Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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39 von 42 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Scheinbar disparates Programm, gekonnt zusammengeführt, 14. Dezember 2003
Zwei Dinge an dieser CD sind erstaunlich. Zum einen ist da die äußerst kurze Zeit zwischen Aufnahme und Veröffentlichung (2 Monate); zum anderen das Programm. Für die erste Einspielung der französischen Pianistin für ihr neues Plattenlabel hatten viele eine wesentlich konventionellere Zusammenstellung erwartet. Welchen Zusammenhang gibt es nun zwischen der „Fantasia on an ostinato" von Corigliano, der Sturm-Sonate sowie der Choral-Fantasie von Beethoven und dem „Credo" von Pärt? Hélène Grimaud und auch die Deutsche Grammophon sind hier zweifellos ein künstlerisches Wagnis eingegangen - schon beim ersten Hören zeigt sich jedoch, dass sich dieses gelohnt hat. Es ist kaum zu erklären, aber die Übergänge zwischen den einzelnen Stücken wirken derart natürlich - beispielsweise zwischen dem Corigliano und der Beethoven-Sonate - dass anfängliche Zweifel schnell schwinden. Natürlich könnte man theoretisierend anführen, dass die „Fantasia on an ostinato" auf einem Thema aus Beethovens 7. Sinfonie beruht und sowohl die Choralfantasie als auch das „Credo" Stücke für Chor, Orchester und Klavier sind - dennoch gehen die organischen Übergänge über solch akademische Feinheiten hinaus und stellen der in Amerika lebenden Künstlerin ein ausgezeichnetes Zeugnis aus. Emotionale Intensität und absolute Überzeugung von ihrem eingeschlagenen Weg waren immer schon die Markenzeichen des Klavierspiels von Hélène Grimaud, was sich am besten in ihren bisherigen Brahms- und Beethoven-Interpretationen widerspiegelte. Mit der klanglich hervorragend kontrollierten, versponnen-nüchternen Einspielung des ursprünglich für den Van Cliburn-Wettbewerb komponierten Stückes von John Corigliano erweist sie sich auch als überzeugende Anwältin zeitgenössischen Repertoires; hier steht sie der gleichfalls hervorragenden Interpretation Ragna Schirmers (Berlin Classics) nicht nach. - Einschränkungen sind in geringem Umfang bei der Klaviersonate op. 31 Nr. 2 zu machen, bei der die Anzahl hervorragender Vergleichseinspielungen naturgemäß erdrückend ist. Pollini (DG), Gilels (DG), Brendel (Philips) oder Gulda (Decca/Amadeo) haben Maßstabsetzendes hinterlassen, wogegen Grimauds Interpretation teils etwas oberflächlich daherkommt. Bekanntermaßen nimmt die Pianistin Stücke zuerst auf, bevor sie sie öfters im Konzert gespielt hat - hier hätte eine umgekehrte Vorgehensweise einem Reifeprozeß der Interpretation sichtlich gutgetan. - Die Chorfantasie Beethovens hingegen liegt ihrer engagierten und energiegeladenen Spielweise und wirkt frischer als etwa Brendels schon etwas ältere Aufnahme (Philips) oder die im Vergleich zu kühl wirkende Einspielung Kissins (DG); Grimaud findet hier eine exzellente Balance zwischen Naivität und Pathos. Äußerst gelungen ist auch hier wieder der Übergang zum hymnischen Anfang des „Credo", welches auf dem ersten Präludium des „Wohltemperierten Klaviers" von Bach basiert und dieses auf interessante Art und Weise mit seriellen Kompositionstechniken kombiniert. Auch wenn der Klavierpart hier mehr obligate als solistische Funktion erfüllt, fügt sich die Französin gut in das engagiert und präzise auftretende Orchester und den Chor ein. Schließlich erklingt dann noch einmal das C-Dur-Präludium Bachs in der Originalfassung - ein künstlerisch und interpretatorisch überzeugender Abschluss dieser CD. Die Klangqualität ist - obwohl es sich bei den letzten beiden Stücken um Live-Aufnahmen handelt (3./4.9.2003) - sehr gut; das Beiheft enthält einen stellenweise bemüht wirkenden Artikel aus der Feder der Pianistin sowie ein interessantes Interview mit derselben. - Man kann hoffen, dass Hélène Grimaud uns in Zukunft mit ähnlichen innovativen und gelungenen Einspielungen erfreut!
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9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Unbedingt empfehlenswert, 24. November 2004
Von Ein Kunde
Grimauds Stil ist einfach gut, die Werksauswahl auf der CD interessant, vor allem in der Zusammenstellung weicht sie erfreulicherweise vom 08/15-Mainstream ab.Beethovens Choralphantasie gehört zwar nicht zu des Meisters besten Werken und andererseits ist seine Sonate op. 17/3 bereits in unzähligen anderen Einspielungen zu hören. Doch was sollen Pianisten denn noch aufnehmen, wenn bereits bekannte "Hits" oder unbekanntere Sachen? Die "Reißer" gibt's bereits in genügender Anzahl und die "zweitrangigen" Meisterwerke sind zu schlecht für eine CD. Also, schließen wir den Laden und nehmen nichts mehr auf! Dann brauchen wir auch keine Pianisten mehr, setzen uns vor den Kaminofen, öffnen ein Fläschchen Bordeaux, schieben Richter und Gilels rein, ergötzen uns am doppelseitigen Geknister und erinnern uns mit gramumwölkter Faltenstirn an die gute alte Zeit, die leider nicht mehr wieder kommen wird. Arvo Pärt ist einer der interessantesten modernen Komponisten. Immer wieder gibt es Leute, die seine Kirchenmusik mit Messiaen Werken vergleichen wollen. Da werden Äpfel mit Apfelschimmeln verglichen. Wenn jemand mit Messiaens Musik mehr anfangen kann, als mit Pärts Werken, dann kann allerdings Frau Grimaud nichts dafür - ich verzichte in solchen Fällen auf den Kauf des Tonträgers und anerkenne die unterschiedlichen Geschmäcker, die es gottlob gibt. Helene Grimaud gehört zu den Besten Ihrer Zunft und darf in einem Atemzug mit Clara Haskil und Martha Argerich genannt werden. Die CD ist unbedingt empfehlenswert
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Leidenschaft und Form, 7. August 2007
Helene Grimaud ist eine hochbegabte, Pianistin auch, aber letztlich ist die Kunst diejenige, das Leben zu meistern.Zitat:"Ich mache keinen Unterschied zwischen meinen Aktivitäten, sei es das Klavierspielen, die Beschäftigung mit den Wölfen oder das Schreiben. Alle dienen mit Nuancen ein und derselben Aussage: Der Leidenschaft zu existieren. Dem Wunsch zu verzaubern. Sich einem schöneren und mächtigeren Universum zu verschreiben als dem Unglück. Unsere Aufgabe als Menschen ist es, Gelegenheiten der Liebe und des Enthusiasmus zu erschaffen."
Daraus ist diese eigen-willige Kombination entstanden.Sie gibt in einen Interview dazu Auskunft.Musik als Ausdruck der Liebe,als Tor zur Transcendenz. Grimaud ringt mit sich und hat genug Energie, ein Konzept durchzusetzen, das nicht Hörerwartungen bedient, und weitere Aufnahmen bekannter Werke bringt. Die Chor-Fantasie Beethovens ist ein Nebenwerk, das Stück von Corigliano und Pärt sind weitgehend unbekannt. Das ein label Geld verdienen will und dann diese Künstlerin doch vermarktet, ist ein unaufhebbares Paradoxon.
Die Interpretation der Chorfantasie ist voller Leidenschaft und gibt dem Werk damit eine Bedeutung,die in ihm steckt, aber durch heruntergespielte Interpretationen verdeckt bleiben kann, weil es so "schlicht" erscheint. Dieses seltsames Werk war Beethoven 1808 sicher eine Herzensangelegenheit, und genau deswegen spielt die Grimaud dieses Werk.
Die Interpretation der berühmten d-moll Sonate op. 31 Nr. 2 gelingt der Grimaud weniger.Die lyrischen Teile treten gegenüber den dramatischen ein wenig in den Hintergrund,starke Betonung der linken Hand dunkelt das Werk ein. Da gibt es bessere Interpretationen( aus neuerer Zeit Pollini z.B.)
Die Werke von Corigliano und speziell von Pärt sind Bestandteil des Anliegens der Grimaud. Mindestens von Pärt kenne ich eindrucksvollere Stücke ( nicht nur das bekannte tabula rasa).
Man darf gespannt sein,ob sie die hier eingeschlagene künstlerische Linie durchhalten wird.Die für August 2007 geplante Veröffentlichung kann da skeptisch stimmen.
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