|
47 von 51 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Leider nur fünf Episoden, 2. Mai 2003
"Night on Earth" erzählt fünf Episoden, die etwa zur gleichen Zeit in fünf verschiedenen Ländern stattfinden. Die einzelnen Geschichten sind in sich abgeschlossen und hängen nicht miteinander zusammen. Lediglich die Rahmenhandlung ist immer dieselbe: Ein Taxifahrer nimmt in der Nacht/Dämmerung einen Gast/mehrere Gäste auf und die Geschichte nimmt ihren Lauf...Episode Nummer 1 spielt in Los Angeles. Die Geschichte beginnt am Business-Terminal des Flughafens wo eine genervte Casting-Agentin in das Taxi eines burschikosen, gleichzeitig rauchenden und kaugummikauenden Mädchens mit zu großer Sonnenbrille steigt, welche hier zuvor zwei total berauschte Rockmusiker abgesetzt hat. Um beim Fahren überhaupt etwas von der Straße sehen zu können, sitzt das Mädchen auf einem dicken Telefonbuch. Zunächst ist die Agentin mehr mit Ihren Telefonaten beschäftigt. Sie muss dringend Rolle besetzen. Im Laufe der Fahrt wird der Casting-Agentin klar, dass das Mädchen die Idealbesetzung ist... Episode Nummer 2 spielt in New York und erzählt die Fahrt mit dem ersten Fahrgast eines DDR-Auswanderers, der sich hier seine Brötchen als Taxifahrer verdienen möchte. Die Geschichte beginnt mit einem Rapper, der laut fluchend am Straßenrand steht: Kein Taxifahrer möchte ihn nach Brooklyn fahren. Schließlich hält doch ein Taxi, d.h. es kommt vielmehr angehüpft - es ist unser "Ossi". Der Rapper steigt ein und wundert sich über den eigenartigen Fahrstil des Fahrers, der offensichtlich nicht mit dem Automatik-Getriebe umgehen kann. Er versucht immer mit der Bremse zu kuppeln, so dass der Wagen mehr oder weniger über die Straße hüpft. Nach kurzem hin und her ("I drive and you ride, OK?") tauschen die beiden die Rollen. Der Fahrer (jetzt Beifahrer), kaum der englischen Sprache mächtig und, wie sich später herausstellt, ein Clown, macht so eine tragisch-komische Figur, dass der Rapper sich ständig kaputtlachen muss. Während der Fahrt schaut der Eingewanderte immer wieder überwältigt aus dem Fenster auf die Wolkenkratzer, wiederholt die gerade abgehörten "Vokabeln" (größtenteils Schimpfworte) und wirkt dabei so verdammt verloren, dass man Heulen könnte... Episode Nummer 3 spielt im schlafenden Paris. Es ist tiefe Nacht, als ein schwarzer Taxifahrer ein paar angeheiterte Männer aufnimmt. Die offensichtlich gut situierten Fahrgäste beginnen Witze über die Herkunft ihres Fahrers zu machen. Der Taxifahrer lässt sich das nicht gefallen und schmeißt die überraschten Männer sofort raus. Eine blinde Frau fährt mit ihm weiter. Zunächst weiß der Fahrer nicht wie er sich verhalten soll, und stellt irgendwann ungeschickte Fragen. Die Fähigkeiten der Blinden faszinieren den Fahrer so sehr, dass er "wie ein Blinder" Auto fährt... Episode Nummer 4 - der Brüller schlechthin - spielt in Rom. In den Straßen ist absolut nichts los. Nur ein Taxi rast durch die verlassenen Gassen - teilweise in entgegengesetzter Richtung durch enge Einbahnstraßen. Der hektische Taxifahrer hat sich anscheindend schon tagsüber ans Lenkrad gesetzt, denn er trägt immer noch eine Sonnenbrille. Er singt Opern und redet wirres Zeug. Schließlich kommt er an einen Platz wo ein älterer Priester in herwinkt. Nachdem der Priester im Wagen sitzt labert der Fahrer ihn sprichwörtlich tot... Episode Nummer 5 spielt in Helsinki. Es ist die Geschichte von einem Taxifahrer, der einen Haufen betrunkener Männer nach Hause bringt. Einer ist wie leblos. Seine Kumpel erzählen dem Fahrer, dass er seinen Job verloren hat, seine Frau fremdgeht und dass er deswegen seine Abfindung versoffen hat. Anschließend erzählt der Fahrer seinen Gästen, was wirkliches Leid ist... Jede der Episoden steckt voller Details, die auf eine hervorragende Beobachtungsgabe, Menschen- und Trendkenntnis des Drehbuchautors schließen lassen. So war es z.B. in New York zum Zeitpunkt des Drehs bei Rappern wohl üblich, besonders coole Kopfbedeckungen zu tragen. Dies wurde in die entpsrechende Episode mit eingeflochten. Darüber hinaus profitiert der Film davon, dass keine der Episoden synchronisiert ist. Zum einen wird in dem Slang bzw. Dialekt des jeweiligen Ortes gesprochen, was zu einer authentischen Wirkung der Episoden beiträgt. Was wäre die Episode im Rom ohne das rasend schnell gesprochene Italienisch des Fahrers... Zum anderen kommen Wortspiele vor, die für die jeweilige Geschichte sehr wichtig sind und die man niemals übersetzen könnte. So machen z.B. die Männer in dem Taxi des Schwarzen darüber Witze, dass sich "Ivoirien" - so nennt man in Frankreich einen Menschen von der Elfenbeinküste - genauso anhört wie "y voit rien" - was so viel heißt wie "nichts sehen". Die großartige Musik zwischen den Episoden ist von Tom Waits. Kein Zweifel: Der Film hat 5 Sterne verdient.
|