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5.0 von 5 Sternen
Wer klangvolle Orchesterlieder mag, ist hier goldrichtig, 22. Juni 2004
Betrachtet man Joseph Marx als reinen Liederkomponisten, sieht man in Wirklichkeit nur die Spitze eines Eisbergs. Denn der hochgebildete und weltgewandte Tonkünstler aus Graz hat neben seinen rund 150 Liedern nicht nur ein beachtliches Oeuvre im Bereich der Orchester-, Kammer-, Klavier-, Orgel- und Chormusik hinterlassen, er genoß über sehr lange Zeit auch hohes Ansehen als einer der aktivsten Musikfunktionäre, Kompositionslehrer und Musikkritiker der mitteleuropäischen Spätromantik des 20. Jahrhunderts.Dennoch steht außer Frage, daß Marx seine beispiellose Karriere in Wien und seinen internationalen Ruhm ursprünglich dem ungeheuren Erfolg seiner Klavierlieder zu verdanken hatte. Einen Großteil der Lieder, die später von Lotte Lehmann, Ljuba Welitsch, Elisabeth Schumann, Arleen Auger, Hermann Prey und vielen anderen gesungen wurden, schrieb er noch vor seinem 30. Lebensjahr, zur Zeit seiner Promotion an der Grazer Universität zum Doktor der Philosophie. Nichtsdestotrotz offenbart sich hier bereits sein eigener Stil, der von komplexer, farbschillernder Harmonik und einem beeindruckenden Melodienreichtum geprägt ist. Sicherlich stehen seine Lieder denen von Richard Strauss nahe, doch Marx verwendet bereits eine etwas modernere Tonsprache, die oft an Arnold Bax oder an Werke seiner Freunde Franz Schreker und Erich W. Korngold erinnert und bisweilen auch Gemeinsamkeiten mit amerikanischen Komponisten wie Charles M. Loeffler oder europäischen Vertretern wie Vitezlav Novak und Ottorino Respighi erkennen läßt. Auf Anfrage von Künstlern oder Orchestern und sicher auch in der Absicht, die Aufführungshäufigkeit seiner Werke zu erhöhen, arrangierte Joseph Marx ungefähr 20 seiner Lieder mit Orchester- bzw. Streicherbegleitung. In dieser Form wurden sie von Dirigenten wie Nikisch, Alwin, Loewe, von Hausegger, Krauss und Horvat aufgeführt. Dennoch stellen die Orchesterlieder im Gegensatz zu den recht häufig gespielten Klavierliedern geradezu Raritäten dar, die mit Ausnahme des Marienliedes noch nie zuvor auf Tonträger erschienen sind. Taucht man in diese opulente Klangwelt ein, entdeckt man bald, mit welch enormem Gespür Marx die Texte vertont und den häufig sehr anspruchsvollen Klavierpart orchestriert hat. Ohne Zweifel gehören diese Werke zum Schönsten, was Joseph Marx je geschaffen hat. Angeregt durch eine Italienreise, schrieb er seine hinreißende Liedersymphonie "Verklärtes Jahr", die im Februar 1932 unter Robert Heger uraufgeführt wurde und am Ende dieser CD zu hören ist. Mit einer geradezu berauschenden Klangfülle erzählt dieses reife Werk von der Vergänglichkeit und der ständigen Wiederkehr von Schönheit und Harmonie. Dies ist die Musik eines tiefgründigen Lyrikers und sehnsuchtsvollen Optimisten, der seine nie versiegende Daseinsfreude mit anderen teilen möchte. So nimmt Joseph Marx als Mystiker des Glücks zweifellos einen ganz besonderen Platz in der Musikgeschichte ein. Hoffen wir, daß das Label ASV die nächsten CDs dieser Marx-Orchestermusik-Serie schnellstmöglich auf den Markt bringt!
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