Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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28 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
einblicke eines machtpolitikers, 9. März 2005
dieser dokumentarfilm erzählt die geschichte einer der aussergewöhnlichsten personen des zwanzigsten jahrhunderts. robert mcnamara, geboren im jahre 1916 ist nicht nur ein zeitzeuge, sondern einer jener menschen, welche die geschichte inbesondere des kalten krieges gestaltet haben. aufstieg aus ärmsten verhältnissen. nach studium und lehrtätigkeit in harvard diente er im zweiten weltkrieg unter dem späteren kommandanten der strategischen bomberkräfte, curtis lemay, um mittels analytischen methoden die effizienz der bombardements auf den kriegsschauplätzen zu erhöhen. danach karriere bei ford motors bis zum vorstandsvorsitzenden (dem ersten, der nicht der familie angehörte). danach war er während sieben jahren us-verteidigungsminister unter den präsidenten kennedy und johnson, er war an der (haarscharfen) beilegung der kubakrise ebenso massgeblich beteiligt, wie an der eskalation des vietnamkrieges. soweit der beindruckende lebenslauf - alleine diesen zu erzählen verdient aber noch keine fünf sterne und dies wird auch in dieser dokumentation nicht getan.der mann, der mit zweiten vornamen 'strange' heisst (dr. strangelove lässt grüssen!) erlaubt einen langen blick hinter die kulissen der macht und dieser wird in einem wahren bilderrausch und redestakkato dieses rüstigen älteren herrn vorgetragen. die gliederung wurde anhand von elf signifikanten statements vorgenommen. mcnamara erzählte, wie er beim bombardement von tokyo in den tod von hundertausend menschen involviert war, wie er die profitabilität von ford steigerte, wie er auf die blockadelösung und die de-eskalation 1962 eingewirkt hat, wie er das engagement in südvietnam organisierte und vieles mehr. in dieser dokumentation geht es um ihn und die geschichte lief, wenn man diesen film anschaut, nur mit ihm. er erzählt ohne frage viel, sehr viel sogar. er liefert neben der kühlen schilderung der fakten, ebenso weitgehend emotionslos die schlussfolgerungen. er nimmt sich aus der kritik in keiner weise heraus. aber er gibt irgendwann einen wichtigen hinweis ('beantworten sie nie die frage, die ihnen gestellt wird, sondern jene, die sie gerne hören würden'), welchen man sich immer präsent halten sollte. und so drängt sich einem schon der verdacht auf, dass trotz eingeständnissen, trotz teilweiser bekehrtheit, mit uns zuschauern jenes spiel immer noch pflegt, welches er als lenker der weltgeschicke mit leidenschaft spielte. dies kann zwischenzeitlich für leichte nachdenklichkeit sorgen, aber es ist schwer, dem charme und der intellektuellen schärfe dieses mannes zu entrinnen. immerhin, er entzieht sich seiner kritik nicht und er gibt nicht zuletzt auch sehr offen zu, dass er weiss, wie eine grosszahl von menschen über ihn denken. wie soll man das ganze werten? zwei vorschlage in anlehnung an die lektionen: macnamara ist wohl bereit sein denken zu überprüfen (lektion acht) - oder: man kann die menschliche natur nicht ändern (lektion elf), also kann sich mcnamara auch heute nicht seinen handlungsmustern entziehen. wie in vielen fragen der geschichte ist auch hier ein abschliessendes urteil nicht ohne weiteres möglich. unbestrittenermassen ist es ein faszinierendes zeugnis, welches hier präsentiert wird - und eine der interessantesten und lehrreichsten geschichtsstunden, welche ich je erlebt habe. und wenn schon so viel darüber gesprochen wird, dass man aus der geschichte lernen soll, so sind diese lektionen ein sehr guter anfang. denn niemand, der diesen film anschaut, kommt darum herum, dies vor dem hintergrund der erreignisse der letzten rund fünf jahre zu sehen - und so kann dann gelegentlich der (paradoxe) wunsch auftreten, dass man sich mcnamara (trotz allem, was unter einer ägide geschehen ist) an stelle vieler massgeblicher personen in der weltpolitik zurückwünscht. nochmals; spannender ist moderne geschichte kaum zu erleben, um nicht zu sagen, zu geniessen.
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48 von 53 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Apocalypse now and then and ever again, 19. März 2005
Ein Buch gegen den Krieg zu schreiben ist so sinnlos wie ein Buch gegen Gletscher zu schreiben. Das hat bereits Kurt Vonnegut seinem „Schlachthof 5" vorangestellt. Es gab in der Vergangenheit Gletscher und es wird sie noch lange geben. Kriege ebenfalls. Robert Strange McNamara erzählt in „The fog of war" von seinem Leben, ganz besonders von seinem Berufsleben. Er diente im Zweiten Weltkrieg und war unter Kennedy und Johnson amerikanischer Verteidigungsminister. Beinahe ist es ein Film über 100 Jahre Kriege mit Beteiligung der USA. Denn bereits die frühesten Kindheitserinnerungen McNamaras sind vom Krieg geprägt, vom Ersten Weltkrieg. Der Krieg der alle weiteren Kriege beenden würde, wie Woodrow Wilson so vollmundig versprochen hatte. McNamara ist inzwischen 88 Jahre alt und wirkt in diesem Film geistig völlig fit. Ein intelligenter, besonnener und ehrgeiziger Hochschulabsolvent, der bewegendes und hochinteressantes von sich gibt. Glücklicherweise wird dem Zuschauer nicht nur ein Interview mit McNamara in einem Fernsehstudio präsentiert, sondern ein handwerklich sehr gelungener Dokumentarfilm geboten, inklusive passender musikalischer und visueller Untermalung. Zu sehen gibt es viele Fernsehbilder aus der Zeit des 2. Weltkrieges, der Kubakrise und des Vietnamkrieges. Diesen drei Konflikten gilt in diesem Film die meiste Aufmerksamkeit. Der Koreakrieg, der Erste Weltkrieg und der Amerikanische Bürgerkrieg werden nur kurz erwähnt. Den gerade aktuellen Krieg im Irak kommentieren weder der Regisseur noch sein Gesprächspartner. Allerdings sagt McNamara deutlich, daß er weder damals und erst recht nicht heute für einen leichtfertigen Einsatz des Militärs sei. Im Vietnamkrieg wurde den USA die Unterstützung Deutschlands, Frankreichs und anderer NATO-Staaten verweigert. Dazu sagt McNamara etwas, das sehr wohl auch auf den Krieg von George W. Bush paßt. Wenn man nicht einmal Länder mit ähnlicher Kultur und gemeinsamen Werten als Verbündete gewinnen kann, dann sollte man sein Vorgehen noch einmal überdenken. Die Strukturierung des Films in 11 Kapitel, 11 Lehren, die McNamara aus seinem Leben gezogen hat ist sehr gelungen. Versetze dich in deinen Feind! Was wir glauben und sehen ist oft falsch! - das sind nur zwei dieser Lehren. Wäre die Welt besser dran, wenn die mächtigen Führer nicht solchen 11 Leitsätzen, sondern etwa den 10 Geboten folgen würden? Nun, George W. Bush ist Mitglied der wiedergeborenen Christen. Die Antwort scheint also ein Nein zu sein. Besonders erschreckend an „The fog of war" ist die Erkenntnis, daß die Zukunft der Menschheit selbst in den Händen von Robert McNamara nicht optimal aufgehoben ist. Selbst dieser überaus rationale, intelligente Mensch, der kein Kriegstreiber war, hat Fehler gemacht. Aber auch unter der Verantwortung so eines weisen, sympathischen Mannes starben Millionen. „The fog of war" hinterläßt einen bitteren Nachgeschmack! Statt uns voller Naivität auf eine friedliche Welt zu freuen, sollten wir uns wohl eher auf weitere Kriege einstellen und den Schaden und das Leid so gering wie möglich halten. Das sind schlimme, aber wohl realistische, Aussichten.
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12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Beeindruckend-bedrückende Personenstudie, 8. Dezember 2006
Beeindruckend, wie ein Mann, der den kalten und den Vietnam-Krieg aus nächster Nähe miterlebt und mitbestimmt hat, sein Handeln mit einiger Distanz nochmal Revue passieren lässt, rechtfertigt, sich kritisiert, manchmal auch einfach hilflos wirkt. Einige verstehen diese Dokumentation gründlich falsch. Zwar räumt McNamara mit einigen Vorurteilen auf, zB dass der Vietnam-Krieg "sein Krieg" war. Doch hier wird keineswegs eine Glorifizierung betrieben. Auch die "elf Regeln" sind keineswegs aus Dogma zu verstehen, was die Dokumentation propagieren will. Sondern Denkansätze von McNamara, die vieles erklären, zum Nachdenken anregen, und einen herausfordern, selbst Stellung zu beziehen.
Der Film ist also eine hochinteressante Darstellung der damaligen Vorgänge und Hintergründe (Kuba-Krise, Vietnam-Krieg, mit zum Teil sensationellen Mitschnitten aus dem Oval Office oder von Telefonaten), aber auch eine eindrucksvolle Charakterstudie eines Mannes, der zu den mächtigsten und umstrittensten Menschen des letzten Jahrhunderts gehörte. Umbedingt empfehlenswert.
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