Aus der Amazon.de-Redaktion
Underworld haben in vieler Hinsicht Pionierarbeit für die Technoszene geleistet. Seit Anfang der 90er-Jahre ihr epochales Debütalbum
Dubnobasswithmyheadman erschien, sind sie so fest etabliert, dass sie mit dem neuen
A Hundred Days Off nun eigentlich nichts mehr beweisen müssen. Ihnen ist eine Bereicherung des Dance-Sektors zu verdanken, und sie haben das Genre fast im Alleingang aus düsteren Clubs in die Live-Arena geholt. Sie verbanden Gitarren mit Techno und hatten mit "Born Slippy Nuxx" nebenbei sogar einen Mainstream-Hit.
Nach drei Jahren ohne Veröffentlichung, in denen DJ Darren Emerson, ein langjähriges Mitglied, sich von Underworld trennte, sind die restlichen Mitglieder Karl Hyde und Rick Smith wieder da und klingen gut gelaunt wie nie zuvor. Auf ihrem lange erwarteten Album A Hundred Days Off ist nichts mehr von der bedrohlichen, technisch kalten Atmosphäre zu spüren, die auf dem Vorgängerwerk Beaucoup Fish dominierte. Stattdessen herrscht eine Art unbeschwerte Karnevalsstimmung vor, geprägt von wilder Live-Percussion und wellenartig wiederkehrenden Keyboard-Loops.
Los geht es allerdings verträumt-psychedelisch: Auf dem faszinierenden "Mo Move" singt Hyde wie beiläufig: "I dream that I'm chemical"; Percussion bildet einen fließenden Hintergrund; der Beat wird intensiver und ebbt wieder ab. Die surrealen Texte setzen sich auf der ersten Single fort, dem temperamentvollen, neun Minuten langen "Two Months Off" -- diesmal wiederholt Hyde die Zeile: "You bring light in"; musikalisch ist der Track aber mit seinen hypnotischen, vielschichtigen Rhythmen und Effekten wie geschaffen für die Tanzfläche.
Es gibt auch ruhigere Momente wie das locker-funkige "Solar System" und das lethargische "Trim", dessen Folkblues-Flair etwas an Mobys Play erinnert. A Hundred Days Off trägt zwar von Anfang bis Ende unverkennbar die Handschrift von Underworld, ist aber eindeutig deren heiterstes Werk bisher und strahlt durchweg positive Stimmung aus. --Christopher Barrett
Mit "Born slippy" waren Underworld endgültig bigger than life. Jeder hörte den Song, doch kaum jemand fand gut, was Karl Hyde und Rick Smith machten. Warum eigentlich? War doch interessant, harten Techno mit klaren Songstrukturen zu mischen. Vielleicht waren Underworld immer zu gut. Vielleicht ist auch die vierte CD "A hundred Days off" zu gut, die sanften Beats auf "Ballet Lane", die verlorenen Gitarren auf "Ess Gee", die wahnwitzigen Vocals auf "Dinosaur Adventure 3D". Manchmal meint man, dass sich in den sechs Jahren seit "Second toughest of the Infants" doch etwas entwickelt haben müsste. Manchmal meint man, dass es einige Technorock-Bands gibt, die besser sind als Underworld. Und manchmal meint man, dass "A Hundred Days off" eine sehr, sehr gute CD ist. (fis)