Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Etwas blass..., 10. Oktober 2007
Wie der erste Rezensent habe auch ich diese CD bei amazon.fr gekauft, weil ich das Erscheinen in Deutschland nicht erwarten konnte. Auch ich wurde enttäuscht, allerdings nur in bestimmten Punkten der Oper. Als erstes muss ich bemerken, dass durchaus hochwertige Interpretationen auf den drei CDs vorhanden sind, ein paar echt tolle Bravourarien (as always) und diese schönen, ruhigen, berührenden Arien, die der eigentliche Grund für mich sind, immer wieder auf Vivaldis Musik zurückzukommen. Als beste Interpretin letzterer und auch der vorhin genannten Stücke sei Nathalie Stutzmann genannt, die mit ihrer recht eigentümlichen Stimme immer wieder überzeugt, sich vor keiner Koloratur zu verstecken braucht und den Hörer auch zu bewegen und berühren weiß ("Cor che prigion sei", Akt 3, Sz. 8 - !!!! ) Ihr relativ großes Vibrato auf den "hohen" Tönen (f2...) stört mich nicht, da sie diese nur an Arienschlüssen anbietet. Allerdings hätte sie ein wenig großzügiger im Umgang mit ihrer fantastischen Bruststimme sein können - wie sie das auf der "Verità in Cimento"-Aufnahme bei naive so effektvoll tut.
Ihrer Leistung am nächsten kommt meiner Meinung nach Sandrine Piau, die ein rundum überzeugendes Portrait der unglücksseligen Heldin Atenaide/Eudossa zeichnet. Sie hat fast keine Bravourarien zu absolvieren, dafür aber eine echte Scena della pazza im dritten Akt, mit dem wunderbaren "In bosco romito" - ein Höhepunkt der Oper.
Paul Agnew ist auch ein Pluspunkt der Einspielung, einer der wenigen Tenöre, die für die Barockmusik geeignet sind. Er hat außerdem eine beachtliche Fähigkeit, Koloraturen zu singen.
Guillemette Laurens singt die Anna Girò-Partie der Pulcheria, eine der echten Sympathieträger der Handlung. Sie macht ihre Sache sehr gut, aber hat wenig Gelegenheit, mal ihre Zähne zu zeigen. Deshalb wirkt ihre Leistung auf Dauer etwas zu harmlos, wofür sie aber nichts kann.
Lobend zu erwähnen sei noch ihre Arie "Quanto posso", ein wunderbares Stück Musik, welches sie sehr anrührend gestaltet.
Romina Basso ist meiner Meinung nach ein zu einförmiger Varane, ungeachtet ihrer schönen Stimme und ihrer guten Technik. Man wünscht sich aber trotzdem eher eine Manuela Custer oder eine Sonia Prina, die dieser Rolle mehr Feuer geben würden.
Stefano Ferrari hat eine gute Technik, eine schöne Stimme, aber (zu) wenig Ausstrahlung für die Rolle des "Bad Boy" Probo.
Last but not least: Vivica Genaux ist der vielleicht prominenteste Name der Einspielung, und man nimmt ihr die Partie des betrogenden Prinzen Teodosio auch ab, aber ihr fehlt meiner Meinung nach in dieser Partie die vokale Tiefe eines Rinaldo oder eines Farinelli. Sie hat größtenteils in der Mittellage zu singen, kaum Möglichkeit, ihre Trümpfe in Höhe und besonders Tiefe auszuspielen. Die Arie "Dal tribunal d'amore" bleibt der leider einzige Höhepunkt ihrer Leistung. Bleibt nur zu hoffen, dass dieser von mir so geliebten Sängerin bald wieder Gelegenheit gegeben wird, eine Rolle zu singen, die etwas mehr Tiefgang erfordert.
Modo Antiquo unter Federico Maria Sardelli spielt zupackend, dramatisch und vif, aber bleibt in den Rezitativen zu eintönig, lässt zu wenig Variabilität zu. Deshalb wirken die Secco-Rezitative ermüdend und nicht so spannend wie z.B. bei Fabio Biondi, Ottavio Dantone oder Jordi Savall.
Ein Minuspunkt der Aufnahme ist außerdem die Tonqualität. Nicht wie sonst in der Vivali-Edition üblich von Le Grenier à Son sondern vom WDR realisiert, bleibt auch hier der Eindruck blass, man wird nicht so zwingend ins Geschehen hineingezogen wie bei den Aufnahmen von Orlando finto pazzo oder auch Tito Manlio.
Alles in allem keine herbe Enttäuschung, aber ein wenig Verstimmung stellt sich schon ein, wenn man die dritte CD aus dem Player nimmt und wehmütig an die anderen Opern der Vivaldi Edition denkt.
Bleibt nur zu hoffen, dass die nächste Ausgabe etwas zupackender verläuft.
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3 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Eine der besten Operneinspielungen der Vivaldi-Edition , 1. Oktober 2007
Nach den durchweg bestens gelungenen Operneinspielungen der großen Vivaldi-Edition von Naive Classics in den letzten Jahren gibt es nun wieder einen neuen Höhepunkt: Atenaide in der 2. Fassung von 1730. Völlig unverständlich, warum diese nahezu perfekte Barockoper 277 Jahre in den Archiven schlummern musste. Obwohl Vivaldi wie üblich manche Arie aus vorausgegangen Produktionen (Orlando, Farnace) übernommen hat und die Orchesterbesetzung bis auf ein Stück mit Blockflöten nur aus Streichern besteht, ist der Gesamteindruck überwältigend, besonders was den differenzierten, rhythmisch originellen und harmonischen reichen Satz und die wundervolle Singstimmenbehandlung anbelangt. Für seine Zeit sehr fortschrittlich komponierte Vivaldi , anders als Bach oder Händel, in einem Stil der bereits deutliche Kennzeichen des aufkommenden galanten Geschmacks trägt und eigentlich nicht mehr rein barock ist.
Besonders geglückt ist bei dieser Produktion die Sängerauswahl, kein einziger Schwachpunkt findet sich hier, alle Protagonisten bewältigen die teils atemberaubenden Schwierigkeiten ihrer Partien technisch und musikalisch bravurös, ich war besonders von Nathalie Stutzmann angetan, um die es in letzter Zeit leider etwas stiller geworden war.
In diesem hochkarätigen Umfeld verzeiht man Sardelli und seinem Barockorchester auch gerne manch unnötigen agogischen oder dynamischen Manierismus. Uneingeschränkte Kaufempfehlung!
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8 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen
Sehr enttäuschend..., 28. September 2007
Vorweg: Ich bin ein großer Fan der Vivaldi-Edition von Naive und kann Neuerscheinungen kaum erwarten - daher habe ich mir diese CD bereits über amazon.fr bestellt, weil Naive-Produktionen in Frankreich immer ca. sechs Wochen eher als in Deutschland veröffentlicht werden. Natürlich waren die Erwartungen entsprechend hoch - zumal mit Vivica Genaux und Sandrine Piau zwei "Schwergewichte" auf der Besetzungsliste stehen. Doch die Enttäuschung nach dem ersten (und auch zweiten und dritten) Hören war groß - und dies schließt eigentlich alle Bereiche der Produktion ein: Zunächst besteht die Aufnahme zu weit über einem Drittel aus Rezitativen, die z.T. über sieben Minuten dauern und folglich etwas ermüdend sind. Kompositorisch bietet die Oper wenig Highlights und das Werk reicht insgesamt nicht an die Originalität und Kreativität einer "Griselda" oder eines "Tito Manlio" heran, denn weite Teile sind bereits bekannt - so stammen viele der Arien aus dem "Farnace" bzw. dem "Orlando furioso". Letzteres wäre ja prinzipiell auch nicht allzu tragisch, aber die Interpretationen der Orlando-Bravourarien (übrigens meine persönlichen Vivaldi-Favoriten) "Nel profondo" und "Sorge l'irato" (hier gesungen von Romina Basso und Guillemette Laurens) sind vollkommen missglückt, was gerade im Vergleich mit Horne und Podles, aber auch mit Prina bzw. Lemieux mehr als deutlich wird. Insbesondere Guillemette Laurens Gesangsleistung ist desolat: Bei ihr wird versucht, die technischen Defizite durch übertrieben schnelle Tempi und hohe Lautstärke des Orchesters zu überdecken. Ein Problem, das leider auch auf den Rest der Aufnahme zutrifft: Das Dirigat ist insgesamt viel zu hastig, zu hektisch und vor allem zu hart - Sardelli mutiert hier tatsächlich zu einem Spinosi "light".
Das Schlimmste ist jedoch die Besetzung der Partien: So kann man die exzeptionellen technischen Fähigkeiten von Vivica Genaux auf den weit über drei Stunden Spielzeit insgesamt ungefähr drei bis vier Minuten genießen, denn mehr "Bravour" gibt es für sie einfach nicht zu singen. Was für eine Verschwendung!!! Warum hat sie nicht die Orlando-Arien gesungen? Wer ihre phänomenale Leistung in "Il Bajazet" in den Ohren hat, wird hier wahrlich schwer enttäuscht...
Die eigentliche Bravourpartie obliegt dem Tenor. Paul Agnew muss extrem schwierige und verzierte Arien singen und bewältigt diese auch - allerdings mehr auch nicht. Seine Koloraturen sind z.T. wenig klangschön und etwas geleiert. Selbst Sandrine Piau zeigt kleine (keine gravierende!)stimmliche Ermüdungserscheinungen: Ganz so flüssig und leuchtend sind ihre Koloraturen nicht mehr - dies wird insbesondere im Vergleich mit ihrem Händel Album von 2005 deutlich.
Fazit: Neben dem "Orlando furioso", der wenigstens als Komposition herausragend ist, ist diese "Atenaide" die bisher schwächste Aufnahme der gesamten Edition. Ich hoffe, die nächste Oper wird wieder besser... Allerdings habe ich da wenig Hoffnung, denn leider wird "La fida ninfa" von Spinosi eingespielt, der mit seinem egomanischen Gehämmere den Zauber vermutlich mal wieder fast komplett zerstören wird.
Zitat eines geschätzten Kritikers aus den USA:
"Spinosi's first two Vivaldi opera recordings are the absolute worst of the worst -- the musical equivalent of Eurotrash contemporary stagings. Griselda is only a slight improvement, thanks to the recording engineers. It is improbable that this [La fida ninfa] will be any better, as corrupt or incompetent reviewers in the mainstream media and at commercial classical magazines such as Goldberg and Gramophone consistently have lavished praise on Spinosi's atrocities."
Dem habe ich nichts mehr hinzuzufügen...
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