|
|
4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Beste Honegger-Interpretation die ich kenne, 18. September 2004
Der Schweizer Arthur Honegger ist mein Lieblingskomponist. Die Synthese aus moderner und trotzdem emotionsreicher Musik hat mich fasziniert ,seit ich vor 5 Jahren sein Hauptwerk "Jeanne d'arc au bucher" gehört habe.Inzwischen besitze ich eine ansehnliche CD-Sammlung des in seiner Entwicklung vom optimistischen,radikalen Komponisten der 20-er Jahre zum ebenso radikalen, aber hoffnungslos pessimistischen Komponisten P.Hindemith nicht unähnlichen Künstlers.Unter dieser Sammlung ragt diese CD deutlich heraus. Die Interpretation der Symphonie liturgique, ohnehin eines meiner beiden Lieblingswerke Honeggers der Osloer Philharmoniker, von Jansons zu einem herausragenden Klangkörper geschult,verblüfft vom gehetzten und angstvoll wirkenden Beginn der 1945 geschriebenen Symphonie an. Vor allem beim tröstenden Schluss,nachdem vorher eine Hoffnungslosigkeit herrschte,die ihresgleichen sonst nur bei Schostakowitsch findet.Dieses hauchzarte Violin-Solo, dieses in seiner schlichten Schönheit direkt ins Herz zielende Piccolo-Solo, bevor eine leise Dissonanz das Werk beschließt...einfach unglaublich !!! Auch der letzte, verspielte Satz der Streichersymphonie, der an Schwierigkeit für das aus Streichern und Trompeten, die erst in den letzten Takten mitmischen,bestehende Orchester eigentlich kein Gegenstück hat, und die enormen rhythmischen Schwierigkeiten im faszinierenden "Pacific 231" werden scheinbar mühelos bewältigt.Dies alles macht diese CD zu einem Juwel. Auch die Interpretation verschiedener Werke Kurt Weills der Berliner Philharmoniker sind phantastisch.Der leicht kernige Streicherklang des traditionsreichen Ensembles eignet sich sehr gut für ein Werk wie die 2. Symphonie,das eigentlich nur wenig mit dem Weill gemein hat ,den wir von der Dreigroschenoper kennen.Sie ist eine Synthese aus Klassik und Moderne, obwohl die Instrumentation eigentlich mehr an eine Brahms-Symphonie erinnert: Keinerlei Schlagwerk,nur Pauken... Trotzdem ist die 2. ein sehr eigenständiges Werk. Vielmehr an den "typischen Weill" erinnert da die Mahagonny-Suite, die auf einem Text von Brecht basiert, der beißend den Sittenverfall der damaligen Zeit thematisiert. Dementsprechend beißend ist die Musik, es finden sich auch immer häufiger Song-Elemente. Eine ganz eigene Stimmung besitzt das Violinkonzert, toll gespielt von F.P. Zimmermann, mal eigenartig-grotesk,mal sogar fast lyrisch. Alles in allem also ein wahrer Juwel auf dem CD-Markt, für Honegger/Weill-Liebhaber, sowie Einsteiger, die eine ganz eigene Musik kennenlernen wollen.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich?
|
|
|
|