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31 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Die Kunst der Variation, 19. Februar 2005
Um was geht es in Coffee & Cigarettes? Streng genommen um nichts. Es sind Szenen aus dem "Dazwischen", aus dem, was geschieht, wenn in anderen Filmen der Regisseur einen Schnitt macht, um die Handlung und die Geschwindigkeit seines Films nicht zu stören. In letzter Konsequenz ist es aber auch ein Film über die Unterschiedlichkeit der Menschen. Alle Charaktere werden in dieselbe Situation geworfen, gezwungen mit jemanden zu kommunizieren, mit dem sie nichts gemeinsam haben, außer, dass sie im selben Moment am selben Ort sind. Wie schon in Night on Earth zeigt Jim Jarmusch wie ähnlich und gleichzeitig doch verschieden wir Menschen sind, wie sich bei gleichen Voraussetzungen manche Dinge wiederholen, andere vollkommen anders verlaufen, manchmal witzig, manchmal bedrückend, manchmal langweilig, manchmal skurril, aber eben immer anders. Coffee and Cigarettes ist ein Film über die menschliche Individualität, gerade wegen seines repitativen Aufbaus. Jarmusch zeigt, dass eben nicht allein das System, die Situation oder das Leben, in das wir ohne unser eigenes Verschulden geboren werden, bestimmt, wie wir uns verhalten. Coffee and Cigarettes ist aber auch ein Film über gescheiterte Kommunikation. Fast immer verläuft der Smalltalk der Protagonisten fehlerhaft, entweder weiß man nicht so recht, über was man sprechen soll (Iggy Pop und Tom Waits, die sich trotz ihrer scheinbaren Gemeinsamkeit, Musiker zu sein, absolut nichts zu sagen haben), andere streiten sich (Memphis-Episode) und die meisten missverstehen, was der andere ihnen eigentlich mitteilen will. Coffee & Cigarettes ist ein Film über eine ganze Generation, die sich langsam und schleichend ihrem Ende nähert, die Kaffee und Zigaretten-Generation wie sie Tom Waits nennt, eine Generation, die sich dadurch auszeichnete, ständig gerade dabei zu sein "aufzuhören". Am Ende wird mehr Tee getrunken und auch die Zigaretten werden immer weniger, verschwinden manchmal gar vollständig. Coffee & Cigarettes ist ein reiner Kunstfilm und offenbart uns einen von allen Zwängen befreiten Jim Jarmusch, dessen Stärke niemals die Dramaturgie war, sondern das poetische. Von seinen Filmen bleiben meistens eher Bilder im Kopf hängen als Handlungen, so z.B. die letzte Szene aus Down By Law, als sich Jack und Zack endgültig trennen und die Kamera bewegungslos zurückbleibt, während man die beiden langsam auf den voneinander wegführenden Wegen einer einsamen Kreuzung in der Wildnis verschwinden sieht, oder die ohne jeden Dialog stattfindende Zugfahrt am Anfang von Dead Man, Jim Jarmusch' besten Film. Coffee & Cigarettes hat sich von jeder Regel und jeder Erzählstruktur befreit, nur um einen schwindenden Moment festzuhalten, der doch schon Vergangenheit ist im selben Moment, da er geschieht. Es gibt viele gute Filmemacher, viele gute Filme, doch nur wenige haben es geschafft nicht die Sprache, sondern die Bilder poetisch werden zu lassen, Stanley Kubrick war einer davon, Terry Gilliam ist ein anderer, Jim Jarmusch aber ist der beste von ihnen.
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