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19 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
aufwühlende Bilder, die haften bleiben, 24. Februar 2005
Dies ist ein Film, dessen Bilder man nicht so schnell verdrängen kann. Obwohl alle Schauplätze nachgestellt wurden, kamen sie mir völlig authentisch vor. Ich hatte mehr das Gefühl, eine Reportage zu sehen als einen Film.Der Film an sich ist in einer Art Doppel-Helix aufgebaut: England - Äthiopien - England - Kambodscha - England - Tschetschenien - England. Die beiden Protagonisten begegnen sich nur sehr selten, aber in entscheidenden Abschnitten ihres Lebens. Die beiden Biographien, die so nah und doch so fern nebeneinander herlaufen, wirken wie zwei ineinander verschlungene Spiralen. Der idealistische Arzt und Flüchtlingshelfer Nick Callahan (Clive Owen), Gründer und Leiter von Flüchtlingslagern, stellt das Schicksal seiner Notleidenden soweit in den Vordergrund, dass das Übertreten der Gesetze ihm verzeihlich erscheint. Doch diese Entscheidung für die Opfer und gegen die eigenen Bedenken lässt den Flüchtlingshelfer im Laufe der Jahre in einem Sumpf tragischer Verstrickungen versinken, denen im Verlauf des Filmes seine besten Freunde zum Opfer fallen. Die naive jung-verheiratete Sarah Jordan (Angelina Jolie) wird von der Leidenschaft des Arztes, der die Society bei ihrer Spenden-Gala zu stören wagt, um für sein dem finanziellen Ende nahes Flüchtlingscamp weitere Mittel zu fordern, so sehr beeindruckt, dass sie mit eigenen Geld einen Hilfsmittel-Transport organisiert und nach Äthiopien begleitet. Für Sarah war bereits Nicks Einbruch in den Hotel-Tanzsaal lebensverändernd, für Nick beginnt Sarah erst im Äthiopischen Lager aus der Masse der wohlmeinenden Wohlstandsbürger herauszutreten, und zwar durch ihren nimmermüden Einsatz für zwei von ihm per Triage als aussichtslos definierte Fälle. Um dem Film nicht vorzugreifen, beende ich hier die Nacherzählung. Aber als Zusammenfassung möchte ich noch sagen, dass für mein Empfinden die Lebens-Spirale Sarahs aufwärts verläuft, während Nicks Spirale abwärts verläuft. Daher wird Sarah gleich Orpheus versuchen, Nick aus der "Unterwelt" zu befreien. Und erst am Ende des Films wird klar, wie weit auf dieses Ende bereits von den Episoden davor Schatten voraus geworfen wurden. Für mich ist dies ein äußerst intensiver, schmerzhaft berührender Film, dessen Episoden wie Akte eines Theaterstücks aufeinander aufbauen. Die Entscheidungen Nicks führen ihn (und uns) aus einem sonnendurchgluteten Wüstenlager durch eine tropisch-feuchte Dorf-Station in das hoffnungslos graue Tschetschenien, dessen vereiste Landschaft wiederum seinem Seelenzustand entspricht. Während Clive Owen den Arzt mit beeindruckender Intensität spielt kommt mir Angelina Jolies Sarah etwas zu 'porentief rein' und 'makellos schön' vor. Ihre Schmerzen, Ängste und Hoffnungen habe mich bei weitem nicht so tief berührt wie die von Owens Nick. Weil aber der ganze Film eigentlich Sarahs Geschichte ist, leidet der Film etwas daran, dass Sarahs Darstellung etwas zu oberflächlich bleibt. Diese Figur ist einfach zu 'gut' (körperliche Erscheinung und moralische Makellosigkeit) um wahr zu sein. Beispielsweise kann ich Angelina Jolie die aufräumende Mutter kaum abnehmen. Auch der Ehekonflikt bleibt von Jolies Seite aus blass. Dennoch, da Sarahs Figur vom Skript und von der Film-Atmosphäre her ausreichend getragen wird, bleibt Sarah glaubwürdig. Zudem ist Jolies emotionales Engagement für die Notleidenden deutlich sichtbar und trägt die Figur Sarah in großen Teilen des Films. Das Wichtigste dieses Films ist für mich, die Erinnerung an jene Menschen wach zu halten, die an unserer Statt den Notleidenden der Welt helfen, während wir zu Hause vor dem Fernseher sitzen. Zwar können nicht alle Menschen Entwicklungshelfer oder Ärzte werden, dennoch bin ich allen Menschen dankbar, die diesen Idealismus und Mut aufbringen, ihr Leben in den Dienst am Nächsten zu stellen. Ihre Konflikte und Ängste, ihre Durchhaltekraft und Einsatzbereitschaft werden hier überzeugend dargestellt. Dies ist ein Film für Leute, die nicht nur Unterhaltung suchen, sondern die auch akzeptieren können, dass das Leben normalerweise schwerer zu bewältigen ist als Hollywoods Happy-Ends uns hoffen lassen. Entscheidungen, die wir treffen, können Auswirkungen auf das Leben von vielen anderen haben. Dies ist die sowohl Angst als auch Hoffnung erzeugende Botschaft dieses Films.
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