Aus der Amazon.de-Redaktion
Dass Nina Hagen sich nicht einfach vor eine Big Band stellt und ausgewogen Broadway-Melodien intoniert, erwartet wohl niemand. Warum sie es mit dem Album
Big Band Explosion überhaupt tut, ist eine Frage für sich. Nur weil alle Welt, von Rainhard Fendrich bis Rod Stewart, im Schellack-Archiv der Großeltern blättert, ist ja noch kein überzeugendes Argument. Zumal die meisten Werke, je nach Temperament, auch nur bedingt überzeugen. Ein Nina-Hagen-Abend live mit der Leipzig BigBand lässt sich noch gut und recht amüsant vorstellen, auch ein oder zwei schräg gezwitscherte Evergreens.
An welche Zielgruppe hat Frau Hagen bei diesem Album gedacht? Nina-Fans werden sich schon bei "Let Me Entertain You" verwirrt am Kopf kratzen, der extrem forcierte "Sugar Blues" mag sie nochmal versöhnen. Für echte Bigband-Fans sind ihre überzogenen Interpretationen von "Rhythm And Romance" oder "Over The Rainbow" eher schlechte Persiflagen, und wer etwas richtig Schräges sucht, dem bleibt allenfalls noch das Duett (mit Lucas Alexander) "Let's Call The Whole Thing Off", weil hier die gesangliche Frotzelei vom Thema her noch funktioniert.
Die amerikanischen Songbook-Perlen vertragen, falls man sie nicht gerade heraus singt, rein kompositorisch gesehen nur leise, ironische Untertöne. Und das war noch nie Nina Hagens Sache. Ganz klar, sie überfährt wie immer jeden und übernimmt die Führung. Doch erstaunlicherweise ist die Leipzig Bigband so souverän, dass sie nicht aus dem Konzept kommt. Ganz im Gegensatz zum Zuhörer, der vielleicht aus anderen Gründen explodiert. --Ingeborg Schober
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