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17 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Stillos, zeitlos, makellos, 16. August 2006
Ich habe mir bewusst etwas Zeit genommen, diese CD kennenzulernen, bevor ich diese Rezension schreiben würde. Ich weiß nicht, wie es anderen geht, aber es gibt Musik, die ich erst mehrfach hören muss, um ihre wahre Schönheit zu entdecken. Es war im Grunde schon vor dem Erscheinen von "The Eraser" klar, dass es auch bei dieser CD wieder einmal so sein würde. Obwohl - Thom Yorke hat hier einige Stücke abgeliefert, die durchaus eingängig sind und einen schon beim ersten Hören mitreißen, etwa "Analyse" und erst recht "Black Swan", ein Song, der durchaus sogar radiotauglich wäre, was Yorke aber durch den Text verhindert. Wer den Song schon kennt, weiß, was ich meine. Den Titelsong musste ich auch nicht sehr häufig hören, um mich von ihm gefangennehmen zu lassen. Dann entdeckte ich "Harrowdown Hill", bei dem mich vor allem der Schluss begeistert. Alle anderen Songs benötigen ihre Zeit, doch dann entfalten sie sich umso eindringlicher. Beschreiben kann man das nicht. Man muss es hören und entdecken. Das wird manch einem nicht gelingen, so viel ist auch klar. Thom Yorke verlangt einen Bruch mit den üblichen Hörgewohnheiten. Wer sich darauf einlässt, wird reich beschenkt.
Im Gegensatz zu vielen bin ich nicht der Meinung, dass das Album in erster Linie an "Kid A" oder "Amnesiac" erinnert. Für mich ist es eine Fortführung von "Hail to the Thief". Was ich höre, erinnert eher an Stücke wie "Backdrifts" oder "The Gloaming" denn an ältere. Fest steht, dass alle Radiohead-Romantiker aus den guten alten "The Bends"-Zeiten enttäuscht sein werden. Eine Rückkehr zu dieser Art von Musik scheint nicht geplant zu sein und auch ein Aufleben von "OK Computer" ist von der heiß ersehnten neuen CD der Band nicht zu erwarten. Obwohl man bei Radiohead ja nie weiß...... Ich persönlich bin aber ganz klar der Meinung, dass der Weg, den Thom Yorke mit "The Eraser" vorgegeben hat, genau der richtige ist. Es gibt viel zu wenig hochqualitative Avantgarde-Musik, wobei Yorke seiner Zeit so weit voraus ist, dass er von ihr wohl nie eingeholt werden wird. Die Masse wird die ausgetretenen Pfade nie verlassen. Irgendwo ist es vielleicht sogar gut so. Wenn man mal während einer längeren Autofahrt ein paar Stunden Radio gehört hat, weiß man danach Musik von solchen Künstlern umso mehr zu schätzen.
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11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Politisches und musikalisches Schwergewicht, 30. Juli 2006
Wie viele andere auch habe ich mich diesem Album aus der Perspektive der bisherigen Radiohead-Musik genähert. Dabei war ich überrascht, dass es Thom Yorke mit seinem Solo-Projekt wirklich schafft, den Zuhörer noch tiefer und erbarmungsloser in seine Gefühlswelt mitzunehmen, als es Kunstwerke wie OK Computer oder Kid A schon fertiggebracht haben.
Die Texte und die Musik sind fast unerträglich zerbrechlich und fragil und dabei doch voller Schönheit. Computergenerierte Töne und ein paar Gitarren bestimmen die Landschaft - sie ergeben einen Sog aus Depression, Gegenwehr und Erkenntnis.
Das ist bestimmt nicht jedermanns Sache. Hier handelt es sich nicht um Musik, die gefallen will. Es gibt unzählige Ansätze wohliger und gefälliger Melodien, die den Zuhörer aber niemals überwältigen wollen. Gedanklich erwische ich mich immer wieder dabei, wie ich an Thom Yorkes Stelle noch mehr Register gezogen hätte.
Gerade an den Schlusssequenzen. Mehrere seiner Songs (Analyse, Cymbal Rush, The Eraser) zerlaufen am Ende harmonisch und nehmen dabei Tempo auf. Würde man hier und da noch was dazumischen, könnten veritable Dancefloor-Kracher daraus werden. Zum Glück passiert aber genau das nicht.
Die Texte sind sehr politisch! "Harrowdown Hill" ist das "Sign O the Times" unseres Jahrzehnts. Harrowdown Hill war der Ort, an dem der Irak-Waffeninspektor Dr. David Kelly unter bis heute ungeklärten Umständen verstorben ist. Kelly war die Hauptinformationsquelle für einen BBC-Bericht über die Massenvernichtungswaffen-Lüge der britischen Regierung. Eine Untersuchungskommission kam zu dem Schluss, dass Kelly Selbstmord beging und an Blutverlust starb. Tatsächlich fand sich am Ort des Geschehens aber kaum Blut. Darauf weist der Songtext hin: "Dont walk the plank like I did. You will be dispensed with, when you've become inconvienent - Did I fall or was I pushed? And wheres all the blood?"
Thom Yorke gewinnt mit "The Eraser" an Fahrt. Er wird mehr und mehr zu einem musikalisch genialen und politisch unkorrekten Ankläger. Danke Thom!
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10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Gutes Album mit einer eingängigen Mischung aus Persönlichem und Politischem, Elektronik und Instrumenten, 26. Juli 2006
Dieser Thom Yorke ist schon wirklich ein Phänomen. Zum einem natürlich musikalisch, so ist er nach wie vor in der Lage, sich ständig weiter zu entwickeln und seine eigenen technischen Fähigkeiten konstant zu verbessern. (Wer sich davon mal überzeugen will, sollte sich die Live-Performance von "The Clock" bei Youtube.com anschauen).
Zum anderen auf Songwriter-Ebene. So ging er doch den langen und äußerst beschwerlichen Weg vom naiven "Creep" über das Weltschmerz-Pathos "Paranoid Android" mit einem Zwischenstop auf dem "Street Spirit" zum artifiziellen "Kid A", um dann letztendlich mit der Band beim sprechgesanglichen "Wolf At The Door" anzukommen.
Dieser Mann hat aber noch sehr viel mehr Ideen und er hat noch sehr viel mehr zu sagen, und so musste er eben ein Solo-Album herausbringen, wohl, um sich nicht ständig mit seinen Band-Kollegen auseinandersetzen zu müssen, kann man sich gut vorstellen.
So hat er ein Album herausgebracht, dass beim ersten Hören verblüffend nah an der düsteren Elektronik der "Kid A" Phase scheint. Aber wie das nun mal bei ihm so ist, nichts ist so, wie es am Anfang scheint.
Denn Mr. Yorke liefert auf seinem Solo-Album ein durchaus eingängigeres Motiv ab, dass den Hörer nicht mit zur Unkenntlichkeit zerhackstückelten Stimmen und überbordenden Elektro-Sounds abschreckt, sondern er verwendet diese Elektronik nur dazu, seine Fähigkeiten zu unterstreichen, und das sind vor allem sein Gespür für emotionale Klanggebilde und besonders seine fantastische Stimme.
So kann man hier, zusammen mit dem letzten Album, beruhigt feststellen, dass er nach der Krise durch den medialen Hype nach der "Ok Computer" Zeit doch wieder zu seiner Stimme als ultimative Ausdrucksform zurückgefunden hat, lange Zeit empfand er sie als störendes Beiwerk.
Thom Yorke bündelt also auf diesem Album seine Erfahrungen durch die Lebenskrise mit der neu gefunden Sicherheit, sich selbst wiederentdeckt zu haben, woraus als Gesamtwerk ein durchaus gelungenes Album entstanden ist, dass eine abgewogene Mischung aus sehr persönlichen und aktuellen politischen Problemen zeigt, die zwar sehr stark mit elektronischen Elementen gewürzt sind, aber dennoch eine wunderbare Eingängigkeit besitzen, wie es schon lange nicht mehr der Fall war.
Das Thom Yorke aber eben wirklich ein Phänomen ist, hat auch so seine Schattenseiten. Ich kenne keinen anderen Künstler, der so überproportional viele elitäre und abgehobene Fans anzieht, bei denen man sofort wieder daran erinnert wird, wovon das Wort ursprünglich abgeleitet wurde, nämlich von fanatisch. Fans, die ihn als einen alleinigen Gott verehren, jegliche Kritik, und sei es nur über eine fehlerhafte Note, als Blasphemie abtun und verächtlich auf jeden herabschauen, der nicht im Thom-Yorke-For-World-President Club ist und dieses dann auch gleich ständig mit ihrer hochtrabenden Intellektuellen-Sprache kund tun müssen, was wirklich das Schlimmste daran ist.
Ein Phänomen, auf das Thom Yorke selbst unheimlich gerne verzichten würde, da er doch in seinen Texten und in den wenigen Interviews ständig sagt, dass man ihm bitte gerade nicht blindlinks folgen soll, sondern seinen eigenen, individuellen Weg in dieser grausamen Welt finden mag.
Bitte liebe Leute, bleibt mal auf dem Teppich, dieses Album ist gut, aber eben nicht fantastisch oder ein Meilenstein. Ein gutes Album muss zur Abwechslung halt auch mal reichen...
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