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15 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Menschliche Abgründe, 24. März 2008
Als ich das erste Mal von dem Film hörte, dachte ich es geht um ein Politdrama.Da ich mich aber für derart anspruchsvolle Themen in der richtigen Stimmung befinden muss, habe ich die DVD erstmal zur Seite gelegt.
Jetzt-nach dem Ansehen-weiss ich natürlich was es wirklich ist:
Ein Psychodrama der Extraklasse!!
Denkt man nach einigem Zusehen noch, es ist klar worauf es hinausläuft, wird man aber gehörig eines Besseren belehrt.
Der echte Skandal ist ganz einfach der Mensch, mit all seinen Emotionen, Geheimnissen und Handlungen.
Dieses Thema so geschickt, verschachtelt und vielseitig umzusetzen verdient absoluten Respekt.
Nicht ganz unschuldig an dem hochkarätigen Ganzen sind unter anderem die klasse Darsteller (Judi Dench und Cate Blanchett spielen überragend), das excellente Drehbuch, die Kamera und die wunderbare Filmmusik.
Mein Fazit:Jedem Filmliebhaber mit Anspruch kann ich dieses Drama nur empfehlen.
Das Filmzitat:"Kinder sind wie wilde Tiere. Sie dürfen ihnen Ihre Angst nicht zeigen."
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41 von 46 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Psychodrama in hochkarätiger Verpackung, 4. August 2007
"Tagebuch eines Skandals" beeindruckt besonders durch die Tatsache, dass die Geschichte eigentlich einen lupenreinen B-Film abgegeben hätte, doch der Film wird durch die erstklassigen Darstellerinnen Judi Dench und Cate Blanchett sowie durch die Inszenierung und die Musik von Philip Glass derart aufgewertet, dass man den Unterschied zwischen Arthaus und Exploitation nicht mehr machen kann. Diese Mischung ist selten so gut gelungen wie hier.
"Tagebuch eines Skandals" erzählt von der einsamen und strengen Lehrerin Barbara (Dench), die große Zuneigung für die neue, attraktive Kollegin Sheba (Blanchett) empfindet. Als sie herausfindet, dass Sheba ein Verhältnis mit einem 13jährigen Schüler hat, behält sie das schmutzige Geheimnis für sich, stellt aber dafür eigene Forderungen... damit beginnt ein Alptraum für die junge Lehrerin.
Der Film gehört natürlich von Anfang bis Ende Judi Dench, und es ist eine wahre Wohltat mitanzusehen, wie diese großartige Schauspielerin ihre Rolle ganz und gar einnimmt. Sie schreckt weder vor seelischer noch körperlicher Nacktheit zurück und schert sich keine Sekunde darum, ob man sie als Zuschauer ablehnt oder Mitleid mit ihr hat. Cate Blanchett hat die etwas untergeordnete Rolle der Ehebrecherin, die in erster Linie schön und verzweifelt sein muss, doch auch sie meistert diesen Part mit Intelligenz und unerwarteten Wendungen. Man darf sich allerdings nie fragen, wie der Film mit vertauschten Geschlechterrollen funktionieren würde (also wenn ein mittdreißiger Lehrer ein Verhältnis mit einer 13jährigen Schülerin hätte), das möchte man dann doch nicht unbedingt als spannende Unterhaltung sehen... zumal die Szenen zwischen Blanchett und ihrem Schützling (herrlich rotzig und durchtrieben gespielt von Andrew Simpson) auch noch äußerst erotisch sind (interessant übrigens, dass er dabei der Aggressor ist und sie mehr oder weniger das Opfer, was ihr Fehlverhalten aber überhaupt nicht rechtfertigt).
Mehrfach wurde geäußert, dass Judi Dench hier im Grunde eine lesbische Frau spielt, die ihre Obsession auf Blanchett richtet, doch dem ist nicht so, es sei denn, man möchte das unbedingt herauslesen. Viel mehr geht es um ihre Einsamkeit und den Wunsch, jemanden zu haben, der ihr zuhört, der einem die Angst vor dem Älterwerden nimmt, und der intellektuell auf gleicher Ebene steht. Dass dieser jemand ausgerechnet eine Frau ist, spielt dabei eine untergeordenete Rolle.
"Tagebuch eines Skandals" lässt sich schwer in ein bestimmtes Genre einordnen - er ist Psychodrama, Thriller und schwarze Komödie in einem. Letztlich ist er einfach ein erstklassiger Schauspielerfilm. Es ist selten, dass heutzutage noch ein Film mit zwei so komplexen (und nicht 20jährigen) Frauenfiguren ins Kino kommt, die sich ein Darsteller-Duell erster Güte liefern dürfen, wie es seinerzeit etwa Bette Davis und Joan Crawford in "Was geschah wirklich mit Baby Jane" getan haben. "Tagebuch eines Skandals" macht definitiv Lust auf mehr davon! Einer der besten Filme des Jahres.
Die DVD bietet mehrere Extras: den Audiokommentar von Regisseur Richard Eyre, Featurettes (Die Geschichte zweier Obsessionen, Hinter den Kulissen, Cate Blanchet über ihre Rolle, Webisodes, Judi & Cate - Hinter den Kulissen des Skandals, Das Drehbuch, ein Gespräch mit Cate Blanchett & Bill Nighy, Casting, Charaktere, Am Set, Liebesszenen), den Kinotrailer und eine Trailershow.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Das Zerstörerische der Einsamkeit, 23. August 2009
Wären auf dem Cover nicht in großen Buchstaben die Namen von Judi Dench und Cate Blanchett gestanden, hätte ich mir diesen Film kaum angeschaut. Denn ich konnte mir nach der Lektüre des Romans schlecht vorstellen, dass die psychologischen Feinheiten eine Komprimierung auf 88 Minuten ertragen. Aber da der englische Regisseur, Sir Richard Charles Hastings Eyre, sich in erster Linie mit Theaterinszenierungen einen Namen machte, beherrscht er das Handwerk, mit wenigen Zeichen ganze Seelenlandschaften darzustellen. Ein gutes Gespür für kleine Gesten und großen Mimenspiel braucht es denn auch, damit der Zuschauer die alternde und vereinsamte Lehrern Barbara nicht abgrundtief hasst. Eine Gratwanderung, die auch dank einer überragenden Judi Dench gelingt. Arm, verzweifelt und zwischen den Rollen einer isolierten Königin und einer armen Hexe pendelnd, versucht sie sich an das Leben anderer zu hängen. Sie sucht nach Liebe, indem sie über Liebe spricht. Sie schmeichelt sich ein, hält bürgerliche Werte hoch, tritt für hehre Werte ein, führt sich als die Frau für das Gerechte auf und bleibt dennoch einsam. Aber um ihr verletztes Herz zu heilen, greift sie letztlich zu den Mitteln der Intrige und des Verrats. Wer sich von ihr abwendet, soll dafür büssen müssen. Eines ihrer Opfer ist ihre jüngere, attraktivere und beliebtere Lehrerkollegin Sheba, gespielt von Cate Blanchett.
Warum Sheba sich in ihrer Familienumgebung verloren und einsam fühlt, geht im Film weniger klar hervor als im Buch. Das ist deshalb schade, weil ihr sexuelles Verhältnis mit einem 15jährigen Schüler dadurch allzu sehr auf den Skandal fokussiert wird. Dennoch wird dem Zuschauer zum Glück klar genug, dass die krankhaft um Aufmerksamkeit und Zuneigung kämpfende Barbara die Verstörtheit von Sheba schamlos ausnutzt. Während Sheba jedoch wieder zu sich selbst findet, sind Verletzung und Lebenslügen der älteren Frau so groß, dass sie zwanghaft ein weiteres Opfer suchen muss.
Mein Fazit: Trotz kleiner Lücken in der psychologischen Zeichnung der handelnden Figuren hat mich diese Verfilmung eines ebenso beklemmenden wie spannenden Romans überzeugt. Hinter einer liebevollen Annäherung kann auch das Kalkül stehen, andere Menschen zu vereinnahmen und an sich zu binden, um Lebenslügen aufrecht zu erhalten und das Loch zu füllen, das Einsamkeit hinterlässt.
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