Auch die nach
Jenseits der Stille sowie
Pünktchen und Anton dritte Zusammenarbeit zwischen der Regisseurin Caroline Link und dem Komponisten Niki Reiser ist wieder ein Genuss. Einmal mehr verschmelzen ihre einfühlsame Verfilmung und sein stimmungsvoller Score zu einer beeindruckenden Einheit. Diesmal bietet der Schweizer eine fantastische Fusion aus europäischer Klassik und afrikanischer Folklore!
Grundlage für den 140-minütigen Streifen bildet Stefanie Zweigs autobiografischer Roman Nirgendwo In Afrika. Er spielt im Jahr 1938 und schildert die Emigration der deutsch-jüdischen Familie Redlich aus Breslau nach Kenia. Die Autorin erzählt von Menschen, die aus behüteten mitteleuropäischen Verhältnissen kommen und an den Herausforderungen wachsen, welche ihnen das Schicksal auferlegt. Über das Liebes-/Familiendrama war Cinema voll des Lobes und urteilte: "Fernab vom Postkarten-Kitsch à la Jenseits von Afrika oder Ich träumte von Afrika entfaltet Link ein ausdruckstarkes, realistisches Bild vom Leben in der Fremde. Ein Heimatfilm, der in zwei Welten spielt, aber nur eine Sehnsucht kennt". Ideale Voraussetzungen für Niki Reiser, der dafür bekannt ist, ebenso sensible wie bewegende Scores zu kreieren.
Er, der am Berklee College Of Music in Boston studiert sowie Kurse bei Ennio Morricone (Spiel mir das Lied vom Tod) und Jerry Goldsmith (Mulan) belegt hat, dürfte dieser Auftrag besonders viel Spaß gemacht haben. Reiser ist nämlich Flötist in der Klezmerformation Kol Simcha, hat also allein schon wegen dieser Beschäftigung ein Gefühl für jüdische Musik. Doch explizit kommt diese während der fast 57 Minuten nicht zum Ausdruck. Es gibt vielmehr genau das zu hören, was das Thema des Drehbuches erfordert: Eine Melange zwischen zwei Musik-Kulturen! Auf der einen Seite die europäische, von dem Sinfonieorchester Basel gespielte; auf der anderen die afrikanische, folkloristische, perkussive, chorale. Vor allem dann, wenn Reiser Elemente beider Stile miteinander verschmilzt, entsteht höchst faszinierende Weltmusik.
Besondere Akzente in dieser Fusion setzen Sängerin Sandra Vontobel, die Perkussionisten Magatte Ndiaye, Luzi Schilling und Andi Pupato, die Harfinisten Jael Bertschinger und Pedro Pedroso sowie der renommierte, klassische Gitarrist Andreas von Wangenheim. Letzterer wirkte ähnlich Jochen Schmidt-Hambrock bereits an der Untermalung von Caroline Links Jenseits der Stille mit. Diesmal steuerte der Exbassist von Klaus Doldingers Passport und Komponist des Scores zu Petterson und Findus zwei Stücke bei.
Mit seiner atmosphärisch-dichten, spannungsreichen Musik zu Nirgendwo in Afrika, die übrigens auch ohne die Bilder ein Erlebnis ist, hat Niki Reiser erneut sein Ziel erfüllt: "Es ist mir ein Anliegen, mich in möglichst vielen Stilen der Weltmusik auszukennen, um jedem Film sein persönliches Gesicht verleihen zu können". --Thomas Hammerl