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5.0 von 5 Sternen
Fest der prächtigen Stimmen, 22. März 2008
Zuallererst eines: Diese "Tito"-Aufnahme stammt aus dem Jahre 1967 und somit aus einer Zeit, in der von Originalinstrumenten und historischer Aufführungspraxis noch lange keine Rede war. Wenn jemand diese Richtung bevorzugt, sollte er von diesem Produkt lieber die Finger lassen!!!
Wem jedoch eher der Stil eines Karl Böhm oder Herbert von Karajan zusagen, wird mit dieser Einspielung bestens bedient. ISTVÁN KERTÉSZ folgt bei dieser Produktion nämlich in erster Linie dem traditionellen Mozart-Stil, wie man ihn aus den Fünfzigerjahren kennt, das heißt, es wird eher getragen und ausladend musiziert. Das soll allerdings nicht heißen, daß es ihm an den entscheidenden Stellen - wie etwa dem Terzett "Vengo - aspettate" am nötigen Drive fehlt; im Gegenteil, hier wird es herrlich furios.
Noch dazu stehen ihm das WIENER STAATSOPERNORCHESTER (hinter dem sich schließlich niemand anderes als die Wiener Philharmoniker verbergen) in blendender Verfassung und die tolle Aufnahmetechnik der DECCA zur Verfügung, die eine klanglich üppige und farbige Darbietung zum Besten geben, die sich wahrhaft hören lassen kann! Mozart mit viel Kalorien, wenn ich es mal so ausdrücken darf.
Und die Sänger!
Für meinen Geschmack hat außer der Colin-Davis-Aufnahme keine andere ein Aufgebot an so satten Stimmen aufzuweisen.
TERESA BERGANZA gebührt als Sesto die Krone. 1967 noch in junger stimmlicher Blüte, bringt sie die herrlichsten Mezzosoprantöne hervor, die man sich nur denken kann. Die Stimme fließt zum Niederknien sanft und ausgeglichen dahin, die Koloraturen perlen makellos und ebenmäßig, einfach perfekt. Und vom Ausdruck ist Berganza einfach wunderbar berührend. Das muss man gehört haben!
BRIGITTE FASSBAENDER ist hier in ihrer ersten Operngesamtaufnahme zu hören. Und schon hier schafft sie eine Darstellung von wunderbarer Reife. Ihr stürmisches Temperament und ihr einmalig kerniges Timbre heben sich von der Berganza hervorragend ab und so bilden die beiden Damen ein Hosenrollen-Duo, das seinesgleichen sucht.
LUCIA POPP singt die Servilia, und mit ihrem frischen, glitzerndem Sopran und ihrer stilistischen Eleganz steht sie für mich in der ersten Reihe aller Interpretinnen.
WERNER KRENNs Titos ist ebenfalls tadellos. Sein Tenor ist vielleicht nicht von der Klasse eines Fritz Wunderlich, aber er sticht andere Konkurrenten auf Platte wie etwa Peter Schreier deutlich aus. Technisch meistert er die nicht einfache Rolle vorzüglich, und die letzte Koloraturarie "Se all' impero" erklingt mit Schwung und Souveränität. Auch ist sein Titos wohltuend männlich und ohne die Larmoyanz, wie man sie in dieser Rolle oft hört.
An MARIA CASULAs Vittelia werden sich vielleicht die Geister scheiden. Ihr eher metallisches Timbre ist wahrscheinlich nicht jedermanns Sache, aber wann hat man je eine Vitellia mit so üppig ausladender Stimme gehört? Casulas schwerer, dunkler und voluminöser Sopran (in der Mittellage erinnert sie mich seltsamerweise oft an die Simionato) passt meiner Meinung nach hervorragend zu der exaltierten Figur, und was die technische Ausführung betrifft, ist das einfach hervorragend. Man möchte es kaum glauben, daß eine so große, dramatische Stimme so saubere Koloraturen hinlegt. Auch mit dem erforderten Stimmumfang hat Casula keine Probleme. Neben der fulminanten Julia Varady (in den Aufnahmen unter Böhm und Gardiner) für mich die beste Vittelia.
Fazit: wenn man Mozart gern etwas üppiger hat, wird man an dieser "Titus"-Aufnahme viel Freude haben. Für Gardiner- und Jacobs-Liebhaber dürfte es eher verschwendetes Geld sein.
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