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22 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Beeindruckendes Debüt, 27. März 2005
Woran denkt man in der Regel, wenn man von einer weiteren Ersteinspielung eines jungen russischen Pianisten erfährt? An Klaviersonaten von Scarlatti sicherlich nicht - und doch bestreitet Evgeny Sudbin mit einer Auswahl dieser Miniaturen seine Debüt-CD beim schwedischen Label BIS. Und um es gleich vorwegzunehmen: Er landet damit einen Volltreffer. Mit seiner Programmwahl unterscheidet er sich zudem wohltuend von vielen seiner Kollegen, die üblicherweise ihr Glück eher mit Liszt und Rachmaninov versuchen und dann von der Marketingabteilung das Etikett "der neue Horowitz" auf die Stirn geklebt bekommen - wenn nicht gleich die gesamte CD mit dessen Namen versehen wird (siehe etwa die Debüt-CD von Denis Matsuev / RCA). Im Gegensatz zu seinem Zeitgenossen Johann Sebastian Bach war die Klaviermusik Scarlattis lange Zeit nicht sehr bekannt und wurde verhältnismäßig selten aufgeführt. Erst in den letzten Jahrzehnten hat sich dies merklich geändert, und namhafte Pianisten wie Horowitz (Sony), Gilels (Aura) oder Michelangeli (IMG) legten Aufnahmen einiger seiner insgesamt 555 Klaviersonaten vor. Exzellente Einspielungen von Pletnev (Virgin), Zacharias (EMI, MDG) Demidenko (Sanctus) oder Pogorelich (DG) trugen weiter zu deren Etablierung bei. Auch die vorliegende Aufnahme des inzwischen 25jährigen Sudbin läßt keinen Zweifel daran, daß der Reichtum an Klangfarben und der Dynamikumfang eines Konzertflügels dieser Musik eine Lebendigkeit verleihen, die auf einem Cembalo nie zu erreichen wäre. Dies liegt allerdings in einem hohen Maße an der fantastischen Pianistik und Musikalität des jungen Russen, mit der er sich schlagartig in eine Reihe mit den soeben genannten, illustren Kollegen stellt. Da ist zunächst die durchdachte Auswahl und Abfolge der Sonaten, die nie Langeweile aufkommen läßt und die Sudbin im von ihm verfaßten Begleittext nachvollziehbar erklärt. Beeindruckend ist jedoch vor allem die Intelligenz der Strukturierung jeder Sonate, wie Sudbin mit vollendeter Anschlagsdifferenzierung, wunderbar eingesetztem und niemals vordergründigem Rubato den Hörer von einer musikalischen Phrase zur nächsten führt. Es ist diese scheinbar instinktive Musikalität, die in jedem Akkord, jeder Note fühlbar wird und trotz großer dynamischer Gegensätze zu keinem Zeitpunkt aufgesetzt wirkt. Auch Triller (Sonate K.435) oder Tonrepetitionen (K.455) in hohem Tempo verlieren nichts an Klarheit und Gleichmäßigkeit; der subtile, nichts verwischende Pedaleinsatz wird ganz in den Dienst der unerhört einfallsreichen Tongebung gestellt. Sudbin erinnert mich mit seinem Gespür für musikalische Phrasierungen und der Schönheit des erzeugten Klangs an die fulminante Rameau-CD von Alexandre Tharaud (harmonia mundi), die ähnliche Qualitäten aufwies. Exemplarisch für die hervorragende Stimmführung und -balance seien hier die Sonaten K.466 und K.27 genannt, die man sich überzeugender gestaltet kaum vorstellen kann. Die relativ direkte Aufnahmetechnik bildet jedes Detail des sehr gut intonierten Steinway ab, ohne daß das Klangbild jemals unangenehm grell würde. Das lesenswerte, wie erwähnt durch den Pianisten selbst verfaßte Beiheft und die großzügige Spielzeit (knapp 76 Minuten) runden den positiven Eindruck ab. Diese Aufnahme ist eine Entdeckung für jeden Klavierliebhaber und kann nur uneingeschränkt empfohlen werden!
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