Aus der Amazon.de-Redaktion
Als der Countertenor Andreas Scholl einst ein Konzert in Kuala Lumpur gab, fing eine Dame in der zweiten Reihe an zu lachen. Auch die mitleidige Bemerkung: Eine schöne Stimme hat er ja. Aber ein armer Kerl bleibt er trotzdem!" hat Scholl schon über sich ergehen lassen müssen. Noch ist nicht ganz ins Bewusstsein der Mehrheit gedrungen, dass man heute nicht mehr entmannt werden muss, um die schöne hohe Knabenstimme zu erhalten, wie einst zu Lebzeiten von Händel und seiner großen Muse, dem Kastraten Senesino. Senesino (etwa 1680 - 1758), der bürgerlich auf den Namen Francesco Bernardi hörte und aus Siena stammte, wurde seinerzeit wie ein Popstar gehandelt. Dank seiner Stimme ersang er sich ein Vermögen von 15.000 Pfund - eine für damalige Verhältnisse ungeheure Summe - und trieb so manchen Impresario durch seine Gagenforderungen in den Ruin. Senesinos Erbe: ein ungeheures Repertoire, das mehrere CDs füllen könnte. "Wenn ichs schaffe, bis zum Ende meiner Karriere alle Senesino-Arien gesungen zu haben, oder mindestens fast alle, das wäre ne schöne Sache", sagt Andreas Scholl.
Den Beginn macht er jetzt mit dieser CD, die zur Hälfte Arien aus den bekannten Händel-Opern Cesare, Rinaldo und Rodelinda enthält, aber auch sechs wunderbare Arien von Tomaso Albinoni, Alessandro Scarlatti, Antonio Lotti und eine Arie aus der Oper "Il trionfo di Camilla" von Nicola Porpora, die letzte Rolle, die Senesino wenige Jahre vor seinem Tod verkörpert hat. "Insgesamt kann man sagen, dass alles, was Händel für diesen Senesino, den berühmtesten Altkastraten seiner Zeit geschrieben hat, sagt Scholl, alle 17 Hauptpartien, wenn auch nicht alle Titelrollen, meiner Stimme sehr gut liegen." Uneitel indes Scholls Gesang: von betörender Schönheit, ohne dass Scholl sich selbstverliebt im bloßem Wohlklang seiner Stimme verlieren würde. Er ist ein Meister der auf- und verblühenden musikalischen Momente, hochvirtuos und brilliant in den Bravourstücken, anrührend, ohne Sentimentalität in den schwermütigeren Gesängen, dabei immer vibrierend und intensiv. Unmöglich sich dem Sog dieser Kunst zu entziehen. --Teresa Pieschacón Raphael
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