Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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53 von 56 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Kenji Wants to Kill Himself, 4. August 2006
Asiatisches Kino kommt, wenn überhaupt, nur ganz selten und oftmals auf Umwegen in den europäischen Raum. Entweder ziehen etliche amerikanische Remakes (siehe die Welle der aktuellen japanischen Horrorfilme à la RINGU und JU-ON) die Aufmerksam auf sich, oder ein gewisser Bekanntheitsgrad der Filmmacher (zum Beispiel Wong Kar-wai und seine mit-Sonnenbrillen-im-Kino-Auftritte in Cannes) machen die Werke hier überhaupt präsent. Dass sich das asiatische Kino jedoch nicht verstecken braucht, ist unter Cineasten längst bekannt; die Filme, vorausgesetzt es war nicht nur reine Marketing-Strategie (Ringu-Reihe), die es bis zu uns schaffen, hab dies meißt auch verdient (siehe JOINT SECURITY AREA, IN THE MOOD FOR LOVE, TIGER & DRAGON). Hier nun eine neue Perle aus dem aufstrebenden Kino-Himmel Asien.
Die japanisch/thailändische Co-Produktion erzählt die Geschichte von dem beinahe pedantisch ordentlichen, aber auch einsamen Kenji (Tadanobu Asano, vielleicht bekannt aus ZATOICHI?) der die Lust am Leben verloren hat. Kenji ist Japaner und lebt in Thailand. Seine Wohnung ist sauber, gespenstisch sauber, selbts ein Operationssaal wirkt nicht so steril. Das liegt nicht nur daran, dass Kenji sein weniges Hab & Gut penibel genau sortiert, stapelt oder sonst archiviert oder dass sogar im Kühlschrank eine strikte Platzverteilung herrscht, in Kenjis Wohnung sowie Leben fehlt es einfach an Wärme, an anderen Menschen, die seine Welt etwas aus dem systematischen Gleichgewicht bringen würden. Kenji hat den Wunsch sich das Leben zu nehmen, so als würde der Tod (und die Vorstellung daran) die Leere in ihm füllen. Jedoch kommt es nicht soweit; noch bevor es der junge Japaner die geplanten Selbstmorde verüben kann, tritt der Deus-Ex-Macina auf den Plan und verhindert Kenjis Vorhaben. Zuerst stattet ihm sein Bruder aus Japan einen unangemeldeten Besuch ab, dann wird eben dieser von der Yakuza erschossen (wobei Kenji seinerseits diesen Killer erledigt und sich somit den Zorn der Mafia auf sich zieht) und die hübsche Prostituierte Nid wird vor Kenjis Augen von einem Wagen erfasst und stribt darauf im Krankenhaus. All diese Zufälle sind mit seinem Suizidversuchen verbunden und führen ihn letztendlich zu Nio (Sinitta Boonyasak), Nids Schwester, bei der Kenji dann auch einzieht. Nio ist in dem Punkt verschieden, dass sie Kenjis Sauberkeit ganz und gar nicht pflegt, sie ist schlampig, unordentlich und hat allem Anschein nach noch nie abgewaschen. Doch trotzdem verbindet etwas den Japaner und die Thailänderin: sei es die Einsamkeit, der Verlust einer/s Schwester/Bruders - Kenji und Nio kommen sich, trotz anfänglicher Schwierigkeiten und sprachlicher Differenzen näher.
Ich hatte wirklich Glück (und das könnte ich nicht oft genug sagen); fiel mein Blick & Interesse doch auf den spätabends auf ARD laufenden Film mit dem verwunderlichen Titel - ansonsten wäre ich diesem Meisterwerk wohl nie begegnet. Zunächst war ich von dem extrem glasklaren Erscheinung erstaunt; der ganze Film, sei es Licht, Musik, Schauspiel oder Gesamtbild fällt durch eine Sterilität die an Kenjis Wohnung erinnert auf - langsame, geradlinige Kamerafahrten, kühle Szenen, sanfte, leise Musik und die Ruhe der beiden Hauptdarsteller - all dies hatte auf mich beinahe eine magische Wirkung, die mich bei einigen Bildern (die allesamt aussehen als wären sie moderne Kunstfotografien) mit offenen Mund zurückließen.
Also, nach anfänglichem Staunen blickte ich hinter die Fassade der wundervollen Präsentation - und entdeckte eine ebenso tolle Story. Dass asiatische Filme einen Hang zum, für unsere, sprich amerikanische Maßstäbe, unkonventionellen, langsamen, ja, selbst für "reale" Geschichten surrealistischen Stil pflegen, mag mittlerweile bekannt sein. Dennoch ist diese leise Art weder ermüdend noch langweilig. Unkonventionell ist in dem Sinne auch die Geschichte, da es sich hier nicht um ein aufklärendes Sozialdrama oder um eine typische Liebesgeschichte handelt.
Traum und Wirklichkeit verfließen in diesem Film zu einem Ganzen - das ist bei weitem Nichts neues, dennoch geschieht es in diesem Film so selbstverständlich, dass man sich der Phantasien der Hauptprotagonisten erst im Nachhinein bewusst wird, ja, sich am Ende des Filmes sogar fragt, was jetzt eigentlich real war. Vergleichen könnte man diese Sequenzen vielleicht mit denen aus AMERICAN BEAUTY, die zwar ebenso ruhig, aber deutlich ausgefallener und offensichtlicher daherkommen. Kenji stellt sich seinen Selbstmord vor, Nio hat von einer Sekunde auf die Andere Sachen an, Dinge schweben durch die Luft - alles gleitet dahin, in der kühlen, zauberhaften Spielweise des Films.
So auch die "Liebesgeschichte" zwischen Nio und Kenji, die eigentlich gar keine ist. Eigentlich? War LOST IN TRANSLATION nun eine Liebesgeschichte oder nicht? Wie Bill Murray und Scarlett Johanson, bewegen sich unsere Protagonisten ruhig aufeinander zu, sprechen kaum oder nur wenig, trotzdem entsteht eine Verbindung zwischen den Beiden, die sie auch rettet: Kenji einerseits vor seine Lust am Sterben, Nio andererseits aus der Gefühlskrise, die sie auf Grund den Tods ihrer Schwester durchlebt. "Wie Ertrunkene, die sich aneinander klammern, um nicht unterzugehen", sprichwörtlich. Dennoch weist die Liebesbeziehung zwischen Nio und Kenji nicht die üblichen Merkmale auf - bzw. wird sie hier nicht so dargestellt. Und - obgleich sich das "Paar" nicht ein einziges Mal küssen, zeichnet dieser Film ein detailliertes und schönes Bild von Nähe und Geborgenheit, wie es ein Hollywoodschinken niemals könnte.
LAST LIFE IN THE UNIVERSE ist trotz allem nicht ein tieftrauriges Drama, jedenfalls nicht nur. Dies würde allein durch die Präsentation wenig funktionieren, die nicht auf Tränendrüstheatralik setzt sondern auf die schon genannte magische Stimmung und subtile Spannung. Trotz der düsteren Ausgangsposition und der Klarheit, dass Nio in ein paar Tagen das Land verlassen will und die Beiden somit nicht zusammenbleiben können, schlägt der Film nie ins Deprimierende oder gar Kitschige. Aufgelockert wird er auch durch einen ebenso subtilen & trockenen Humor, der präzise eingesetzt wird und die Sitationen in ihrer Absurdität noch verstärken (- "Nur ein Gepäckstück?", -"Ich flieg nur rüber um nen Typen umzulegen. Bleib nicht lange." - "Ach, sie sind witzig. Und dass sie mir ja nicht das Flugzeug in die Luft jagen!" ;)).
Zu der DVD kann ich zurzeit (natürlich) noch wenig sagen, nur, dass ich sie mir, sobald sie erschienen ist, sofort kaufen werde. Erwähnenswert wäre vielleicht noch, dass schon bei der TV-Übertragung das Bild in brillanter Qualität war und die Übersetzung (trotz dreisprachiger Dialoge im O-Ton) sowie Synchronisation sehr gut klang. Für die DVD erwarte ich mir dies soweit als Standard und nicht wieder ein körniges, verwaschenes Bild wie bei JOINT SECURITY AREA oder eine peinliche Übersetzung (inkl. Untertitel) à la RINGU. Und die zweite DVD verspricht vorweg schon mal mehr, als nur einen Trailer und Kommentare als Extras. Na, also!
Wenn man gewillt ist, sich wieder einmal auf einen ruhigen Film einzulassen, bzw. zu gönnen, wird man sich mit diesem Meisterwerk durchaus bereichert fühlen. LAST LIFE IN THE UNIVERSE (wobei ich auch den deutschen Titel sehr gut finde) ist ein schöner, trauriger, manchmal komischer Film - auf jeden Fall ein Film den man auf keinen Fall missen sollte.
Ein Film der vom Titel bis zum Abspann zeigt dass Kino Kunst sein kann. Oh, Drama - welch ein Glück.
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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ruang rak noi nid mahasan - Eine Liebesgeschichte mehr oder weniger...., 13. Juli 2007
...so lautet der Originaltitel von "Last Life in the Universe" - und besser hätten sie es nicht treffen können!
Kurz zur Story:
Kenji (gespielt von Tadanobu Asano) ist ein sehr unglücklicher und einsamer Mensch. Er wohnt seit geraumer Zeit in Bangkok, Thailand, und arbeitet als Bibliothekar in einer dort angesiedelten japanischen Bibliothek. Er spricht kaum ein Wort Thai, und auch sonst ist er eher ein stilles Wasser wenn es um Kommunikation geht. Sein ganzes Leben besteht aus einer zwanghaften Ordnung, und sobald irgendwo in seiner Umgebung ein Fussel auftaucht, der dort nicht hingehört, wird er penibelst genau weggemacht. In seinem Schrank hat er massenweise die selben Hemden, Hosen, Socken und Schuhe, seine ganze Wohnung erinnert eher an eine sterile Ausstellung auf einer Museumsbesichtigung, als an einen Ort, wo jemand lebt. Trotzdem alles in seinem Leben auf den ersten Blick in Ordnung scheint, ist Kenji so unglücklich, dass er beschliesst, sich das Leben zu nehmen. Durch eine chaotische Verkettung diverser Umstände jedoch, gelingt ihm dieses Vorhaben nie, und eines Tages lernt er durch einen weiteren tragischen Zwischenfall SIE (gespielt von Sinitta Boonyasak) kennen. SIE ist sein thailändisches, chaotisches, kettenrauchendes Gegenstück, und sie beweist mit allen Mitteln, dass sie keinen Wert auf persönliche Ordnung legt. Schimmliges Geschirr stapelt sich bis fast unter die Decke, man muss Bergsteigen können, um sich den Weg von Wohnzimmertür bis zum Sofa zu bahnen und da es kein sauberes Geschirr mehr gibt, ernährt sie sich seit geraumer Zeit nur noch von Instantzeug. Kenji und Noi, so ihr Name, verbringen nur wenige Tage zusammen, und auf ihre eigene, gegensätzliche Art und Weise lernen sie, sich zu mögen. Es wird erzählt über eine Bekanntschaft, in der die Vergangenheit des Einzelnen keine Rolle spielt, in der das Schweigen mehr dominiert, als das gesprochene Wort, und in der die Kommunikationsbarrieren das Zusammensein immer faszinierender machen, denn Kenji spricht kaum Thai und Noi kaum Japanisch. Beide versuchen sich in noch schlechterem Englisch und nicht zuletzt wird die Sprache in dem Film gänzlich zweitrangig.
Dieser Film erinnert stellenweise sehr an Takeshi Kitanos "Dolls", was seine unbeschreibliche Ruhe betrifft, jedoch ist er ein eigenes, kleines, unbekanntes Meisterwerk, das den Zuschauer voll und ganz in einen Strudel von Emotionen reisst, der noch sehr lange nachklingt.
An der Kamera hat Christopher Doyle, ein wahrer Künstler, wirklich grosses geleistet und er bietet dem Zuschauer Bilder, die einem noch lange im Kopf bleiben werden. Von der wunderschönen Landschaft Thailands bis zu kurzen Momentaufnahmen eines völligen Stillebens. Untermalt werden diese Bilder mit dem fantastischen Soundtrack, komponiert von Hualampong Riddim, der von Regisseur Pen-Ek Ratanaruang den Auftrag bekommen hatte, einen musikalischen Score für diesen Film zu machen, von dem der Zuschauer nicht merkt, wann er anfängt, oder wann er aufhört.
Hualampongs Musik unterstreicht dieses kalte Gefühl von Leere und Einsamkeit, welche Kenji empfindet, und man selbst wird gerade durch diesen Soundtrack selbst in eine alles verschlingende Isolation katapultiert. Die Welt färbt sich in eine geräuschlose, steril-blaue Kulisse, die an dir vorbeirauscht und keine Notiz von dir nimmt. Die Musik ist erdrückend, belastend, liegt schwer auf deiner Seele und macht dich zum einsamsten Menschen auf der Welt, in dem kein Gefühl mehr Platz hat, ausser diese steril-blaue Leere, die in unendlich langsamer Zeitraffer dein Innerstes mit ebenso steril-blauer Kälte erfüllt.
Noch was in eigener Sache:
Die Sache mit der "Liebesgeschichte" wird leider sehr schnell falsch verstanden und in die Akte "Kitsch" abgelegt. So ist das defintitiv NICHT! Ihr werdet in dem Film keine gebräuchlichen Szenen vorfinden, die auch nur irgendwie andeuten würden, dass es sich um eine Liebesgeschichte handelt. Es ist dem Zuschauer überlassen, ob er das nun denkt, oder nicht. Deshalb ist der thailändische Originaltitel für den Film so passend "Eine Liebesgeschichte MEHR ODER WENIGER)...
Ich kann euch diesen Film nur wärmstens ans Herz legen, denn er hat es geschafft, alle meine bisherigen Lieblingsfilme sofort in den Schatten zu stellen und noch über den ersten Platz hinaus zu schiessen. Einen so wunderschönen und doch menschlich-realistischen Film gibt es nicht nochmal. Macht nur nicht den Fehler und schaut ihn euch in deutscher Synchronisation an! "Last Life in the Universe" lebt von seinen Sprachbarrieren! Ich liebe diesen Film, ich liebe ihn so sehr, dass er mich jedesmal zum weinen bringt, und ich nichtmal weiss, warum.
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7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Wie ein guter Wein, 16. November 2006
Nun auch mal gesehen. Ich muss sagen den Film muss man wirklich erstmal zeit lassen. Denn nach der ersten halben Stunde wollte ich schon ausschalten, aber man kommt dann doch irgendwie in den Rhythmus rein .... die Trostlosigkeit am Anfang weicht minimalistischer Schönheit. Diese schafft ganz langsam Stück für Stück den Zuschauer in seinen Bann zu ziehen. Man fängt an zu geniessen und die unheimliche Ruhe und Schönheit färbt auf einen ab. Ein sehr entspannender Film. Die beiden Hauptdarsteller spielen wundervoll. Man lebt den Moment in den Film ...
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