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3.0 von 5 Sternen
Ungefähre, weiße Landschaft, 28. November 2009
Instrumentaler Ambient, der Landschaft sein soll. Der Wildcamper und Alaska-Versteher John Luther Adams schreibt (häufig) harmonisch einfache, aus sich überlagernden Patterns oder Liegeklängen bestehende Klangbänder, die unvermittelt anfangen und aufhören. Adams Stücke sind nicht mit jenen von Reich oder Riley zu verwechseln - seine Entwürfe treiben nicht nach vorne, sind keine urbanen Energiestrudel. Der Grund für seine Affinität zum kältesten Bundesstaat sei "the richness of silence". Adams ist auf der Suche nach einer "ecology of music", was dann häufig zu "clouds of sound" führt (Kyle Gann: "His melodies are graceful yet impersonal..."). Die drei Ensemble-Stücke auf diesem Tonträger - allesamt in der der nahezu selben Besetzung (so "The Farthest Place" für Violine, Vibraphone, Marimba, Klavier und Kontrabass) - ergeben jeweils ein sanftes Kontinuum, das nach mindestens zehn Spielern klingt. Man kann es sich darin bequem machen als Hörer, auch Thom Yorke von Radiohead findet so etwas gut, und der bekannte Musikkritiker des "New Yorker", Alex Ross, hat einen Narren an diesem sehr sympathischen Herrn mit dem Vollbart gefressen. "Seine Kompositionen entbehren expressiver musikalischer Rhetorik und haben oft eine beträchtliche Länge", schreibt Sabine Feißt in MusikTexte (Ausgabe 91), und erstaunlich ist auch für mich, dass die Kargheit der Landschaft, die "kalbenden Gletscher" ihn beflügeln können. Bei Peter Maxwell Davies auf Hoy konnte ich das noch nachvollziehen: Die Wellen, die gegen Gestein brechen, die Stürme. Aber Stille? Träume in Weiß? Folkloristisch ist Adams Musik, das versteht sich von selbst, an keiner Stelle, nicht einmal im Ansatz. Mir fällt es trotz eifrigen Bemühens schwer, meine Aufmerksamkeit auf diese Stücke zu fokussieren, nicht abzuschweifen, es nicht als angenehmen Background abzutun. Mag sein, dass ich mir die falsche CD von ihm ausgesucht habe, immerhin bleibt bleiben zwei Werke deutlich unter zwanzig Minuten, nur eines ist unnötigerweise halbstündig. Vor acht Jahren bin ich an "Earth and the Great Weather" gescheitert, ich war nicht bereit für diese überdimensionierte, brodelnde Bewegungslosigkeit. Heute bin ich es, wie ich erstaunt feststellen muss, immer noch nicht, dabei müsste ich einiges gelernt haben in der Zwischenzeit. Für mich nur: Akustische Raumbeduftung, Klangmobiliar. Nicht reizlos, aber unverzaubert stelle ich die Scheibe ins Regal zurück.
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