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31 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Der stumpfe Glanz des Nihilismus, 26. Februar 2006
Eines vorweg: "Sympathy for Mr. Vengeance" ist kein schöner Film, er hat kein Happy End, ja noch nicht einmal ein nur im Ansatz verzückendes Thema. Er erzählt eine Abwärtsspirale, in der die Beteiligten nicht nur notwendig untergehen müssen, sondern dies auch noch in der von ihnen selbst hervorgerufenen Gewalt tun.Der stumme Ryu will für seine schwerkranke Schwester ein Ersatzorgan besorgen. Da die Hilfe im Krankenhaus auf sich warten lässt, wendet er sich an die Organmafia. Als diese ihm sein Geld und auch noch seine eigene Niere stiehlt, beschließt er, mit seiner linksradikalen Freundin zusammen ein Kind aus reichem Elternhause zu entführen, um doch noch an Geld für die benötigte Niere zu kommen. Als sich die schwerkranke Schwester umbringt und auch noch das entführte Kind ertrinkt, gibt es in der Welt der Beteiligten nur noch die Rache: Ryu will sich an den Organhändlern rächen, der Vater des entführten Kindes an Ryu und seiner Freundin. Und beide nehmen für ihre Rache alles in Kauf. Der lakonische Titel verrät schon den ganzen Erzählgestus der Films: Er ist unbeteiligt, berichtet in nüchternen Bildern und ohne viele Worte vom Verderbnis der Rachespirale. Schon allein weil Ryu stumm ist, sind allzu viele Worte gar nicht möglich. Vielmehr ist es die Gewalt, die spricht, und in "Sympathy for Mr. Vengeance" hat sie eine trockene, dumpfe Sprache. Die muss sie auch haben, denn sie ist der eigentliche Protagonist des Films. Moralische Gut-Böse-Zeichnungen lässt er nämlich nicht zu, Ryu ist in seinen Handlungen ebenso gerechtfertigt wie sein späterer Peiniger, und so macht es der Film unmöglich, sich für eine Seite zu entscheiden. Je näher der Film seinem Ende kommt, desto unmöglicher ist es, überhaupt noch Partei zu ergreifen: Die Grausamkeit beider Protagonisten nimmt dafür zu unmöglich erscheinende Strukturen an. "Sympathy for Mr. Vengeance" unterläuft somit geschickt die Fallstricke des modernen Rachekinos, die immer moralische Züge haben. Gewalt muss gerechtfertigt sein, um kinotauglich zu sein, und Rechtfertigung ist immer das moralische Motiv: eine Vergewaltigung, ein Mord, eine Entführung."Sympathy for Mr. Vengeance" führt diese Motive ad absurdum einfach dadurch, dass er beiden Parteien des Films solche Motive zugesteht. Das ist geschickt und führt zu einem nihilistischen Meisterwerk, in dem alle Moral, alle Rechtfertigung hinter der Gewalt selbst zurücktritt und Platz schafft für die morbide und sinnlose Brutalität der Rache-Abwärtsspirale. Vergleichbar in seiner Hoffnungslosigkeit und seinem völligen Fernsein von jeglichen kinonahen Wertesphären sind höchstens noch Filme wie Gaspar Noës "Irreversibel", der ähnlich funktioniert. Genau dies garantiert dem Zuschauer jedoch ein außergewöhnlich nahegehendes intensives Erlebnis: Das Durchbrechen publikumsschonender Erzählstrukturen ermöglicht die Radikalität des koreanischen Kinos, jedem Menschen innewohnende Abgründe auf den Punkt genau präzisiert vor den Augen des Zuschauern genüsslich zu sezieren. Und dem Zuschauer wiederum ermöglicht diese Radikalität, sich Gedanken zu machen über Gewalt und Rechtfertigung, abseits jedweder Gut-Böse-Schattierungen. Schließlich ist die Realität nicht immer so einfach wie in Hollywood.
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