Aus der Amazon.de-Redaktion
Es war das am häufigsten gehörte, die meisten euphorischen Gefühle auslösende "Babdada" der Popsaison: "Wir trafen uns in einem Garten" war der unerwartete, in seiner nonchalanten Bescheidenheit schlicht gigantische Hit, mit dem Thommy Eckhardt und Inga Humpe mit ihrem Projekt 2raumwohnung die Herzen der Charts-Republik eroberten. Und sie haben gerade mal ein Jahr und einen langen, klangforschenden Mittelmeer-Urlaub benötigt, um mit
In Wirklich einen würdigen Nachfolger präsentieren zu können.
Dabei ist es gar nicht einmal der allzu kalkuliert scheinende "Dübdüdüb"-Anfang des tumben Disco-Stampfers "Mathematik", mit dem 2raumwohnung der Anschluss an das großartige erste Album gelingt. Mit seinen fantasielosen Soundgimmicks und einem dazu passenden, äußerst spannungsarmen Text markiert dieser Track sogar die Schwachstelle einer Platte, die sich ansonsten höchst filigran der Zusammenführung von elektronischer Welt und deutschem Popsong widmet.
Mit ihren minimalistisch arrangierten, manchmal kühl elektronisch klingenden und dann wieder in der Wärme einer Gitarre (gespielt von Maximilian Hecker) aufblühenden Songs schlagen 2raumwohnung mühelos den Bogen von ihrer NDW-Vergangenheit (Neonbabies, Andreas Dorau) bis zur elektronischen Gegenwart, die Inga Humpe mit ihrem Projekt Bamby und Thommy Eckhardt mit zahllosen Remixes geprägt haben.
Bezeichnend ist da ein Lied wie "Die Schwere", mit dem sich Inga Humpe ganz der schwärmerischen Liebe hingibt und doch die Qual nicht vergisst, während ihre Träume auf einer entschlummernden Drum-Machine und sanften Akkorden dahin gleiten. Oder der clevere Hit "Ich und Elaine", der ganz lustvoll die Moralvorstellungen hinterfragt und dabei sehr sexy ist. In wirklich zeigt eine Band auf dem Weg zum Pop-Dauerbrenner ohne dass sie dafür ihre alten Konzepte kopieren müsste. --Björn Döring
INTRO
Heute ist einer der besten Tage, um die neue 2Raumwohnung-CD "In Wirklich' zu besprechen. Denn es ist schon seit Tagen eine Tropenhitze in Berlin, auch nachts um halb vier noch, und man möchte sich wirklich am liebsten, wie es in dem Info steht, mit seinen Freunden auf die schwarze Couch werfen und das Stück hören, das gegen ein halbes Leben plädiert: "Wirklich Sein'. "Wenn du wirklich bist, dann sagst du nein, zu allem, was dir die Luft abdreht.' Aber gegen ein halbes Leben plädieren ja sowieso alle Songs auf dieser CD, und das auf eine ganz angenehme Weise. Inga Humpe hat so eine tolle Art zu singen, so sanft und doch nachdrücklich, wobei "sanft' wahrscheinlich das falsche Wort ist. Es ist halt so eine eher müde als heitere Weisheit enthalten, die aber schon wieder lange beim Heiter angekommen ist. Aber was weiß ich, ich höre es einfach gerne. Es ist so eine Hitze und flirrende Freude und Bewegung und Direktheit in den Songs. Aber eine Direktheit, die nicht verschreckt, sondern auch ankommt beim Gegenüber. Die Songs sind vielleicht nicht so Hundertzwanzigprozent hittig, wie auf dem letzten Album, aber der Hitfaktor ist still there. Die Songs leben davon, dass die Fröhlichkeit und Aufbruchenergie noch weiß, dass sie einen Weg zurückgelegt hat, und sind auch teilweise sehr langsam. Aber alles so sinnlich und sexy. Hm. Da möchte man echt reinbeißen, auch die Texte sind einfach und tief zugleich. Und haben immer klar umrissene Themen, die dann aber wieder ins Allgemeine lappen. So dass sie dem Lebensmosaik immer wieder ein neues Steinchen hinzufügen. "Weil Es Liebe Ist' - besser kann ein Liebeslied gar nicht sein. "Mathematik' - mit den tollen Zeilen: "Alles bloß kein Geiz, sich verschwenden jederzeit, das bringt Spannung und Sinn, eine Frage der Energien.' Ja, genau. Auch musikalisch schaffen sie die Melange aus tanzbar und Pop und Songwriting. Und so ein herzliches Lied über eine Mädchenfreundschaft wie "Ich Und Elaine' muss man auch erst mal schreiben - und fühlen - können. Eine Platte, die einen dazu bringt, Literatur und das Leben - und vor allem sich selbst - wieder zu lieben. Und man hofft, das Gefühl hält an, wenn der Herbst kommt. Aber dann kann man ja auch immer noch 2Raumwohnung hören.
Kerstin Grether / Intro - Musik & so
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