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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Grandioses Amerika-Debut, 16. November 2006
Nachdem im Zuge der Entstalinisierung der Eiserne Vorhang die ersten kleinen Löcher erhalten hatte, durfte der legendäre Pianist Svjatoslav Richter im Oktober 1960 sein langersehntes Amerika-Debut geben. Zentrales Werk seines ersten öffentlichen Auftrittes war das zweite Klavierkonzert von Johannes Brahms. Wenige Tage später bot ihm RCA die Möglichkeit, das Konzert mit dem Chicago Symphony Orchestra unter Leitung des seinerzeitigen Chefdirigenten Erich Leinsdorf im Studio aufzunehmen. Es ist eine Aufnahme von seltener Leuchtkraft und umwerfender pianistischer Souveränität geworden, die bis heute - obwohl gerade die Brahms-Konzerte in unzähligen Einspielungen vorliegen - nichts von ihrer Aussage- und Anziehungskraft verloren hat. Die großen Solo-Passagen des Kopfsatzes werden mit einer solchen Leidenschaft und Hingabe gespielt, daß auch die letzten Zweifler an Richters überragender Künstlerpersönlichkeit resigniert die Segel streichen mußten. Der amerikanische Kritiker Benjamin Folkman lobt in seiner Rezension "Richters Kunst, äußerste Klarheit mit einem Farbspektrum zu verbinden, das von den leuchtenden Pastellen eines Monet bis zu den gedämpften Mezzotintos Courbets reicht."
Dem ist nichts hinzuzufügen. Der Aufnahme kommt zusätzlich zugute, daß Erich Leinsdorf den Orchesterpart packend und mit großem Zugriff gestaltet, man könnte glauben, Pianist und Dirigent wären schon lange bekannt und aufeinander eingestimmt gewesen, obwohl sie sich doch erst wenige Tage zuvor kennenlernen konnten. Es gibt wahrlich eine breite Palette hochkarätiger Aufnahmen dieses Konzertes (ich nenne beispielhaft Arrau/Giulini, Rubinstein/Krips, Serkin/Szell, Fleisher/Szell oder auch Gilels/Jochum), aber Richters amerikanischer Einstand von 1960 braucht keinen Vergleich zu scheuen.
In seinen späten Jahren entdeckte Svjatoslav Richter seine Liebe für die selten gespielte Sonate Nr. 1 C-dur von Johannes Brahms, und sie ist in einer packenden Live-Aufführung vom Schleswig-Holstein Festival 1988 dem Konzert beigegeben worden. So vereint sich auf dieser CD der frühe, junge Richter mit dem alten, abgeklärten, der sich aber für dieses erste große Werk des norddeutschen Komponisten eine gehörige Portion jugendlichen Feuers bewahrt hatte. Es gibt von Richter einige Live-Aufzeichnungen dieser Sonate, ich halte die vorliegende, übrigens seine letzte, für die beste und ausgereifteste. Das dreisprachige Textheft ist von guter Qualität. Insgesamt eine herausragende Ausgabe in der neuen RCA-Serie "Classic Library".
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5.0 von 5 Sternen
ideale Lösung, 27. September 2009
Eine Aufnahme, die alle Wünsche an das zwischen 1878 bis 1881 komponierte 2.Klavierkonzert sowie an die hier gekoppelte frühe 1.Klaviersonate (1853) von Johannes Brahms (1833-1897) erfüllt: Sviatoslav Richter, Klavier, Robert LaMarchina, Violoncello, Chicago Symphony Orchestra, Erich Leinsdorf (1960, op.1: 1988). Erich Leinsdorf dirigierte für den ursprünglich vorgesehenen, erkrankten Dir. Fritz Reiner. Die Sitzungen zur Studio-Aufnahme des Klavierkonzertes erfolgten parallel zur ersten spektakulären USA-Tournee Sviatoslav Richters (1915-1997) im Oktober 1960. Richter soll sich sein Klavierspiel autodidaktisch bis zu seinem 22.Lebensjahr beigebracht haben, dann systematisch Klavierunterricht in der Meisterklasse am Moskauer Konservatorium erhalten haben. Bis 1960 hatte sich bereits die Nachricht eines womöglich größten Pianisten der Welt im Westen verbreitet. Als Glücksfall der Discographie dieses Werkes schaffen der elegant spielende Sviatoslav Richter und der behutsam, nirgends unentschieden begleitende Erich Leinsdorf eine Referenzaufnahme, in welcher sich auch das Cello im Andante als quasi kammermusikalische Einlage in hervorragender Balance mit dem Klavierspiel innerhalb dieses sehr sinfonisch angelegten Konzertes verbindet. "Architektur plus Emotion" könnte man sagen und der Beweis dafür, dass das 2.Klavierkonzert weder ganz (spät)romantisch, noch ganz herbe Architektur ist und doch alle Aspekte berücksichtigt werden können. Sviatoslav Richter galt außerdem als einer der größten Interpreten der Brahms'schen Klaviersonaten. Der knapp 3-seitige Text u. die vollst. editorischen Angaben in der RCA-Serie "Classic Library" führen den Hörer gut in die Aufnahmen ein. Wenn es nur eine einzige CD dieses Klavierkonzertes im Regal sein soll, dann kommt diese einer Idealvorstellung einer Interpretation durch alle Beteiligten ziemlich nah [Vergleichsaufnahmen: Pollini, Abbado Klavierkonzert 2; Arrau, Giulini Klavierkonzert 2; Katsaris, Inbal Klavierkonzert 2, Zimerman, Bernstein Klavierkonzert 2 ...].
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