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Im Verdi-Jahr 2001 widmete sich Riccardo Chailly mit dem Orchestra Sinfonica e Coro di Milano Giuseppe Verdi den hinterlassenen, sonst nie zu hörenden geistlichen Werken des Jubilars (
Messa Solenne). Nun ist es Gioachino Rossini, dessen Werkstatt Chailly auf der Suche nach Raritäten ausgefegt hat; er förderte dabei über eine Stunde unterhaltsame Musik zu Tage, die aus unterschiedlichen Gründen sonst niemals gespielt wird: Sieben der insgesamt elf Nummern wurden für diese CD zum ersten Mal aufgenommen.
Besonders reizvoll sind drei Ballett-Einlagesätze für die Opern Guillaume Tell und Le Siège de Corinthe -- sie wurden für die französischen Fassungen der Werke komponiert, um dann nie oder höchstens einmal zu erklingen. Oper blieb in jenen Tagen, besonders im Blick auf verschiedene Spielorte, immer "work in progress". Das belegt eindrucksvoll auch die aus der Not geborene Ouvertüre zu Robert Bruce: Nachdem sich Rossini 1829 bereits in recht jungen Jahren von der Opernkomposition zurückgezogen hatte, versuchten andere, zum Zwecke der Herstellung "neuer" erfolgreicher Rossini-Opern das bestehende Material in den Dienst neuer Libretti zu stellen. Die vorliegende Ouvertüre bezieht ihre musikalische Substanz Pasticcio-artig aus drei originalen Rossini-Opern. Wie aus einem Guss klingt die geschickte Kombination und bereichert damit das reiche Repertoire der spektakulären Rossini-Ouvertüren um ein weiteres Exemplar.
Unter den drei Gesangssolisten dieser CD sticht die Sopranistin Laura Giordano durch ihre Qualität hervor: Sie brilliert in der Hymne "De l'Italie et de la France", komponiert 1825 zum Namenstag König Charles' X, mit ihrer klaren und beweglichen Stimme. --Michael Wersin