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12 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Das ist Westernhagen?, 3. März 2005
Von Ein Kunde
Mit gemischten Gefühlen schaut man jeder neuen Veröffentlichung von Westernhagen entgegen. Einerseits ist er stets für Hits gut. Nur muss die prinzipiell nicht jeder mögen. Es ist vielleicht ein wenig so, wie es Quentin Tarantino in seinem Film «Pulp Fiction» ausdrückte: Entweder man ist Elvis-Mann oder «Beatles»-Mann. In diesem konkreten Fall muss es lauten: Entweder man ist Westernhagen-Fan oder Grönemeyer-Fan. Viel dazwischen gibt es nicht. Oder vielleicht doch? Westernhagen hat uns jedenfalls dieser Tage sein neuestes Werk Nahaufnahme beschert, das so gar nicht nach ihm klingt. Denn gleich das erste, sieben Minuten lange Stück (gefühlte Minuten: maximal vier) Versuch Dich zu erinnern ist von einem dermaßen legeren Rhythmus unterlegt, dass der Glaube, es handele sich hierbei um Marius Müller-W., in seinen Grundfesten erschüttert wird. Aber freilich nur bis zum nächsten Song Alles ist möglich , an dem altbekannte Klavier- und Gesangstöne zum Vorschein treten, samt dieser pathetischen Klänge, für die der Songschreiber geliebt - und gehasst wird. Auch das vergeht schnell, und es kommt Du entkommst mir nicht hervor, ein Song, der teils eng an «It's Probably Me» von Eric Clapton angelegt ist. Es sei Westernhagen erlaubt, schließlich scheint er sich auch endlich von der Rivalität mit Grönemeyer emanzipieren zu wollen. Überhaupt scheint der Sänger die Americana-Schiene entdeckt zu haben. Auf Gejammer , beispielsweise, spielen Banjo und Fidel zum Grundrock, während sich Westernhagen beschwingt über die soeben verflossene Beziehung auslässt. Aber gerade dadurch gefällt er, genau so, wenn er die ruhigen Lounge-Klänge auf Schweige still zum Leben erweckt; hier harmonieren Glockenspiel, Saxofon, Hammond-Orgel, Percussion und ein sanft gespielter Bass, ganz ohne die Rührseligkeit, die seine Songs sonst gerne durchzieht. Das heißt allerdings im Umkehrschluss auch nicht, dass er ganz ohne kann: Das an deutsche Seefahrer-Lieder angelehnte Georgie erinnert an vergangene Platten , wie auch die anderen in regelmäßigen Abständen folgenden ruhigen Songs. Sie bieten oftmals nur Westernhagens Gesang, seine Klavierkünste und seine Alltags-Philosophie. Und doch kriegt der Künstler auf Nahaufnahme stets die Kurve, er wirkt nicht peinlich und versucht auch nicht verkrampft, seine Hörer peinlich zu berühren. Einmal, nur einmal, bittet er auf Willst Du tanzen sein Gegenüber um Verzeihung, ja, er kniet gar vor ihm nieder, um alles wieder besser zu machen. Dabei hat er das ob des gelungenen Albums gar nicht nötig, auch wenn sich der Hörer manches Mal wünscht, dass Westernhagen seine anfänglich offenbarte Experimentierlust noch stärker ausleben würde. Immerhin ist er berechenbar: Nach dem ruhigen Song folgt das bereits erwähnte flotte Gejammer , Mit am besten ist er gewiss, wenn er unbekümmert und frei von der Leber singt. Daneben ist eines dieser Rock-Songs, die gute Laune verbreiten. Doch auch wenn nicht alle Songs auf Nahaufnahme dergestalt gestrickt sind, kann doch festgehalten werden, dass sich Marius Müller-Westernhagen mit seiner CD neue Freunde machen wird. Ich wollte nie heiß das elfte Lied auf der Scheibe, und man ist geneigt zu vervollständigen «schlechte Alben produzieren». Tat er aber. Heuer geht Westernhagen manches Mal ein Risiko ein, weil er vieles spielt, was man so von ihm gar nicht gewohnt ist. Das ist gut so. Und manchmal schreibt er sogar richtig gute Stücke.
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