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94 von 94 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Grönemeyer, wie ihn keiner kennt. Oder?, 6. September 2005
2003, ein Jahr nach der Veröffentlichung des so erfolgreichen Albums Mensch wurde am Berliner Theater das zu einer Art Musical verwandelte Theaterstück "Leonce und Lena" uraufgeführt - Musik, Texte und Arrangements hatte Herbert Grönemeyer geschrieben, der nach zahlreichen Popmusik-Alben einmal etwas Neues machen wollte. Zwei Jahre später erscheint nun das dazugehörige Album, der Soundtrack sozusagen. Zwei Dinge sollte man vor dem Kauf der CD wissen: 1. Das ist nicht Musik von Grönemeyer, wie sie uns in den letzten zwei Jahrzehnten vertraut geworden ist. 2. Grönemeyer singt nicht selber, sondern die Originalbesetzung des Berliner Ensembles. Seine Sprechstimme ist jedoch in der Rolle des Erzählers zu hören, die wie im Melodram von Klängen untermalt wird.Auf was lässt man sich also ein? Es ist so etwas wie ein von seinen Liedern geprägtes "Märchen für Erwachsene" (dpa), das sich als durchaus hörspieltauglich erweist. Es handelt von einem Königssohn, der sich elendig langweilt und nach dem Willen seines Vaters eine ihm unbekannte Prinzessin heiraten soll. Also flieht mit dem Hofnarren, begegnet unterwegs einer Frau und - verliebt sich... Die Musik, eine Mischung aus Jazz, Swing mit ein wenig Rock und Pop, wird von einer Bigband gespielt. Schon zu Beginn heizen wirbelnde Blechbläser und wilde Schlagzeugrhythmen mächtig ein. Pfiffige Songs sind ebenso zu finden wie ruhige, z.T. leicht melancholische, balladenähnliche Lieder. Das Design ist ansprechend. Ein Booklet enthält die Texte der Lieder. Dass sich auf CD 1 das komplette Werk befindet, auf CD 2 nur die Musik, finde ich schön. So kann man sich entscheiden, entweder ein Hörspiel oder eben nur Musik zu hören. Also insgesamt ein ganz neuer, anderer Grönemeyer. Doch vielleicht so ganz neu auch wieder nicht: Einige der Songs erinnern an seine beiden ersten CDs ("Grönemeyer" und "Zwo"), tragen also durchaus liedermacherartige Züge. Auch das Theater ist für Grönemeyer kein unbekanntes Terrain, war er doch in jungen Jahren Schauspieler u.a. am Bochumer Schauspielhaus und hat dort zudem für eine Handvoll Theaterstücke die Musik geschrieben. Mir persönlich gefällt die CD sehr. Sie ist in gewisser Weise einzigartig, was den seltenen Versuch anbelangt, Theaterstück, Hörspiel und Musik eines der bekanntesten deutschen Popstars zu einer Melange zu verschmelzen. Das macht sie erfrischend und hebt sie, weil ungewohnt, vom Alltäglichen ab. Mir bleibt es unverständlich, dass sie von den Medien bislang so gut wie nicht wahrgenommen wurde.
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