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12 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
M.E.I.S.T.E.R.W.E.R.K.!!!!!!!!, 7. September 2004
Von Ein Kunde
Selten darf man hierzulande solchen Liedern lauschen. Unsere französischen Nachbarn kennen sowas ja zuhauf. Von Benjamin Biolay zurück zu Serge Gainsbourg geht eine breite Linie der Pop Musik, des Chansons, des zeitlosen Songwritings, der opulenten Arrangements, der grossen Gesten. Wir hier müssen da schon ganz genau hinschauen, bis etwas von solcher Güte hervortritt. Beispiele, die mir einfallen sind "Krug 2 - Ein Hauch von Frühling" von Manfred Krug, wo Marvin Gaye und Heinrich Heine eine perfekte Liason eingehen, und ab sofort "Bossa Nova" von Michel van Dyke, der als Songschreiber die grossen Hits von Echt verfasste, aber als Solokünstler erst über 40 werden musste, um so einen Wurf hinzukriegen. Er bietet hier eine Essenz ewiger Popkunst, die in einer einfachen, anrührenden Sprache verfasst und von leichtfüssigen Mambo Sounds umspielt wird, die zu keiner Zeit ins Easy Listening abgleiten und niemals verraten, dass sie aus einem geschmackvollen 60er Jahre Ton Archiv geliehen und gesampelt wurden. Die Stimmung ist saftig-dunkelrot bis luftig-beige. Mal wie ein beinahe japanischer Herbst, dann wie ein südeuropäischer Spätsommer. Vorgetragen mit einer sanften, sich geschmeidig katzenhaft vortastenden Stimme, die mal schlau, mal verletzlich, mal tröstend klingt. Einmalig! Schmeisst Eure abgenudelten Norah Jones Platten weg und verliebt Euch in Michel van Dyke. Diese Platte lässt Euch nie mehr los!
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9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Bewegend: van Dyke operiert am offenen Herzen, 27. September 2004
„Bossa Nova" ist ein Grundlagenwerk, wie es nur alle paar Jahre in Deutschland erscheint. „Das bin zu 100% ich. Mehr Seele kann ich nicht geben", erklärt Michel van Dyke zu seinem sechsten Album in 17 Jahren. Und es IST Bossa Nova! Die „neue, pfiffige Welle", die in den 60ern von Brasilien aus zum Inbegriff stilsicherer Pop-Eleganz anschwoll, hat diesem Album das musikalische Blut gespendet. Näselnd gleichmütig der Gesang, Rhythmus und Melodie im Wetteifer. Sicher, Brasilien klingt anders. Bei van Dyke trübt kalter, digitaler Nebel die Spielfreude. Die Percussion ist müde, die Stimme belegt; das Klangdekor wirkt abgelebt. Wie passend! Sind es doch Balladen von Mann und Frau und ihrer ewig traurigen Unfähigkeit zur Liebe. „Bossa Nova" ist missverständlich. Empfände Michel seine Kompositionen nicht so berückend authentisch nach, käme das Album hager und steif daher. Oberflächlich behört wird es zur sentimentalen Klage in elf Kapiteln, doch van Dyke ist glücklicher als je. Ein zäher Takt trägt die Stimmung, aber die Texte erhellen, was die Geschlechter verstimmt, gipfelnd in „Liebe so gut es ging" - vollendet auf den Punkt gebracht. Das geht nur mit viel Abstand zum eigenen Liebesunglück. Und Michel van Dyke rekapituliert geduldsam - in offenen, schamlosen Worten, für jedermann nachleidbar. Er gehört zu den großen Songwritern dieses Landes - nicht erst seit seinen Hits, die er für Echt schrieb, aber jetzt seit „Bossa Nova" ganz besonders. Der entscheidende Zauber: Mit zunehmendem Hören wandern Michels Worte wie eine Seele zum Hörer über ... und sein so zarter, schüchterner Bossa ertönt lauter und lauter. Im Zuge immer zahlreicherer Bands mit sturzschönen deutschen Texten nimmt Michel van Dyke eine Sonderrolle ein: die des seelenruhigen Aufrührers. „Bossa Nova" ist ein mutiges Album, gefühlsecht und bittersüß. Und es gehört ab sofort zum Kanon hoher deutscher Popkunst.
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Es gibt mehr als eine Hoffnung für deutschsprachige Musik!, 17. Dezember 2004
Von Ein Kunde
Der niederländische Songwriter und Wahlhamburger Michel van Dyke hat Charme. Abgesehen davon, dass das bis zu seiner wohlwollend beachteten ersten deutschsprachigen Scheibe „Die große Illusion" nur wenige honorierten. Das lag vor allem daran, dass ihn kaum jemand kannte, obwohl er mit Produzenten wie Midge Ure oder Mike Hedges (Manic Street Preachers, Travis, U2) zusammen gearbeitet hat und Filmmusik für "Crazy" und "Anatomie" schrieb. Und nicht nur das. 1991 wurde sein Album „One life" vom britischen Musikmagazin NME in die Top 50 der besten internationalen Veröffentlichungen aufgenommen und 1996 begleitete er Oasis auf ihrer Deutschlandtournee. Damit nicht genug. Mit "Du trägst keine Liebe in Dir" landete er für die Flensburger Jungs von „Echt" nicht nur einen Hit, sondern gewann sogar den „Echo". Scheinbar fernab der öffentlichen Aufmerksamkeit legt der 43-Jährige nun mit „Bossa Nova" sein sechstes Album vor. Hinter diesem Titel verbirgt sich nicht der brasilianische Gesellschaftstanz, sondern vielmehr das entspannt-lässige Lebensgefühl der späten 50er und frühen 60er Jahre. Eine ausschließlich im Nachhinein verehrenswerte Zeit zwischen bodenständig verklemmtem Spießertum und in Fototapeten-Bergidylle verbannte Wohnlandschaftsmodelle. Heute ein weit verbreiteter Einrichtungstrend im Retro-recycelten Loungelook. Deutsches Liedgut mit beschwingt-mäßigem Tempo wird in elf tief emotionalen Chansons, dezenter Perkussion und viel Klavier instrumentiert. Die Zeit der großen Unterhaltungsmusik kehrt in entspannter Wehmutsstimmung wieder - unterbewusst auf Dauer-Repeat. Denn der von Natur aus schwerer zu ertragende deutsche Schlager wird so charmant in ein anschmiegsames Gewand leichtfüßiger Melancholie gehüllt, dass sich zeitlose Gefühle in entspannter Atmosphäre offenbaren können. Kluge und gelassene Worte, die nie zu persönlich werden, mit denen sich der gewillte Hörer aber leicht identifizieren kann, wenn er möchte. Gefühlsbetonte Poesie, die in enger Nachbarschaft mit einem klassischen Schlagerklischee wohnt. Wer "Ich werd' mich mal wieder an den Herbst gewöhnen" zum ersten Mal hört und dabei im Auto sitzt, wenn es gerade wieder einmal regnet, fährt geradezu der Sonne entgegen in das van Dyke-Imperium. Scheibenwischer an und der zarten Intonation des Streichorchesters folgen, da wird der Himmel von alleine wieder hell. Auffallend gut harmonieren Text und musikalische Begleitung bei "Auseinander Gehen" und "Liebe So Gut Es Ging". Elf kleine und große Geschichten in einer ähnlichen Grundstimmung, mit unglücklichen Umständen und in einer pittoresken Situation, verleiten zum genauen Hinhören und Schmunzeln. Stets ungewiss ist ihr Ausgang, aber beschwingt und mit dem Fuße wippend, liegt etwas zuversichtlich-versöhnliches in der Luft. "Kriegenwirschonwiederhin"-Stimmung mit hohem Mitsummfaktor. Und noch etwas: Falls demnächst bei dem ein oder anderen vielleicht eine Nachtschicht ansteht, unbedingt Titel 3 einprogrammieren. Da schläft garantiert keiner ein.
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