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17 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Sternstunde, 13. Januar 2005
Eigentlich müsste man diese Produktion ganz grauenvoll finden: Zeffirelli stellt die Bühne der Wiener Staatsoper mit einem Klischee-Spanien voll,wie es schlimmer kaum geht, die Carmen ist mit Jelena Obasztsova denkbar unidiomatisch besetzt- und die übertriebene digitale Schärfung von Ton und Bild dürfte auch für so manchen des guten zu viel sein: aufgeblasener Cinemascope-Sourround Sound in Sevilla. Aber dennoch ist diese Carmen ein einzigartiges Dokument- und das liegt mal wieder einzig und allein an "Carlos dem Grossen". Der Dirigent, den ich im im persönlichen Umgang eigentlich eher witzig, bescheiden und zurückhaltend erlebt habe, konnte ein Tyrann sein, wenn es um die Veröffentlichung von Mitschnitten oder Studiomitschnitten ging, was soweit führte, dass man heimlich die Proben mitschnitt, um wenigstens etwas Material zu haben, wenn er mal wieder vorzeitig aus dem Studio abreiste. Sein erster "Boheme"-Akt aus Mailand etwa liegt seit Jahrzehnten in den Tresoren der DGG- diese Carmen hat er aber vor seinem Tod noch persönlich authorisiert. Und das gibt diesemr DVD eine zusätzliche Einzigartigkeit. Mit der gewohnten Unerbittlichkeit vertreibt er jegliche Trivialität aus der Partitur und lässt sie moderner und unerhörter klingen, als Bizet sich das je hätte träumen lassen. Andauernd wird man aus seinen Hörgewohnheiten aufgeschreckt_ eingeschliffene ritardandi oder falsche Tempi- nicht bei Carlos Kleiber. wunderbar, wie konzentriert selbst der Chor dem Dirigat folgt, bis in die Zehenspitzen motiviert. Placido Domingo als Don Jose erüllt sängerisch einzig Kleibers Qualitätsstandards. Am ehesten kommt noch Isobel Buchanans Micaela in diese Sphären. Yuri Mazuroks grober Escamillo bleibt wie die Obraztsova ein integrationsunwilliger musikalischer Gastarbeiter in diesem Andalusien. Aber all' diese Kritikpunkte sind Petitessen gegen Kleibers Dirigat. Selbst wenn man bei dieser "Carmen" die Singstimen komplett weggelassen hätte, wäre sie noch ein Ereignis.
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11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Die Oper der Opern, 18. Dezember 2004
Nietzsche nannte Carmen die "Oper der Opern". Wenn man diese live-Aufnahme aus dem Jahre 1978 sieht und vor allem hört, ist man geneigt, ihm zuzustimmen. Die Sänger sind sensationell, die Inszenierung ist prall, bunt und voller Leben und die Musik schwelgt in feuriger Dramatik. Doch der Reihe nach: Am Pult steht einer der ganz großen Dirigenten - Carlos Kleiber. Die Werke, die er in seiner 40jährigen Karriere dirigiert hat, sind schnell aufgezählt. Dass "Carmen" dazu gehört, ist ein echter Glücksfall. Ein weiterer Glücksfall ist, dass Kleiber und das großartige Orchester nicht im Graben verschwinden , sondern einbezogen sind in die Inszenierung. Im Licht der Scheinwerfer zelebriert Carlos Kleiber seine Dirigierkunst und es ist ein Vergnügen, ihm dabei zuzusehen. Elena Obraztsova als Carmen braucht eine Weile, um zur feurigen Zigeunerin zu werden. Ihr voluminöser Alt gibt der eigentlich für Mezzosopran geschriebenen Rolle eine dunkle Färbung, die am eindringlichsten im berühmten Karten-Terzett wirkt, wenn Carmen ihren Tod vorhersagt. Einen brillianten Don José gibt Placido Domingo, ohne dass man ihm eine Anstrengung anmerken würde. Für die Blumen-Arie gibt es vom Wiener Publikum verdienten und lang anhaltenden Applaus. Besonders hervorzuheben ist Isobel Buchanan als Micaela. Ihre wunderschöne klare Sopranstimme erzeugt vor allem im 1. Akt, im Duett "Parle-moi de ma mère" Gänsehaut. Die Inszenierung ist an Aufwand kaum mehr zu überbieten. Franco Zeffirelli füllt die wahrlich nicht kleine Bühne der Wieder Staatsoper bis zum letzten Platz mit farbenfroh gekleidetem Volk, Stierkämpfern, Flamenco-Tänzern und einigen Pferden. Waren das noch Zeiten, als Opern sich so etwas leisten konnten und wollten! Für Opernliebhaber und alle, die es werden wollen, ist diese DVD uneingeschränkt zu empfehlen.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Stimmlich schwere, aber sehr reizvolle Carmen, 7. März 2007
Ich kann mich dem Beitrag über Domingo nur anschließen - sehr gut - aber die Obraztsova ist in der Rolle der Carmen auch sehr gut, was man allenfalls kritisieren könnte, ist die/der Kostümbildner, welche® nicht nur bei ihr - auch bei anderen Darstellern das Ziel verfehlt hat.
Wie allerdings eine verkleidete Hausfrau aussieht, entzieht sich meiner Beurteilung.
Die Obraztsova bedient die Rolle der Carmen in einer ihr völlig eigenen, aber interessanten Weise, nämlich indifferent zwischen wahren Gefühlen und einem wiederkehrenden oberflächlichen Lachen, das eine vermeintliche Leichtigkeit (wohlgemerkt in der Rolle!) suggerieren soll, einzigartig und interessant gegenüber dem Einheitsbrei mancher sich sexy wähnenden Carmen - Darstellerinnen.
Somit ist die Rolle für mich wahrhaftig besetzt und keineswegs rein äußerlich mit einer verkleideten Hausfrau zu vergleichen. Ebenso ist sie stimmlich und interpretatorisch von Beginn an sehr intensiv; dass die Habanera, trotz schwerer, großer Stimme, eine gewisse Leichtigkeit haben muss, ist allen Fachleuten klar und wurde auch so interpretiert.
Sie hat sich hier - ich habe sie in der Carmen mit Atlantov auf Russisch gehört und sie deckte ungewollt diesen großen Tenor stimmlich teilweise zu, in dieser Aufführung überaus kollegial verhalten, denn was für sie ein Bühnenpiano ist, ist für den Rest der Sänger schon Mezzoforte. Also verstehe ich ebenfalls die Kritik nicht, sie hätte in den ersten beiden Akten eine zu geringe sängerische Intensität gezeigt.
Ebenso überzeugt die Regie von Zeffirelli in einer Ausstattungsoper, denn ein solches Stück möchte ich nicht von Regisseuren inszeniert sehen, die vier Klötze auf die Bühne stellen und den Rezipienten auffordern, sich die Taverne der Schmuggler vorzustellen.
Alles in allem ist gerade die stimmliche Potenz und Interpretation der Obraztsova eine interessante Alternative zu herkömmlichen Carmen - Inszenierungen.
Übrigens, über die teilweise unorganischen Tempi von Herrn Kleiber lässt sich auch streiten.
Eine Bemerkung sei mir noch erlaubt - das Wiener Premierenpublikum ist nicht immer und unbedingt - anderen Kritiken zum Trotz - geschmackssicher.
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