|
|
7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
"Alles stirbt!", 8. April 2006
Mit der 4. Staffel testeten die Produzenten von "Akte X" die Grenzen des Möglichen aus. Das ganz in schwarz und rot gehaltene Cover der DVD-Box verrät bereits einige Eigenheiten dieser Staffel; nie war "Akte X" gewalttätiger und düsterer, die Stimmung verfinstert sich im Lauf der 24 Folgen gravierend und das Motto, das dem Staffelauftakt "Herrenvolk" im Vorspann voransteht ("Everything dies") könnte als Beschreibung der gesamten Staffel dienen. Die "Monster der Woche" gehören zu den denkwürdigsten der gesamten Serie: Der unheimliche Serienmörder in "Unruhe", das auf klassische jüdische Folklore basierende "Der Golem", der zeitreisende Wissenschaftler in "Rückkehr aus der Zukunft" und natürlich die abartige Familie Peacock in der in vielen Ländern zensierten Episode "Blutschande" bleiben lange im Gedächtnis. Dazu kommt die Geschichte in "Die Sammlung" um einen Serienmörder, der für die Entführung von Mulders Schwester verantwortlich sein könnte, und der aus Krebsgeschwüren bestehende "Leonard Betts". Nur wenige Folgen sind von durchschnittlicher Qualität und nur eine ist absolut überflüssig ("Hexensabbat").Wie schon in der 2. Staffel verbinden sich einige Episoden in der zweiten Hälfte der 4. Staffel zu einem Handlungsbogen, dessen Ursprünge in Scullys Entführung zu suchen sind, Scullys Krebserkrankung. Diese Handlung, die in "Memento Mori", "Todes-Omen" und dem Staffelfinale "Gethsemane" am deutlichsten verarbeitet wird, entwickelt sich zu einem bedeutenden Teil der "Akte-X"-Mythologie, die ansonsten mit den beiden Doppelfolgen "Tunguska" und "Tempus Fugit" eher beiläufig weiterentwickelt wird. Tatsächlich tauchen in "Tunguska", das Experimente mit dem schwarzen Öl behandelt, die ersten Anschlußfehler auf, allerdings sind diese Episoden immer noch spannend und unterhaltsam genug, um diese Probleme zu überdecken. Der unheilsschwangeren Atmosphäre gemäß beschränkt sich das Genre der "Akte-X"-Komödie auf eine einzige Episode, "Ein unbedeutender Niemand" von Vince Gilligan mit Autor Darin Morgan in einer Hauptrolle! Als Ausgleich für die fehlende Komik gibt es dafür einige gewagte Erzählexperimente, insbesondere "Gedanken eines geheimnisvollen Rauchers" um die (mögliche) Hintergrundgeschichte des "Krebskandidaten". Die Serie entwickelte sich auch hier noch weiter und erfand verschiedene Möglichkeiten, um mittlerweile altbekannte Geschichten auf erfrischende Weise zu erzählen. Duchovny und Anderson sind auch in der 4. Staffel immer noch brillant und letztere liefert im Handlungsbogen um Scullys Krebs eine ergreifende Vorstellung. Allmählich ist nun aber erkennbar, daß die UFO-Verschwörung doch in Gefahr gerät, sich in den zahllosen Details und Entwicklungen zu verheddern. Wenn auch die Probleme erst in den folgenden Staffeln zu sehen waren, so entstanden sie doch hauptsächlich hier. Die Mythologie macht zwar immer noch viel Spaß, ist spannend und immer unterhaltsam, es fallen aber doch einige Schwachstellen in der Geschichte auf. Gerettet wird diese Staffel aber auf jeden Fall durch die unbeschreiblich düstere Atmosphäre und die fabelhaften Schauspieler. Die Autoren Chris Carter und Frank Spotnitz, Glen Morgan und James Wong, Howard Gordon, Vince Gilligan und John Shiban schafften es zudem, immer wieder ihr Publikum zu überraschen. Wie schon in den ersten Staffel-Boxen gibt es auch hier wieder zahlreiche Extras zu bestaunen, wenn auch die tollen Chris-Carter-Interviews hier nicht mehr zu finden sind. Neben der obligatorischen Dokumentation finden sich hier kurze Interviews mit Carter, Vince Gilligan und James Wong über jeweils eine Episode, Kommentare zu den Spezialeffekten, geschnittene Szenen und die üblichen Werbespots zu jeder Episode. Auch die 4. Staffel ist uneingeschränkt zu empfehlen, wenn auch nicht immer für schwache Gemüter. Wenn am Ende von "Gethsemane" der (eher ungeschickte) Cliffhanger um Mulders "Selbstmord" und Scullys akutem Gesundheitszustand die Staffel beendet, dann wirkt dies beinahe schon wie das Ende der Serie. Nie waren die Helden näher an der Wahrheit, nie zuvor aber auch näher am Tod.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich?
|
|
|
|