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19 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Sicherlich eine der besten Bartók-Aufnahmen aller Zeiten!, 29. Oktober 2004
Fritz Reiner, der wegen seines herrischen Charakters gefürchtet war, führte in den 50er-Jahren das Chicago Symphony Orchestra in die absolute Weltspitze. Igor Strawinsky behauptete damals, daß dieses Orchester das rhythmisch präziseste und beste der Welt sei. Daß Strawinsky durchaus nicht übertrieben hat, kann man dieser Aufnahme entnehmen. Sie entstand 1955 und erstaunt immer noch in demselben Maße wie damals. Reiner kannte Bartók noch persönlich und setzte sich für dessen Werk ein. Das "Konzert für Orchester", das zu den meistgespielten Werken des Komponisten gehört, erfährt hier eine ungemein vitale und präzise Interpretation. Jede einzelne der komplizierten Texturen ist gut zu hören, und auch die Tempivorgaben werden strikt eingehalten. Außerdem unterstreicht diese Einspielung nachdrücklich, weshalb speziell die Blechbläserabteilung als Glanzstück des Orchesters galt. Nicht minder souverän werden die solistischen Passagen von den jeweiligen Instrumentalisten dargeboten. Auch die Interpretation der "Musik für Saiteninstrumente, Percussion und Celesta" knüpft nahtlos an das außergewöhnliche Niveau an. Die Interpretationen sind äußerst lebendig geraten, stimmig vorgetragen und zeugen von absoluter Souveränität - sowohl in spieltechnischer als auch in stilistischer Hinsicht. Die kurzen vier Skizzen op. 10 runden dieses überaus gelungene Produkt würdig ab.Fazit: Diese Aufnahme gehört im Sinne der Bartók-Pflege ganz sicher zu den besten Aufnahmen, die jemals von Werken dieses Komponisten gemacht wurden. Die klangliche Aufbereitung ist derart gut gelungen, daß man allenfalls glaubt, eine Aufnahme aus den 80er-Jahren und nicht von 1955 zu hören! Ein großes Kompliment an RCA für eine wirkliche gelungene und überzeugende Zusammenstellung!!
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14 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Bartóks Studienkollege dirigiert, 30. September 2005
Fritz Reiner war Béla Bartóks jüngerer Studienkollege in den Klavierklassen von István Thomán an der Liszt-Akademie in Budapest. Diese Hochschule war offenbar schon eine herausragende musikalische Elite-Schmiede bevor Bartók hier eine Klavier-(nicht Kompositions!-)professur übernahm, die er für fast 30 Jahre bekleiden sollte. Schon in der Zwischenkriegszeit begann eine Auswanderungsbewegung von ungarischen Dirigenten in die USA, wo sie dortige Orchester an die Weltspitze führten. Neben Reiner sei hier nur noch der kongeniale George Szell (zuletzt in Cleveland) genannt. Die freundschaftliche Beziehung Bartóks zu Reiner wurde besonders wichtig in seinen letzten Lebensjahren im unglücklichen amerikanischen Exil, als der schwerkranke Erzeuropäer Bartók überhaupt nur noch schwer zum Komponieren zu bewegen war. Reiner vermittelte Bartók den Kompositionsauftrag der Koussevitzky Foundation für sein "Konzert für Orchester" (1943). Serge Koussevitzky, der das Stück mit "seinem" Boston Symphony Orchester im Dezember des selben Jahres uraufführte, sprach vom "besten Orchesterstück der letzten 25 Jahre". Der außerordentliche Erfolg des Stücks bis heute scheint ihm gewissermaßen recht zu geben. Aus letzter Zeit ist - trotz der Vielzahl von Aufnahmen - wohl nur eine von Höchstrang zu nennen, die Reiners Einspielung von 1955 gegenüberzustellen wäre: Sergiu Celibidaches Aufführung mit den Münchner Philharmonikern (aufgezeichnet in den 1990-Jahren, incl. Probenmitschnitt!). Die Aufnahmequalität ist ebenbürtig-exzellent, obwohl es sich bei der amerikanischen Einspielung um eine der ersten Stereo-Aufnahmen überhaupt handelt (RCA-Victor mit 2 -oder 3? - Mikrophonen, ohne Klangregelung, eine herausragende Pionierleistung)! Auch was die Klangdisziplin der Orchester anbelangt, kann hier von einem ähnlichen Niveau ausgegangen werden. Während man Celibidaches Aufführung in ihrer zelebrierten Breite mehr Wärme und Besinnlichkeit zusprechen muß, pflegt Reiner eine distanziertere Kühle, die sich vielleicht eher von Bartóks gut dokumentiertem Klavierstil ableiten läßt. Sentimentalität oder falsches Pathos ist beiden Aufnahmen fremd. Besonders Reiner läßt - soweit man das überhaupt von einer Interpretation behaupten kann - die Partitur selbst sprechen. Er realisiert mit dem Chicago Symphony Orchestra eine äußerst klare Darstellung voller Vitalität, bei dennoch klassischer Ausgewogenheit. Die agilen Blechbläser läßt er, um Intensitätssteigerungen vorzunehmen, gelegentlich bis an die Grenze des tempo- und dichtemäßig Vertretbaren gehen (z.B. fugierte Fanfare des 1.Satzes). In der "Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta" (1936, aufgenommen 1958) gibt es derlei Limits in der physischen Beweglichkeit des Instrumentariums nicht (keine Bläser). Manche halten dieses Orchesterwerk Bartóks wegen seiner exzessiven Durchproportioniertheit und der zahlreichen Spiegelverhältnisse in seiner Konstruktion für das noch höherstehendere. Analogien zu kristallinen Strukturen drängten sich förmlich auf. All die Tugenden von Reiners hoher Interpretationskunst können wir auch hier beobachten. Eine gleichrangige Alternativ-Interpretation wüßte ich nicht zu nennen. In den auf dieser (SA)CD drittgereihten "Ungarischen Skizzen" zeigt sich Bartók als Schöpfer orchestraler Miniaturen. Es treten romantischere Töne hervor, neben grotesken rhythmusbetonten Charakterbildern ("Bärentanz"). Bartók hat hier "des Geldes wegen" frühe Klavierstücke instrumentiert, als er sich im Jahr 1931 am österreichischen Mondsee aufhielt, und Reiner stellte noch im selben Jahr die Stücke mit dem Philadelphia Orchestra in Amerika vor. Die hier zu hörende Einspielung stammt ebenso aus dem Jahr 1958.Mein Fazit zu dieser (SA)CD: Wer sich für die frühere authetische Bartók-Interpretation interessiert und höchste Interpretations- und Orchesterkultur zu schätzen weiß (bei bestmöglicher Aufnahmetechnik), kommt um diese Aufnahmen nicht umhin!
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11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Wahre Klassiker, 22. Januar 2007
Der aus Ungarn stammende Dirigent Fritz Reiner (1888-1963) leitete das berühmte Chicago Symphony Orchestra von 1953 bis zu seinem Tod im Jahre 1963, und zu dieser Zeit hat die RCA zahlreiche Aufnahmen mit dieser Formation gemacht, die noch heute zu den Klassikern der Schallplatte gezählt werden. Besonderen Rang können die hier wieder vorgelegten Aufnahmen von Bartók-Orchesterstücken beanspruchen, die zwischen 1955 (Konzert) und 1958 entstanden. Fritz Reiner war, ähnlich wie sein Landsmann George Szell, ein unerbittlicher Präzisionsfanatiker, und das kommt den hier eingespielten Werken von Béla Bartók, gleichfalls einem Ungarn, in besonderem Maße zugute. Kein anderer Dirigent verleiht dem 1943 komponierten Konzert für Orchester eine solch atemlose Spannung, unaufhaltsam treibt er sein Spitzenorchester dem Finale entgegen, nur in der Elegia (Take 3) läßt er den gefesselten Hörer kurz Atem schöpfen. Wie er in diesem Satz das Oboenthema über die irrlichternde Begleitung erhebt, das ist einmalig und unwiederholbar und gibt dieser wunderbaren Nachtmusik ein ganz unverwechselbares Gepräge. Das Finale schließlich ist ein einzigartiger rauschhafter Taumel. Ähnlich fesselnd wird auch die "Musik für Streicher, Schlagzeug und Celesta" dargeboten, und die vielleicht nicht ganz so bedeutenden "Hungarian Sketches" runden eine herrliche CD ab, die ohne Abstriche einen Platz im Olymp beanspruchen kann. Reiner erweist sich wahrlich als ein kongenialer Bartók-Interpret. Nur Antal Dorati und Georg Solti (übrigens ebenfalls ungarische Künstler) haben ähnlich überzeugende Darbietungen Bartók'scher Werke auf Tonträger hinterlassen. Ferenc Fricsays diskografische Hinterlassenschaft in Sachen Bartók leidet an den zeitbedingten klanglichen Unzulänglichkeiten, sie konnten nur in Mono eingespielt werden, sonst gehörten sie zweifellos in die gleiche Klasse. Auch Fricsay war - denkwürdiger Zufall - Ungar.
Die Klangqualität der "Living Stereo"-Aufnahmen von RCA war schon bei den originalen LP-Ausgaben überragend; die SACD-Bearbeitung hat diese Wirkung noch einmal beträchtlich gesteigert, so daß selbst Klangfetischisten auf ihre Kosten kommen dürften. Die - leider nur englische - Textbeilage weist keine Mängel auf. Wer die CD nicht schon besitzt, der sollte sie sich schleunigst beschaffen.
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