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11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
LIVING LOUD - So klingt ehrliche Rockmusik, 23. November 2006
Alleine schon die Namen der beteiligten Musiker perlen einem geradezu von der Zunge: STEVE MORSE (Gitarre, DEEP PURPLE, Ex-DIXIE DREGS), BOB DAISLEY (Bass, Ex-OZZY OSBOURNE, Ex-BLACK SABBATH, Ex-RAINBOW, Ex-DIO etc.), LEE KERSLAKE (Schlagzeug, URIAH HEEP, Ex-OZZY OSBOURNE), DON AIREY (Ex-WHITESNAKE, Ex-GARY MOORE, DEEP PURPLE) und JIMMY BARNES (Gesang). Der einzige Name, der einem alten Rockfreund dabei keine Tränen der Rührung in die Augen treibt ist der des Sängers. Aber das liegt daran, dass dieser bislang fast ausschließlich in seiner Heimat Australien Erfolge feiern konnte. Auf diesem Album beweist er, dass er mit den anderen Herren mithalten kann.
Wer nun erwartet, dass uns diese Meister ihres Fachs ein Album voller neuer Rock-Perlen vorlegen liegt nur halb daneben. Denn immerhin sechs der elf Stücke kennt man bereits. Dabei handelt es sich um Neu-Aufnahmen von alten OZZY OSBOURNE Klassikern (I DON'T KNOW, CRAZY TRAIN, FLYING HIGH AGAIN, MR.CROWLEY, TONIGHT und OVER THE MOUNTAIN). Dabei handelt es sich um Songs der ersten beiden OZZY Solo CDs, denn diese sind zu nicht unerheblichem Teil auch von BOB DAISLEY mitgeschrieben worden.
Man könnte nun mutmaßen, dass es etwas damit zu tun hat, dass OZZY bei den remasterten Versionen seiner frühen Alben einfach hinging und die Spuren von DAISLEY und KERSLAKE einfach löschen und von aktuellen Mitstreitern neu aufnehmen ließ, aber sicher sein kann man da nicht.
Ob es nötig war, diese Songs noch einmal neu einzuspielen, lässt sich schwer entscheiden, denn nur zu gerne hätte man mehr Songs aus der Feder des aktuellen Teams gehört. Auf der anderen Seite sind die Coverversionen so gut, dass man sie auch sehr gerne anhört. Aber auf jeden Fall befinden sich dadurch elf sehr gelungene Songs auf dem Album und das sollte dann doch den Kauf wert sein.
Schon gleich der Opener LAST CHANCE knallt so wunderbar rockend aus den Boxen, dass man sich wundert, dass diese Band nicht schon seit Jahren zusammenspielt. So wunderbar tight groovend und beschwingt rollend und dazu die wunderbar kreischende Stimme von JIMMY BARNES - superb.
Der Mann kann röhren - das stellt er auch sofort bei der ersten OZZY-Coverversion klar. I DON'T KNOW klang selten so druckvoll (klar, das Original ist mehr als 20 Jahre alt) und der Gesang passt wie die Faust aufs Auge - auch hier die Höchstnote.
Und damit hat man auch schon das erste Problem, denn anschließend kommt eine Ballade, die das Wort Gänsehaut komplett neu definiert und in jedem Lexikon als Paradebeispiel angeführt werden sollte: EVERY MOMENT A LIFETIME ist einfach zum niederknien und heulen schön. Eins Plus mit Sternchen.
Danach tritt der Zuhörer die Reise auf OZZYs altem CRAZY TRAIN an. Ein weiteres Werk, dass durch die Neuaufnahme noch einmal hinzugewinnt (auch wenn das schwer vorstellbar scheint). Und auch hier nimmt man BARNES ab, dass er gerade den Verstand verliert.
IN THE NAME OF GOD wird wunderbar getragen von einer Akustikgitarre und leichten arabischen Anleihen. In dem Song geht es darum, dass sich die Menschheit noch im Namen Gottes gegenseitig ausrotten wird (und jeder wird dabei glauben, er stehe auf der richtigen Seite, welche Ironie). Ein absolut fantastischer Song.
Nun zurück zu dem guten alten OZZY: FLYING HIGH AGAIN knüpft da an, wo CRAZY TRAIN aufgehört hat. Astrein vorgetragen und mit besserem Sound als das Original. Und wahrscheinlich fände es RANDY RHOADS auch nicht so schlimm, dass STEVE MORSE sein Solo ein wenig abgewandelt hat und kleine Varianten in der Rhythmus-Arbeit hinlegt.
Wenn man nun ein wenig pingelig sein möchte, könnte man sagen, dass PUSHED ME TOO HARD ein durchschnittlich guter Song ist. Aber das ist Jammern auf besonders hohem Niveau. Denn das entscheidende Attribut ist in diesem Fall nicht durchschnittlich sondern eben gut.
Es folgt dann MR. CROWLEY, das mit einem wunderbaren Hammond-Orgel-Intro beginnt und auch sonst ein paar kleinere Tempo-Variationen erfährt. Zudem wird die Stimme von BARNES verzerrt, was dem Song eine bedrohlichere Stimmung verleiht. Aber vielleicht ist das auch damit ein wenig näher an der eigentlichen Intention (immerhin wurde OZZY OSBOURNE nach Erscheinen des Songs ja vorgeworfen, er glorifiziere den Satanisten Crowley).
Daran schließt mit TONIGHT einer der weniger bekannten OZZY-Songs an. Eine schöne Halb-Ballade, aber sicherlich die Coverversion auf die ich am besten hätte verzichten können. Nicht schlecht sicher, aber da wäre ein eigener Song besser gekommen.
Denn im Anschluss verwöhnen LIVING LOUD wieder mit etwas Eigenem. WALK AWAY ist im Mid-Tempo gehalten und erinnert im Riffing leicht (sehr leicht) an LED ZEPPELINs KASHMIR. Ein schöner kleiner Rock-Song.
Zum Abschluss wird dann noch einmal der gute alte OZZY zitiert. OVER THE MOUNTAIN ist (wieder einmal) eine sehr gelungen Version geworden. Aber das darf ja bei diesen Musikern auch niemanden verwundern.
Als Bonus gibt es sogar noch das Video zu IN THE NAME OF GOD, das die Thematik des Songs in emotionale Bilder umzusetzen weiß. Leider wird so etwas bei der heutigen Generation von MTV und VIVA-Anhängern auf kaum Gegenliebe stoßen, denn das sind ja nur ein paar alternde Herren, die vom Weltfrieden singen und kein SIDO, FLER oder BUSHIDO, die in ihren Videos halbnackte Frauen rumhüpfen lassen und diese dann als Schlampen, Huren oder Bitches bezeichnen. So viel zum Stand des Musik-Fernsehens.
Insgesamt gesehen ist LIVING LOUD ein perfektes Rock-Album, das bei keinem Fan des Hardrock in der Sammlung fehlen sollte, denn was die Herren im fortgeschrittenen Alter hier zusammenspielen dürfte bei vielen Nachwuchsmusikern zu einem resignierten Weglegen der Instrumente führen. Solche Alben kommen leider viel zu selten raus.
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