Aus der Amazon.de-Redaktion
Man lasse sich nicht durch den Titel dieser CD verwirren: Weder unter den hier vertretenen Komponisten noch unter den Interpreten finden sich Amateure! Die hervorragend disponierte Mezzosopranistin Bernarda Fink und ihr Klavierbegleiter Roger Vignoles bieten vielmehr einen Einblick in das spanische und argentinische Klavierlied-Repertoire. Diese Musik ist gegenüber dem deutschen, französischen oder englischen Kunstlied sicher immer noch ein wenig unterrepräsentiert, was hinsichtlich der Qualität der Stücke allerdings nicht zu rechtfertigen ist. Roger Vignoles tritt mit seinem ausführlichen und kompetenten Einführungstext offenbar in die Fußstapfen des in seinen CD-Beiheften auch immer sehr eloquenten Graham Johnson -- ein Gewinn für den Hörer ist das allemal.
Enrique Granados' Zyklus Canciones amatorias, dem die CD ihren Namen verdankt, ist eine sowohl harmonisch als auch melodisch höchst ansprechende Liedersammlung, die Bernarda Fink gleich am Anfang Gelegenheit gibt, ihren großen Stimmumfang und das Spektrum ihrer Ausdrucksmöglichkeiten zu präsentieren. Hält man ihre Schumann- oder Gluck-Interpretation daneben, so offenbart sich doch eine erstaunliche Vielseitigkeit dieser Sängerin. Gegenüber dem weitaus bekannteren Granados-Zyklus La maja dolorosa, der auch enthalten ist, stellen die Canciones amatorias übrigens eine ausgesprochen willkommene Bereicherung des Repertoires dar.
Neben weiteren spanischen Gesängen von Joaquin Rodrigo und Joaquin Nin sind besonders auch die Lieder aus Bernarda Finks Heimat Argentinien sehr hörenswert: Carlos Guastavino und Alberto Ginastera tauchen in Konzerten eher selten auf, aber ihre Klavierlieder, die selbstverständlich die hispanische Herkunft ihrer musikalischen Tradition keineswegs verleugnen und entsprechend teilweise vom Gitarrenklang-Ideal sowie von typischen modalen Wendungen geprägt sind, erfahren zu Recht die liebevolle Aufmerksamkeit der beiden prominenten Interpreten. Ginasteras Zyklus Cinco Canciones Populares Argentinas hat in der Vergangenheit allerdings schon einmal einen besseren Interpreten gefunden: Der Tenor Raul Gimenez vermochte in seiner -- leider vergriffenen -- Aufnahme des Zyklus' seine stählerne Stimme besser zu bündeln und den Stücken auf diese Weise mehr Stringenz zu verleihen. --Michael Wersin