschmierte Wände und Folterwerkzeuge in der Folterkammer, deren Mauern im Innern verfallen sind; blutverschmierte Lanzen und Hellebarden in der Waffenkammer; blutverschmierte Juwelen in der Schatzkammer; im wie ein Dornröschenschloss verwunschenen Garten süß duftende, aber blutende Blumen; Blaubarts Reich erstrahlt in gleißendem Licht, aber Wolken werfen blutrote Schatten; der See, der sich aus den Tränen der früheren Frauen Blaubarts speist, liegt in einem Eispalast und ist beinahe zugefroren; in der letzten, siebenten Kammer schließlich erscheinen in prächtigen, barockisierten Kostümen Blaubarts Gattinen seiner drei Lebensalter: des Morgens, des Mittags und des Abends, zu denen sich nun Judith auf ewig als Gattin der Nacht gesellen muss. Sowohl szenisch wie auch musikalisch spannt sich ein dramaturgischer Bogen von Dunkelheit (fis-Moll) über Licht (C-Dur) wieder zu Dunkelheit. Nach Judiths Abgang wird es in Blaubarts Burg, in die durch das Öffnen der Türen Licht und Wärme eintraten, wieder finster und kalt. Blaubart verbleibt weiter in Einsamkeit.
"Herzog Blaubarts Burg" ist ein düsteres Werk, dessen musikalische Sprache einerseits sehr expressiv - in der Darstellung der Affekte der Figuren - ist, andererseits in der orchestralen Illustration des Burginnern durchaus impressionistische Züge trägt. Der Anblick des Blutes in den Kammern wird harmonisch durch die immer wiederkehrende kleine Sekunde, einer sehr scharfen Dissonanz, quasi leitmotivisch wiedergegeben.
Blaubart und Judith werden von Kolos Kováts und Sylvia Sass gesanglich hervorragend interpretiert (in der Originalsprache Ungarisch; Untertitel auf Deutsch, Englisch, Französisch etc. sind einblendbar); das London Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Sir Georg Solti lässt Bártòks kühne und berauschende Klangsprache glänzend zur Geltung kommen.
"Herzog Blaubarts Burg" dauert nur eine knappe Stunde. Umso bedauerlicher ist es, dass die DVD keinerlei Extras enthält, auch keine Trailer mit Ausschnitten von anderen Aufnahmen. Das Beiheft enthält neben einer kurzen Einführung den üblicherweise zu sprechenden Prolog auf Ungarisch mit Übersetzungen.
Fazit: Trotz der kargen Ausstattung der DVD ist diese Einspielung für Liebhaber des moderneren Musiktheaters ein absolutes Muss.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Fatale Neugierde, 13. Dezember 2008
In dieser Produktion gibt es leider ein Missverhältnis zwischen Ton und Bild. Georg Solti und das London Philharmonic Orchestra bieten mit der Technik und den beiden Protagonisten eine rundum hörenswerte Aufnahme. Sylvia Sass und Kolos Kovacs sind Künstler, für die das komplizierte ungarische Idiom kein Problem darstellt. Sie singen hervorragend.
Doch nun die herbe Enttäuschung: die Inszenierung! Sie ist ganz im altertümlichen Stil gehalten, was ja noch kein Problem wäre. Doch das Studio, in dem dies alles aufgebaut wurde, enthält leider nur Versatzstücke einer Laienspieltruppe. Eine Pappmachee-Burg, die eher einer Höhle gleicht. Spiegelglasbruch in der Schatzkammer und Nylonvorhänge als Tränensee ...
Dazu die Kostüme - sehr überladen und für heutige Ästhetik schwer erträglich. Und die Personenführung läßt leider auch zu wünschen übrig!
Sylvia Sass wabert wie eine wahnsinnige Lucia di Lammermoor durch das Bild wie auf einer Bühne des 19. Jahrhunderts. Dass sie dazu auch noch die Augen rollt wie eine Stummfilmdiva macht die Sache nicht besser.
Irgendwie wundert es mich nicht, dass mir beim Ansehen alle paar Minuten die Augen zugefallen sind.
Wichtig erscheint mir noch der psychologische Hintergrund der ganzen Story.
Hier begegnen sich zwei Menschen, ein Mann und eine Frau. Er sammelt Frauen wie Kunstobjekte und braucht Judith als vierten Edelstein seiner Sammlung. Sie gibt vor ihn zu lieben, ist aber von einer fatalen Neugierde getrieben, will ihm alle seine Geheimnisse entreissen und büßt das mit ewiger Beziehungslosigkeit.
Das klingt doch alles ziemlich vertraut ... oder?!
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