Aus der Amazon.de-Redaktion
Sie ist schon eine erstaunliche Künstlerin; hellwach der Blick, blitzgescheit ihre Antworten, präzise pointiert ihre Diktion. Hélène Grimaud: Pianistin mit deutschen, afrikanischen und französischen Wurzeln, italienischem Einschlag und einem amerikanischen Wohnsitz. Ein leicht exzentrisches Programm hat sie sich für ihre Debüt-CD bei der Deutschen Grammophon herausgepickt. Beethovens "Chorfantasie" steht da neben Arvo Pärts "Credo" von 1968; zwei Werke, die einander entsprechen, wie Hélène Grimaud meint. Dazu kommen noch Beethovens "Sturm"-Sonate und eine "Fantasia on an Ostinato" von John Corigliano, ein Stück, das dieser 1985 für den Van-Clifburn-Wettbewerb schrieb.
Es ist schon erstaunlich, wie wenig Physis und Anschlagkultur bei einem Pianisten zusammenhängen können. Denn Grimauds körperliche Zartheit steht im hellen Kontrast zu ihrem geradezu ungestümen kraftvollen Zugriff. Sie versteht es, mit geradezu widerborstigem Charme die Töne regelrecht hervorzuknallen und gegen den Strich zu bürsten und dabei Klanggewalten zu entfesseln, die besonders den Ton in Beethoven "Sturm"-Sonate treffen. Ihr Pedaleinsatz ist dabei geschickt kalkuliert, keine Chance also für melodramatische "Klangwolken", auch nicht in Beethovens "Chorfantasie".
Gerade diesem Werk, das recht schlicht-plakativ daherkommt, verleiht ihre Interpretation noch eine gewisse Größe. Sie ist eben eine Virtuosin von Format, keine, die in Selbstgefälligkeit und Eitelkeit erstickt. Dass zeigt sich auch in Arvo Pärts "Credo", wo sie sich nicht als Solistin, sondern nur als weiteres Mitglied versteht in einem Ensemble (schwedisches Rundfunkorchester- und Chor), das sich unter Esa Pekka-Salonen in Höchstform zeigt. --Teresa Pieschacón Raphael
Die Pianistin Hélène Grimaud stammt aus Aix-en-Provence, lebt seit 1991 in den USA und arbeitet mit den berühmtesten Orchestern und Dirigenten. Ihre erste CD - eingespielt mit dem Schwedischen Radiosinfonieorchester unter Esa-Pekka Salonen - besticht durch eine aparte Zusammenstellung wohlklingender Moderne (Corigliano, Pärt) und gutverdaulicher Klassik. Besonders Beethovens seinerzeit hastig aufs Papier geworfene Chorfantasie - sie steht wegen ihrer schlichten Thematik nicht in höchstem Ansehen - interpretiert Grimaud mit kraftvoller Grazie und jener Prise Improvisation, die einen Blick in die Werkstatt des Meisters zu gestatten scheint. Und Arvo Pärts titelgebendes "Credo" ist ein krasser Zusammenprall von tonaler und atonaler Musik, in dem das Klavier unter Grimauds geschickten Händen ständig Bachs berühmtestes Präludium zitiert. (jn)