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32 von 35 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen
Die Serie ist genial und einzigartig, aber..., 22. Januar 2006
...zunächst der Reihe nach !1. Die Serie Als die Amerikaner David Lynch und Mark Frost mit ihrer TV-Serie „Twin Peaks“ zu Beginn der neunziger Jahre alle gängigen Fernseherwartungen ausgehebelt und teilweise neu definiert hatten, waren die Konsumenten, die sich gern intelligent unterhalten lassen, der Meinung, daß sich etwas Derartiges kaum wiederholen kann. Bezogen auf die USA behielten sie Recht. 1994 machte sich der dänische Regisseur Lars von Trier, der sich seit den achtziger Jahren den Ruf eines exzentrischen Experimentalfilmers erworben hatte, daran, die Idee zu einer Serie über die eigenartigen Vorkommnisse im Reichskrankenhaus zu Kopenhagen in die Tat umzusetzen. Das Ergebnis, bislang durch 11 Teile im Rahmen zweier Staffeln dokumentiert, ist ein Cocktail aus verschiedenen Zutaten, faszinierend arrangiert und - aus meiner Sicht schon wegen der exquisiten dänischen Darstellerriege - derart bekömmlich, dass man - und darin liegt ein wichtiges Vergleichskriterium zu „Twin Peaks“ - gar nicht genug kriegen kann. Riget, Geister oder Hospital der Geister - so der bzw. die Titel - ist keine von diesen herkömmlichen Krankenhaus-Serien, die regelmäßig die Werbeblöcke der Kabelsender auflockern, sondern in jeder Hinsicht erfolgreich in der Absicht, genau das Gegenteil von dem zu erreichen, was man als Zuschauer erwartet. Auch hier bietet sich sich ein klarer, wenn auch der letzte Vergleich zu „Twin Peaks“ an. Die Geistergeschichte - der Geist eines kleinen Mädchens, das vor langer Zeit in dem Krankenhaus ihr Leben verlor, erscheint einer spiritistisch interessierten, älteren Patientin - dient letztlich nur als Vehikel und Bindeglied zwischen vielen Handlungssträngen, die permanent zwischen der Arbeitsroutine im Krankenhaus und den teilweise obskuren Verhaltensweisen der Menschen dort pendeln. Seifenoper, Horrorfilm, Krimi, Satire und Philosophie gehen eine derart perfekte Symbiose ein, der man sich, einmal mittendrin, einfach nicht entziehen kann. Da ist die bereits erwähnte ältere Dame, die sich, obgleich physisch gesund, immer wieder aufgrund fadenscheiniger Symptome ins Krankenhaus einliefern lässt, um dort Seancen abhalten zu können. Da ist der ewig nörgelnde, arrogante schwedische Chefarzt, der vor dem Hintergrund eines ihm bewussten ärztlichen Kunstfehlers nichts Besseres zu tun hat, als sich auf den Lorbeeren anderer auszuruhen und die dänische Mentalität zu verfluchen. Da ist der engagierte Professor, der sich, nur um seine persönlichen Experimente weiterführen zu können, die mit Krebs befallene Leber eines hirntoten Patienten einpflanzen lässt. Und da sind nicht zuletzt zwei Mitarbeiter mit Down-Syndrom, die in der Küche arbeiten, ihren Arbeitsplatz praktisch nie verlassen, aber den totalen, detaillierten Überblick von allem haben, was in der Klinik geschieht. Diese Liste des Aberwitzes ließe sich beinahe endlos fortsetzen, weil es im Grunde nichts gibt, was nicht in irgendeiner Weise ernsthaft angerissen bzw. vertieft und / oder ironisch gebrochen wird. Lars von Trier hat das Ganze in grobkörnigem Bildmaterial in Farbe festgehalten, in den meisten Sequenzen lediglich eine Handkamera zum Einsatz gebracht und größtenteils grob und schnell geschnitten. Kunstvolle, aber dennoch abgedrehte Kameraeinstellungen und Mehrfach-Bildüberlagerungen tun ihr Übriges. Durch diesen visuellen Zauber wird der Zuschauer, in Abhängigkeit von dem gerade behandelten Thema, zwischen amateurhaft wirkenden, realistischen Dokumentationen und surrealen Bildkompositionen hin und hergerissen. Leider ist Ernst-Hugo Järegard – der schwedische Chefarzt Dr. Helmer und somit eine der Hauptfiguren der Serie – ein Jahr nach Abschluss der Dreharbeiten verstorben, so dass kaum zu erwarten ist, dass die Serie jemals fortgesetzt wird. 2. Die DVD-Box und andere Anmerkungen Die Box ist sehr ansprechend gemacht und wartet – neben diversen Werbespots, Video-Clips und Interviews - mit angeblich restauriertem Material auf. Es wird darauf verwiesen, neben ergänzendem Material, das in Dänisch mit deutschen Untertiteln in die vorhandene deutsche Fassung integriert wurde, eine völlig neue Schnittfassung zu präsentieren. Das ist völlig richtig, nur ist diese in wesentlichen Sequenzen unlogisch, d. h. nicht der eigentlichen Chronologie entsprechend und vor allem letztlich auch noch unvollständig !! An dieser Stelle möchte ich kurz darauf hinweisen, dass ich hier nicht irgendwelche kleinlichen Bemerkungen zum Besten geben will, sondern schon weiß, wovon ich rede. Außerdem ist es allemal fair den Fans gegenüber, die wissen sollten, wenn man sie zum Narren hält ! Es existieren anscheinend mehrere unterschiedliche Schnittfassungen, angefangen mit der Ausstrahlung der 1. Staffel im Herbst 1996 auf N3 in zwei Teilen mit einer Gesamtlänge von 263 Minuten. Da diese Staffel normalerweise fünf Teile umfasst, existieren auch fünf abschließende Kommentare seitens des Regisseurs, wobei hier nur zwei davon zu sehen sind. Diese Fassung ist komplett deutsch synchronisiert, d. h. dass die „restaurierten Passagen“ auf der DVD – bezogen auf diese Staffel – gar nicht nötig gewesen wären. Ich habe diese Fassung – auch wenn die Qualität beträchtlich nachgelassen hat - immer noch auf VHS, und sie dient vor allem als Vergleich. Die zweite Schnittfassung ist die Arthaus VHS-Veröffentlichung beider Staffeln, wobei die erste Staffel um ca. 35 Minuten gekürzt wurde, aber alle fünf Abschlusskommentare des Regisseurs enthalten sind. Die sechs Teile der zweiten Staffel beinhalten alles in voller Länge. Beide Staffeln, jeweils eine Doppel-VHS-Box, sind durchgängig deutsch synchronisiert. Die dritte Schnittfassung ist nun diese angeblich vollständig restaurierte DVD-Veröffentlichung. Sie bietet 8 Folgen, einen zum Teil unlogischen Schnitt, zum größten Teil überflüssige, deutsch untertitelte, dänische Sprachsequenzen (wie oben schon angemerkt) und unterschlägt – weil die komplette Serie 11 Folgen hat und nicht 8 – drei Abschlusskommentare des Herrn von Trier. Ob diese nun Sinn ergeben mögen oder nicht – sie gehören dazu ! Aus diesem Grunde auch nur zwei Sterne für die DVD-Veröffentlichenung von Koch Media. Ich bevorzuge die Arthaus Schnittfassung, die, auch wenn starke Kürzungen vorgenommen worden sind, in sich logisch geschnitten und synchronisiert wurde als auch alle Auftritte Lars von Triers beinhaltet. Es würde mich allerdings nicht wundern, wenn in den nächsten Jahren noch weitere sogenannte „Remaster“ – Fassungen dieser Serie auftauchen. Ja, Geld lacht...oder wie heißt das ?
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