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87 von 93 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Birnentorte, 12. Juli 2007
Dieser Film schafft es gleichzeitig urkomisch und tieftraurig, bitterböse und herzensgut zu sein. Es geht um schießwütige Araber, behinderte Kinder, brutale Nazis, fanatische Gottesprediger, fette Vergewaltiger, zutiefst zynische Ärzte, gemeine Gehirntumore und natürlich frischen Apfelkuchen.
Er verstößt dabei laufend gegen das was man gemeinhin als guten Geschmack bezeichnet und hält sich nicht im geringsten mit political correctness auf. Dabei ist er aber derart absurd und überzogen, dass es wie ein Märchen wirkt und man ihm nichts übel nehmen kann Zumal man ohnehin viel zu sehr mit Lachen und ungläubigen Kopfschütteln beschäftigt ist.
Hat man die Geschehnisse aber ein wenig sacken lassen, kommt man über die angeschnittenen heiklen Themen durchaus ins Grübeln. Aber selbst auf diesem Gebiet kann der Film eine überraschend optimistische und lebensbejahende Richtung weisen, die man ihm zunächst gar nicht zugetraut hätte.
"Adams Äpfel" ist eine grandios gelungene Gradwanderung zwischen Witz und Wahnsinn, Unterhaltung und Anspruch, wie es sie nur ganz wenige gibt.
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30 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Schwarz, schräg, intelligent und mitreißend. Ein wunderbarer Film!, 24. Juni 2007
Als ich die DVD in der Hand hielt, konnte ich mir unter der Story nicht all zu viel vorstellen. Allerdings haben skandinavische Filme in den letzten Jahren bei mir einen hervorragenden Eindruck hinterlassen. Da, wo wir die Grenzen des Humors ziemlich eng stecken, geht es bei den Skandinaviern oder Briten erst richtig los. Beim Abspann von "Adams Äpfel" war mir dann klar, dass Regisseur Anders Thomas Jensen ein wahrer Geniestreich gelungen ist.
Mit bitterbösem und scharfzüngigem Humor wird die Geschichte des Neonazis Adam erzählt. Er wird aus der Haft entlassen und soll in der Kirchengemeinde des Pfarres Ivan resozialisiert werden. Dort trifft er auf Khalid, einen ehemaligen Bankräuber, dessen Kumpel einen(angeblich) trockenen Trinker und Sittlichkeitsverbrecher, sowie einer zugelaufenen, schwangeren Vollalkoholikerin. Dieses Quartett der schwarzen Schafe ist so ziemlich das schrägste und lustigste, was ich in den letzten Jahren im Film gesehen habe. Jede Geste, jeder Spruch und jede stille Sekunde sind herzerfrischend komisch und perfekt gespielt. Dazu kommt Pfarrer Ivan, der in seiner eigenen Gedankenwelt lebt. Er ignoriert die Realität um sich herum und erfindet sein eigenes Unviersum, in dem Gott jeden liebt und allen eine Chance einräumt. Zu seinen Prinzipien gehört es, dass jeder der Mitbewohner eine Aufgabe erhält. Adam soll einen Apfelkuchen backen. Damit sind wir beim zentralen Thema des Films. Irgendwie versucht der Teufel, oder ist es vielleicht doch der liebe Gott, Adam an diesem Vorhaben zu hindern. Egal, was er auch versucht, die Sache mit dem Kuchen haut irgendwie nicht hin. Von Tag zu Tag gibt es größere Probleme. Erst fressen Krähen die Äpfel, dann greifen Heerscharen von Würmen an und zum Schluss schlägt auch noch der Blitz in den Apfelbaum ein. Aber da ist ja noch Ivan, der Turm in der Schlacht. In seiner allgegenwärtigen Ignoranz wischt er alle Zweifel aus dem Weg und treibt Adam fast in den Wahnsinn. Selbst sein bevorstehender Tod und ein Hirntumor von der Größe eines Tennisballs können Ivan da nicht stoppen. Als dann noch Adams alte Neonazikumpels auftauchen und Khalid zeigt, wie gut er mit einem Schießeisen umgehen kann, scheint nichts und niemand die Katastrophe aufhalten zu können...
Anders Thomas Jensen hat seine Charaktere mit soviel Liebe und Feingefühl besetzt, dass es eine Freude ist zuschauen zu dürfen. Die Darsteller passen wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge und die Synchronisation ist schlichtweg genial. Dabei driftet Adams Äpfel niemals in den Klamauk ab. Wer genau aufpasst, wird erkennen, das Jensen das Buch Hiob der Bibel fast 1 zu 1 in die Gegenwart des Dänischen Kirchenhofs verlegt und umgesetzt hat. Dabei stellt sich stets die Frage: Wer gibt den Hiob? Ist es Adam, oder vielleicht doch eher Pastor Ivan. Was Ivan an Leid und Rückschlägen über sich ergehen lassen muss; wie oft er dabei im Krankenhaus landet und von einem schrulligen, unglaublich zynischen alten Doktor wieder zusammengeflickt wird, das ist schon einmalig.
Last not least glaubt Adam, dass er der einzig vernunftbegabte Mensch in der Kirchengemeinde ist. Aber er merkt nicht, dass die "Verrückten" um ihn herum dafür sorgen, dass er sich ändert. Der Neonazi verschwindet und ein völlig anderer Adam tritt ans Licht.
Ich habe selten bei einem Film so viel gelacht und mich über intelligente Wortspiele und Anspielungen geradezu diebisch gefreut. Sicher ein Dutzend der gezeigten Gags wären in einem deutschen Film undenkbar; leider. So müssen wir uns weiter an die Briten und Skandinavier halten und ganz fest die Daumen drücken, dass Adams Äpfel noch ein paar würdige Nachfolger findet.
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59 von 67 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Die (dänische) schwarze Komödie hat einen neuen König, 15. März 2007
Es ist ein seltsamer Haufen, der in der kleinen Dorfkirche lebt, in welcher Neonazi Adam seine Bewährungsstrafe ableisten soll: Der übergewichtige, kleptomane Alkoholiker Gunnar, der arabische, schießwütige Tankstellenräuber Khaled und Pfarrer Ivan, der auch nicht alle Latten am Zaun hat. In dieser Runde will Adam eigentlich nur seine Zeit absitzen, doch diverse Umstände machen ihm das Leben schwer: Der Apfelbaum den er pflegen soll wird plötzlich von einer Schar Krähen attackiert, Gunnar stiehlt im dauernd sein Handy und Pfarrer Ivan treibt ihn mit seiner Gutmütigkeit zur Weißglut. Als dann noch seine alten Nazikumpane auftauchen ist in der Kirche die Hölle los...
Seit "In Chine essen sie Hunde" von 1999 bescheren uns unsere dänischen Nachbarn regelmäßig rabenschwarze Komödien, die allerdings nie ganz die Qualität des Originals erreichten. In "Adams Äpfel" (im Übrigen eine der seltenen Regiearbeiten von Drehbuch-Workaholic Anders Thomas Jensen, der auch "In China..." schrieb) hat es nun seinen Meister gefunden. Der Film triumphiert durch seinen unglaublich bösen Humor, schweift aber weder ins Fantastische noch in Klamauk ab, im Gegenteil im Grunde handelt es sich hier um einen zutiefst ernsten Film, der spannend und unvorhersehbar bleibt, weil man nie glaubt, dass er NOCH ein Schritt weitergehen kann. Er kann. Und wie.
Dazu hat Jensen alle seine Darsteller zu Höchstleistungen angespornt: Ulrich Thomsen spielt Adam als zwar nicht komplett abgestumpften Charakter, der dennoch überzeugter Gewalttäter durch und durch ist. Wirkt Adams Verhalten Anfangs noch extrem, scheint er kurz darauf noch der normalste in diesem als Kirche getarnten Irrenhaus zu sein: Wenn der eigentlich eiskalte Adam fassungslose darüber staunt, wie Ivan trotz gebrochener Nase noch ein fröhliches Liedchen pfeift, beweist Thomsens große Schauspielkunst. Mads Mikkelsen, unlängst zu Bond Bösewicht Le Chiffre befördert, bietet ihm dabei mühelos Paroli und kreiert mit Ivan den hartgesottesten Pfarrer der Filmgeschichte, den in seiner pathologischen Ignoranz nicht einmal Kugeln stoppen können. Doch die beiden wären nichts ohne das schier unerschöpfliche Arsenal an Nebenfiguren: Vor allem Khaled, der dank einer ausnahmsweise mal absolute brillanten Synchronisation in gebrochenem Deutsch einen Klassiker nach dem anderen heraushaut ("Hallo, du dumm? Ich hab Pistole!") und dessen erstes Zusammentreffen mit den Nazis den komischen Höhepunkt des Films darstellt, den man gesehen haben muss um ihn zu glauben; aber auch Gunnar, Paprika Steen als hochschwangere Sarah, die erst recht weitersäuft, weil die Gefahr besteht ein behindertes Kind zu bekommen, der absolut widerwärtige Dorfarzt und die tumbe Nazibande sind großes Kino.
Allerdings und das ist die einzige Schwäche des Films, benötigt man wirklich harte Nerven um ihn durchzustehen: Die Gewalt ist nicht immer nur lustig, sie tut auch richtig weh und Jensen dreht die Schraube an bizarr-komischen, aber auch dramatischen Schicksalsschlägen dermaßen an, dass man vor allem gegen Ende aus dem Schlucken nicht mehr herauskommt. Und hatte ich schon erwähnt, dass der Witz so schwarz ist, dass einem Skandinavien im Winternächten dagegen wie ein sonnendurchflutetes El Dorado vorkommt?
Hat man diese Heftigkeiten erst einmal verdaut, erweist sich "Adams Äpfel" als beste Komödie seit langem, die mehr als nur der heimliche König des Kinojahres 2006 ist und nebenbei auch noch die schönsten Abschiedsworte der Filmgeschichte enthält, die, wie sollte es anders sein, von Khaled gesprochen werden: "Halt die Ohren steif Adam. Und die Sarah. F*** dir Gunnar."
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