|
|
59 von 62 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
DS9 - Die außergewöhnlichste Star Trek - Serie, 6. Februar 2003
Von Ein Kunde
Das DVD- Boxset zu Deep Space Nine startet im Gegensatz zu The Next Generation gleich von Season 1 ab mit dem überragenden 5.1 Sound. Nummer 1 - 16 Stunden Science Fiction höchster Klasse - startet mit 20 Folgen auf 6 DVDs und bietet zudem umfangreiches Bonusmaterial - eine Schatztruhe für Star Trek- Fans! Weit über eine Stunde lang geht's um den Start der Serie, detailliert um den Charakter der Kira Nerys, Michaels Westmores Außerirdische in Season 1, Quarks Bar und vieles mehr.Mitte 1992 startete die Produktion der ersten Star Trek- Serie nach dem Tod Gene Roddenberrys. DS9 ist die Schöpfung von Michael Piller und Rick Berman, der bereits in Star Trek- The Next Generation die rechte Hand des ausführenden Produzenten und Star Trek- Erfinders Roddenberry war. Von Beginn an war klar, dass eine neue Serie, wenn sie sich mit dem Quotengiganten TNG überschneiden soll, nicht ebenfalls auf einem Raumschiff spielen würde Anstelle einer Einengung der kreativen Möglichkeiten erfuhr das Star Trek- Universum jedoch eine faszinierende Ausdehnung! Als offener Raumhafen wird die Station Deep Space Nine Zeuge eines Kommens und Gehens von so vielen Mitgliedern außerirdischer Rassen - und jedes davon bringt eine eigene Geschichte, eine eigene Kultur, neuen Konfliktstoff mit sich. Deep Space Nine wird fangerecht durch die Verbindungen zu TNG eingeleitet: Commander Benjamin Sisko, der seine Frau bei der Schlacht mit den Borg bei Wolf 359 verloren hat, soll, zunächst gegen seinen Willen, das Kommando der Station übernehmen. In der Pilotfolge „Emissary" („Der Abgesandte") wird er von Captain Picard auf der Enterprise auf seine Mission verabschiedet. Mit der schwierigen zwischenmenschlichen Situation der beiden (Sisko beschuldigt Picard indirekt, für den Tod seiner Frau mit verantwortlich gewesen zu sein) zeigt sich dem Zuschauer bereits, dass Sisko eine autoritäre Figur mit Eigendynamik ist - kein Mitläufer. Und auch mehr Elemente verbinden die beiden Serien miteinander, so z.B. Colm Meaney, dessen kleine Nebenrolle des Miles O'Brien von früher ihn nun zu einem der Hauptdarsteller gemacht hat. Es gibt auch schon in der ersten Season ein Wiedersehen mit den Klingonenschwestern Lursa und B'Tor („Past Prologue" - „Die Khon-Ma"), Lwaxana Troi („The Forsaken" - „Persönlichkeiten") und auch mit Q und Vash („Q-Less" - „Q unerwünscht"). Die erste Season steht bereits auf erstaunlich hohem Level und kommt ohne große Ausfälle aus. „Emissary" („Der Abgesandte") ist der bislang beste Pilotfilm einer Trek- Serie und taucht fantastisch in die Atmosphäre des neuen Abenteuers ein. Die Sternenflottenoffiziere sind weit weg von ihrer Heimat, in der „Wildnis", wie Doctor Bashir es gegenüber Major Kira ausdrückt und diese damit in Rage versetzt, weil er sich auf das verwüstete Bajor bezieht, wo er ab sofort stationiert ist, das aber Kiras Heimat ist. Der Pilotfilm taucht bereits schön in die mystische Welt der Bajoraner ein, in die bunte Vielfalt an Außerirdischen, die auf DS9 leben, in die Unordnung und Dunkelheit, der die neue Crew sich gegenübersieht. Es ist nicht alles so glatt geschliffen wie bei TNG, als Gene Roddenberry die Charaktere noch so geschrieben hatte, dass zwischen ihnen keine Reibereien entstehen, da sie alle sich an den Sternenflottenkodex halten müssen. Eben solche Offiziere treffen hier auf völlig anders gewichtete Werte: Da ist Quark, der Ferengi-Geschäftsmann ohne Moral und seine Hassliebe zu Odo, dem Formwandler, der für Ordnung sorgt, aber keine Gesetze über sich sieht, sondern höhere Werte. Und es gibt Major Kira, die Bajoranerin, die ihre eigenen Richtlinien hat und am Liebsten selbst für Recht und Ordnung sorgt. In „Past Prologue" ("Die Khon-Ma") wird Kira mit ihrer Vergangenheit in einer bajoranischen Widerstandszelle konfrontiert. Das schwierige Thema Rassismus wird in „A Man Alone" („Unter Veradacht") behandelt, als sich ein Aufstand gegen Odo entwickelt, weil er eines Mordes beschuldigt wird. „Captive Pursuit" („Tosk, der Gejagte") bringt die ersten Besucher aus dem Gamma-Quadranten an Bord, nachdem im Pilotfilm das Wurmloch zum dorthin entdeckt wurde. Dieser Aspekt weitet die Möglichkeiten der Serie enorm aus und bereits hier werden die Konflikte mit Bräuchen von Kulturen vom anderen Ende der Galaxie deutlich. In „Dax" („Der Fall `Dax'") wird die Natur der Trill, denen Jadzia Dax angehört, beleuchtet. Der jahrhundertealte Symbiont steht in Symbiose mit wechselnden Wirten. Darf die junge Jadzia nun mit verantwortlich gemacht werden für Taten, die vor ihrer Zeit geschahen, nur, weil sie jetzt die Wirtin des Symbionten ist? „The Passenger" („Der Parasit") führt den Zuschauer in Odos Konflikt mit den Prinzipien der Sternenflotte ein; in „Vortex" („Der Steinwandler") wird zum ersten Mal deutlich, dass die Fährte seines Ursprungs durchs Wurmloch führt. In weiteren Seasons wird dies immer wieder aufgegriffen - und für solche Handlungsfäden, die sich kontinuierlich durch die Serie ziehen, steht DS9: kein Festklammern an sog. „Stand-Alone"- Folgen mehr. „The Nagus" („Die Nachfolge") vertieft die Einblicke in die Welt der Ferengi und bringt auch Quarks Bruder Rom und den Großen Nagus der Ferengi, Zek, mit ins Spiel. Die Vielfalt von DS9 hält Platz frei für solche Nebencharaktere, die immer wieder auftauchen. „The Storyteller" („Die Legende von Dal'Rok") setzt dem sich über Jahre entwickelnden Verhältnis zwischen Bashir und O'Brien einen Anfang; „Progress" („Mulliboks Mond") präsentiert die emotionale Seite der Kira Nerys. „In The Hands of The Prophets" ("Blasphemie") macht den Konflikt zwischen dem religiösen Leben der Bajoraner und Politik und Wissenschaft noch mal um einiges schärfer als der Pilotfilm. Die stärkste Folge in Season 1 stellt „Duet" („Der undurchschaubare Maritza") dar: Maritza, ein cardassianischer Kriegsverbrecher kommt zum entsetzen Kiras an Bord. Er hatte im Krieg unzähligen Mitgliedern ihres Volkes Angst, Schrecken und Tod gebracht. Doch ihr Hass wandelt sich zu Mitgefühl, als sich rausstellt, dass er nur ein einfacher und unschuldiger Mann ist, der sich als Maritza ausgegeben hat, weil er die Gräueltaten seines eigenen Volkes psychisch nicht ertragen konnte. Gerade, als Kira ihm sehr nahe kommt, wird er kaltblütig von einem Bajoraner erstochen - nur, weil er Cardassianer ist. Von solchen scheinbar unüberbrückbaren Lücken zwischen Völkern ist Deep Space Nine geprägt, von zerfallenden Imperien, „kalten" Kriegen, unterdrückten Völkern. Und hierbei finden wir so viele Symbole für die Menschheit zu Beginn des 21. Jahrhunderts: Star Trek ist nicht nur eine Vision für die Zukunft, sondern auch ein Spiegel für uns heute - Deep Space Nine unter den Trek- Ablegern ganz besonders. DS9 ist eine sehr menschliche Star Trek Serie mit Hass und Reibereien, aber auch Sinn für Familie mit Siskos starker Bindung zu seinem Sohn Jake, O'Briens Ehefrau Keiko an Bord der Station, Quarks gesamten Familienclan und Odos Sehnsucht nach zu Hause. Jede der Figuren besitzt auch eine dunkle Seite - und jeder der Charaktere entwickelt sich in außergewöhnlich starker Weise im Verlauf der Serie - ein ganz starkes Konzept!!
|