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4.0 von 5 Sternen
SEASON 9 : FÜR SICH GENOMMEN EINE NEUE SERIE !!!, 12. Oktober 2005
Langlebige Serien haben ein grundsätzliches Problem : Irgendwann ist ein gewisser Übersättigungsgrad erreicht. Manche Serien erreichen diesen Punkt nach fünf, die meisten nach sieben Jahren. Auch bei „Akte X" war im Jahr Sieben weitestgehend die Luft raus. Viele Lückenfüller mit uninspirierten oder unglaublich aufgesetzten bis enttäuschenden Plots („Sternenlicht") zogen sich durch die gesamte Staffel - von ein paar Ausnahmen einmal abgesehen. Doch vor allem der sichtlich gelangweilte David Duchovny zerstörte viel vom Flair der Serie. Nach dessen Ausstieg erfand sich „Akte X" im Jahr Acht quasi neu. Die frischen Charakteren, allen voran Robert Patrick als John Doggett und Annabeth Gish als Monica Reyes, sowie die vielen interessanten Geschichten sorgten für neuen Schwung. Die wenigen Auftritte von Duchovny verbreiteten jedoch Unmut unter den Fans, sodass sein Totalausstieg im Jahr Neun zum entgültigen Einsturz der Einschaltquoten führte. Doch gerade die finale Season macht die X-Akten wieder interessant. Vielleicht hätte Chris Carter seine Serie unter neuem Namen, wenn nicht sogar als Spin-Off („The New X-Files") vermarkten sollen. Dann hätte das durch und durch schwache Ende („Die Wahrheit") einer der einflussreichsten Serien aller Zeiten vermieden werden können. EINBLICKE : SEASON 9 Dem Konzept einer neuen Serie trägt die neunte Staffel bereits im neu erstellten Vorspann Rechnung : vier Hauptcharaktere (Gillian Anderson, Robert Patrick, Annabeth Gish und Mitch Pileggi) sind mit von der Partie - soviel wie nie zuvor in der Geschichte der „Akte X". Die erste Doppelfolge („Unter Wasser", „Adam und Eva") versteht sich zudem als Pilotfilm, wird doch die Abteilung der X-Akten, die nun von Doggett und Reyes geleitet wird, dem Zuschauer einmal mehr vorgestellt. Mit dabei : Lucy „Xena" Lawless als Supersoldatin und Cary Elwes als Assistant Director Brad Follmer ! Bemerkenswert ist auch die Episode „Der Schattenmann". Die Inszenierung des Beinahezusammentreffens von Scully mit Mulder (natürlich ohne David Duchovny) ist äußerst spannend und bringt die Serienmythologie wieder ein Stück voran. Der von Terry O'Quinn gespielte „Schattenmann" lässt Raum für Spekulationen, denn der Darsteller war bereits in seiner Rolle als Peter Watts fester Bestandteil der Spin-Off-Serie „Millennium". Ob es sich letztendlich um die gleiche Figur gehandelt hat bleibt offen. Ebenfalls spekulativ war O'Quinns Kurzauftritt im „Akte X" - Kinofilm von 1998. War er bereits damals ein unsterblicher Supersoldat ? Vielleicht hätte Chris Carter beide Serien entgültig verschmelzen und die abgeflaute Verschwörungsthematik mit den Intrigen der Millennium-Gruppe anreichern sollen. Eine Rückkehr von Lance Henriksen als Frank Black hätte „Akte X" retten können ! Leider gab es nur zwei offizielle Seriencrossover : „Die Phantasien des Jose Chung" (Millennium, Season 2) und „Millennium" (Akte X, Season 7). Chris Carters letztmaliger Regiebeitrag ist die witzig-intelligente Episode „Sechs und Neun", in welcher ein gut aufgelegter Burt Reynolds einen unvergleichlichen Auftritt als 'Mr.Burt' (Gott !!!) absolviert. Seasonhighlight ist die nahezu mysteryfreie Folge „Erlösung" in welcher John Doggett endlich den Mord an seinem Sohn aufklären kann. Das genial konstruierte Handlungsgerüst mit zahlreichen Verdächtigen wartet mit einem absolut unvorhersehbaren Ende auf ! Zu den starken Einzelepisoden der Staffel zählen außerdem „4-D" und „Zum Wohle des Kindes". Das 90-minütige Finale („Die Wahrheit") ist hingegen die große Enttäuschung. Die lang erwartete Rückkehr von David Duchovny (schauspielerisch wieder einmal unter aller Kanone) rettet den schwachen Plot, der die gesamte Mythologie mit zahllosen Rückblenden zu entwirren versucht, zu keinem Zeitpunkt. Mulder steht wegen Mordes vor Gericht und versucht zusammen mit nahezu allen bekannten Gastcharakteren der vergangenen neun Jahre die Regierungsverschwörung aufzudecken. Letztendlich bleiben wieder viele Fragen und somit auch das Ende offen, Mulder und Scully sind auf der Flucht und die Spuren der Verschwörung wurden wieder einmal beseitigt. Alles in allem ein äußerst unbefriedigendes Finale ! Interessant ist jedoch die alternativ anwählbare Endsequenz, welche die Beteiligung des Präsidenten (George W.Bush !) an der Verschwörung offen legt. FEHLERHAFT : DAS NEUE AMARAY-BOX-SET Die Neuauflage der Akte X-DVD-Boxen wird in so genannten Amaray-Verpackungen ausgeliefert, die kaum größer als die Hülle eines VHS-Kaufvideos sind. In die Halterungen der Box passen jedoch nur sechs der sieben Disks, sodass die letzte DVD in einer schlichten Papphülle dazu gepackt werden musste. Allerdings ist diese „Billigausgabe" rund zwei Drittel preiswerter als das ursprüngliche, weitaus edler gestaltete Digipack. Schlichtweg ungenügend ist die technische Qualität der DVD-Pressung. Während die Episoden allesamt störungsfrei im 16:9 Widescreen-Bildformat laufen, sind das unruhige Bild und die permanent grobkörnige Auflösung zu bemängeln. Auch soundtechnisch wird in der finalen Season nur 2.0 Stereo-Surround-Sound geboten. Das ist insbesondere deshalb enttäuschend, da die mittlerweile drei Jahre alten Spielfilmauskopplungen „Deep Water", „Göttliche Vorhersehung" und „Die Wahrheit" auf DVD im kinoreifen 5.1 Tonformat veröffentlicht wurden. Zudem enthielten die Einzelscheiben neben der deutschen und der englischen Tonspur wahlweise auch noch die italienische und die französische Sprachfassung. Bei den Extras, die auf insgesamt zwei DVDs verteilt wurden, gibt es zudem diverse Probleme bei der Anwahl und dem Abspielen einiger Dokumentationen und Bonusmaterialien. Je nach Fabrikat des eigenen DVD-Players werden entweder verzerrte Bilder oder Tonstörungen generiert. Bei einigen Extras, z.B. bei den Trailern, verweigern einige Modelle der Firmen Denver, Samsung, Yukai oder Cyberhome vollständig die Zusammenarbeit. Leider beschränken sich diese Fehler nicht nur auf diese DVD-Box, sondern tauchen auch bei anderen Akte X-DVD-Produkten aus der Firma Fox Home Entertainment regelmäßig auf. Ein weiteres Ärgernis ist die beiliegende Broschüre, die bei einem Großteil der Neuauflage als Fehldruck beigelegt wurde. So fehlt u.a. die Inhaltsübersicht der Disk 2, der Episodenüberblick über die Staffeln 2 bis 5 und eine der Seiten wurde doppelt eingeheftet. NEUE DVD-PRODUKTE In den USA ist die Vermarktung von „Akte X" auf DVD noch nicht am Ende. Mittlerweile erscheint dort mit „The X-Files Mythology : Super Soldiers" das letzte 4er-Disk-Box-Set, welches sich zusammen mit den vorangegangenen drei Teilen „Abduction", „Black Oil" und „Colonization" ausschließlich den Mythologie-Episoden widmet. Ein deutscher Release der 60 Episoden ist derzeit nicht geplant. FAZIT In Anbetracht recht gut funktionierender Mythologie- und Einzelepisoden mit innovativen Erzählsträngen („4-D"), kurzweiligem Slapstick („Sechs und Neun") und unvorhersehbaren Ereignissen („Erlösung") ist es mehr als bedauerlich, dass „Akte X" mit einem äußerst schwachen Finale („Die Wahrheit") den Quotentod sterben musste. Sowohl Gillian Anderson als auch Robert Patrick und Annabeth Gish überzeugen mit überdurchschnittlichen Leistungen, die das Fehlen von David Duchovny mehr als nur ausgleichen. Ob ein neuer Kinofilm die Abenteuer von Mulder, Scully, Doggett und Reyes weiterführen wird bleibt ungewiss, immerhin sind bereits über drei Jahre seit der Einstellung der Serie verstrichen. Wer nach dem Ende der X-Akten Lust auf mehr Mystery hat, sollte sich unbedingt die drei „Millennium"-Staffeln besorgen und nach den „Einsamen Schützen" Ausschau halten, dem einzigen „Akte X"- Ableger, in welchem sogar Fox Mulder einen Gastauftritt hatte !
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