Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Man sollte die Originale kennen und lieben um die CD schätzen zu können, 30. Mai 2006
Vorweg: Ich finde diese CD genial! Ich war doch anfangs mehr als skeptisch, da sich zuvor schon viele an dem mächtigen Erbe versucht haben und wenig dabei herum gekommen ist. Da ich aber sonst schon alle erhältlichen CDs vom Meister im Regal stehen habe, kam ich um den Kauf nicht herum. Ich habe eigentlich nie verstanden, warum Cover-Versionen von Gainsbourg so schwer sind, schließlich war er es selbst, der unzählige Varianten seiner eigenen Kompositionen auf den Markt gebracht hat. Vor allem seine Filmmusik oder Titel, die er für andere geschrieben hat, sind in anderen Versionen - neu vertont, selbst eingesungen oder von Anderen seiner Zeit interpretiert - aufgegangen.
Nun zum Album: Zeitgeist hin oder her, schon beim ersten Hören war mir klar, hier geht es nicht darum, alten Wein in neuen Schläuchen zu präsentieren, sondern moderne Gefühle und Erfahrungen in den alten Klassikern zu interpretieren. Man spürt in jedem Song die innerliche Verbundenheit zum Original.
Herausragend für mich: Requiem For A Jerk (Faultline, Brian Molko & Francoise Hardy). Requiem pour on con ist als Filmmusik schon zu Lebzeiten erfolgreich und richtungweisend gewesen. In der kritischen Nachschau galt der Titel eigentlich als der erste europäische Rap überhaupt, weshalb ich mit einer Alternative/Elektropop-Version nie gerechnet hätte. Doch was Brian Molko mit seiner entrückten Stimme aus dem Titel gemacht hat, ist nicht nur umwerfend, sondern auch verdammt nah am Enfant Terrible. Im Original bestimmen die Beats den Song, in der Interpretation mutieren diese regelrecht zur Sound-Wand (unbedingt laut hören!!) und treiben den Titel rastlos nach vorne.
Ebenfalls klasse ist auch Boy Toy (Marc Almond & Trash Palace). Avantgarde trifft Chanson. Hier hat sich jemand an die homoerotischen Seiten Serges gewagt, der davon auch was versteht. Schön auch, dass sich die Vertonung nicht modernem Elektropop anbiedern muss, sondern natürliche Konsequenz des Schaffens von Marc Almond ist.
Überraschend fand ich die Version von I Just Came To Tell You That I'm Going (Jarvis Cocker & Kid Loco). Man hat den Eindruck, Jarvis Cocker hat sein halbes Leben lang mit Serge Tag und Nacht am Tresen verbracht.
Michael Stipe habe ich in L'Hôtel fast nicht erkannt - diese Distanz zu seiner Person habe ich ihm gar nicht zugetraut.
Einziger Wehrmutstropfen für mich ist Portishead. Natürlich freue ich mich über jeden Ton der verschütt geglaubten Trip-Hop-Legenden. Aber ich finde es kurios, Un Jour Comme Un Autre (Anna) mit dem Beat von Requiem pour on con zu untermalen. Die Verbindung der beiden Lieder hat sich mir nicht erschließen können und das Ergebnis klingt für mich irgendwie kommerziell.
Insgesamt stellt sich das Album perfekt inszeniert dar und lässt auch in Sachen Tonqualität keine Wünsche offen (sauber eingespielt). Für jeden Serge-Fan ist dieses Album Pflicht und eine echte Bereicherung!!
Wer aber meint, sich unbeleckt mit dieser CD dem Mythos Serge nähern zu können, dem sei abgeraten. Er wird mehr den Vergleich zur Neuzeit suchen und die feinen Zitate übersehen.
Kleiner Nachtrag: "Stereo Total" hat über Jahre hinweg auf fast jedem Album teilwise echt abgefahrene Cover-Versionen von Gainsbourg aufgenommen - unbedingt mal reinhören!!
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Tribut hin oder her...., 24. August 2006
Aus Erfahrung weiß ich, dass die meisten Versuche dem Meister Gainsbourg Ehre zu erweisen zwar gut gemeint sind, musikalisch aber eher weniger beachtenswert ausfallen.
Dementsprechend gering waren meine Erwartungshaltungen gegenüber Monsieur Gainsbourg revisted". Wo sogar die Texte auf Englisch übersetzt wurden, was für manchen der Blasphemie gleichkommen könnte. Zur Kritik:
Ich möchte jetzt nicht sagen, dass ich von der Platte überwältigt bin, doch äußerst angenehm überrascht wäre ein angemessener Ausdruck. Es findet sich wirklich eine außergewöhnliche Riege von Künstlern wieder, die durchwegs gute Interpretationen abliefert.
Franz Ferdinand rocken als perfekter Opener geräuschvoll los, begleitet von der wunderschönen Stimme der unvergleichlichen Jane Birkin.
I love you..." ohne Kommentar (schrecklich... trotz der schönen Stimmen). Unheimlich gefreut habe ich mich, als ich gesehen habe, dass Portishead sich auch beteiligen. Da sie eine meiner Lieblingsbands sind, ist die Kritik vermutlich etwas subjektiv gefärbt: eines der besten Lieder der Platte. ;)
Zu Michael Stipe's düsterer Version von L' hôtel particulier lässt sich sagen, dass es von Haus aus mutig ist, sich an Liedern des Meisterwerks Histoire de Melody Nelson" zu probieren, denn besser wird es niemand mehr machen können. Trotzdem ein guter Song. Marianne Faithful ist wie immer großartig. Boy Toy" erinnert stark an 80er Jahre Saturday Night Fever und macht, gerade deswegen ungeheuren Spaß.
Was für Michael Stipe gilt, gilt auch für Placebo, doch es ist langsam an der Zeit, dass ich meine negative Meinung über diese Band revidiere. Bereits das zweite Mal stoße ich im Zusammenhang mit Gainsbourg/Birkin auf Brian Molko und zum zweiten Mal überrascht er mich. Er vollbringt die Leistung, seine Stimme, auf eine eigene Art und Weise, ähnlich erotisch wie Gainsbourg zu färben. Definitiv einer der besten Serge Cover-Versionen überhaupt. Requiem for a jerk" geht in eine völlig andere Richtung, bewusst roher und härter als das Original. Allein die englische Übersetzung ist, neben dem schneidenden Gesang, schon spitze.
The Rakes sind mit ihrer krachenden Indie-Variante ein weiterer Höhepunkt der Platte. Und Alison Mosshart von den Kills ist in punkto Erotik eine heiße Anwärterin auf die Nachfolge von Jane Birkin.
Insgesamt lässt sich die Kritik der ganzen Platte mit der des letzten Liedes zusammenfassen. Sehr ambitioniert, musikalisch ausgefeilt, vielleicht ein wenig einfallslos was Neuerungen betrifft, trotzdem empfehlens- und hörenswert.
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6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Superbe englische Hommage an einen grossen Franzosen., 27. April 2006
Tributes an die diversen mythischen Gestalten der Popgeschichte erscheinen schon fast mit inflationärer Frequenz und lassen Kenner der Originale nicht selten müde „wozu?" murmeln. Erfreulicherweise besteht diese Gefahr bei Monsieur Gainsbourg Revisited nicht. Das wozu ist klar: diese englischen Versionen einiger Klassiker des galligen Galliers sollen seine Lieder auch Leuten nahebringen, die des Französischen nicht mächtig sind. Dass sich unter den Neuinterpreten fast nur illustre Namen befinden, wird dabei nicht schaden. Es eröffnen Franz Ferdinand mit Unterstützung von Jane Birkin und einer stark beschleunigten Version von Sorry Angel, gefolgt von Cat Power & Karen Elson mit Je T'Aime (nicht ganz so amusant wie die Cave/Lane-Version), Jarvis Cocker & Kid Loco mit einer recht getreuen Version von Je Suis Venu Te Dire Que Je M'En Vais, die erste neue Portishead-Nummer seit Ewigkeiten (Anna, sehr fein), Brian Molko mit Françoise Hardy und Faultline (Requiem Pour Un Con, superb), Michael Stipe mit einem intimen Besuch im Hôtel Particulier, Tricky mit Goodbye Emmanuelle (seine beste Leistung seit Bury The Evidence, 2001), Marianne Faithfull mit Sly & Robbie und dem Reggae Lola Rastaquouere. Auf den einzigen Flop (wenigstens ruinieren Gonzales und Feist mit Boomerang eine ohnehin schwache Nummer) folgt ein sehr gutes I'm The Boy von Marc Almond & Trash Palace, Placebos Melody Nelson (der einzige nicht extra eingespielte Song). Danach kommen noch Rakes und Kills, erstere mit einem schnellen Poinçonneur des Lilas, letztere mit einem exzellenten Slogan, bevor Carla Bruni mit Ces Petits Riens einen ruhigen Schlusspunkt setzt. Zwar geht die eine oder andere Feinheit in den Übersetzungen verloren, aber dafür werden viele die Wortkunst des grossen SG nun überhaupt einmal kennenlernen. Fazit: Formidabel.
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