Aus der Amazon.de-Redaktion
Auch auf
Ritmo Caliente, seiner zweiten Einspielung für das Concord-Label, bringt Eddie Palmieri sein Piano so richtig zum Brüllen. Dabei gibt der siebenfache Grammy-Preisträger jedoch auf der Klaviatur nur die Skizze all jener Melodien und dissonanten Akkorde preis, mit denen er seit über 30 Jahren afrokaribische Musik in ein reiches Spektrum an Jazz-Tönen überführt hat.
Palmieri ist wie eine lebendige Synthese aus Harlem und Puerto Rico, Palladium und kubanischem Bigband-Feeling. Sieben der elf Tracks sind Eigenkompositionen. Und zu den zehn bis 14 Musikern, die Palmieri im Studio versammelt hat, gehören der Posaunist Conrad Herwig, die Flötistin Karen Joseph, die für einen frischen Hauch von Charanga sorgt, der Trompeter John Walsh, der bereits im Orchester von Tito Puente brillierte, und Sänger Herman Olivera, der als talentierter Improvisator zu den großen Nachwuchs-Soneros zählt.
Was dieses Album auszeichnet, ist zur einen Hälfte pure Tanzmusik: Salsa mit reichlich Pfefferschoten und einer Prise Mambo mit ausgeklügelten Jazz-Harmonien. In der anderen Hälfte blickt Palmieri auf die Descargas zurück -- jene kubanischen Jam-Sessions, die Ende der 50er-Jahre zwischen Havanna und New York in ein perkussives Feuerwerk mündeten. In dieser Spielart gehen nicht nur die Blues-Akkorde von "Grandpa Semi-Tone Blues" wunderbar auf, sondern sogar auch eine Komposition von Johann Sebastian Bach. "Bach goes Batá" ist hier gewissermaßen Programm. Denn wie Palmieri zeigt, vertragen sich die heiligen Trommeln der afrokubanischen Kulte bestens mit den Fugen des Barockmusikers und einem Streichquartett. Doch auch der getragene, instrumentale Bolero "Tema para Renée" hat es in sich. Nach einem dramatischen Pianosolo wechselt der Clave-Beat in einen Swing, die Congas gehen elegant in einem "Walking Bass" auf. Ein Meisterwerk! --Roman Rhode