Aus der Amazon.de-Redaktion
1996 zog Chris Vrenna aus dem lärmgefluteten Industrial-Rock-Gebäude namens Nine Inch Nails aus. Viele Jahre hatte er dort auf das Schlagzeug eingedroschen und hämmernde Beats programmiert. Danach folgte eine große Karriere als Produzent und Remixer, die ihn mit Marilyn Manson, Xzibit, Hole, U2, Cold, David Bowie oder Weezer zusammenbrachte.
Doch es sollte ein Bild sein, dass den Gewinner des Grammy Award sein eigenes Projekt Tweaker gründen ließ. In einer Galerie in L.A. sah Chris Vrenna ein Bild von Joe Sorrow mit dem Titel "Elliott's Attraction To All Things Uncertain". Es zeigt einen viel zu großen Kopf und ein Gesicht, das mit traurig-resigniertem Blick durch eine ebenfalls zu große Brille auf ein Schreibmaschine blickt. Die Finger sind ineinander verschwurbelt, das Blatt Papier ist wahrscheinlich leer. Vrenna entschloss sich, Musik zu diesem wunderbaren Bild zu komponieren. In direkter Anlehnung bekam das Album den Titel The Attraction To All Things Uncertain. Das ist aber nicht die einzige Anlehnung. Immer wieder greifen Tweaker auf -- zugegebenermaßen imposante -- Sounds und Beats aus dem NIN-Fundus zurück: Zerstörerische Gitarren, Ambient-Klänge, Gothic-Rock und Industrial-Beats, wenn auch nicht so konsequent böse und düster wie beim übergroßen Einflussgeber.
Bis hierhin ist das Album korrekt, wenig innovativ und eine Art Nine Inch Nails light. Seine Stärken und großen Momente hat The Attraction To All Things Uncertain bei den Songs mit Gastauftritten. Der Opener "Linoleum" wird durch die Stimme des Ex-Japan-Sängers David Sylvian bestimmt, die sich zwischen krachenden Gitarren und schwebenden Tönen durchsetzt. "Happy Child" ist der Höhepunkt des Albums. Selten musste der introvertierte, rauschebärtige und Ruhe liebende Landschrat Will Oldham (Bonnie Prince Billy, Palace, Slint) gegen solche Lärmkulissen ankämpfen und doch drückt er dem Song mit seiner einzigartigen Stimme den Stempel auf. Ähnliches gilt für den Shudder-To-Think-Frontmann Craig Wedren, doch letztendlich muss sich Chris Vrenna von seiner Geschichte abnabeln. Dann folgt einem respektablen Werk vielleicht auch der große Wurf. --Sven Niechziol
Langsam wird es hell. Nine-Inch-Nails-Sidekick Chris Vrenna hat mit Tweaker ein Soloprojekt am Start, geprägt von elektronischen Tracks mit teils starken Rockbezügen und klaren Songstrukturen. Meist offener als die arg klaustrophobischen NIN-Produktionen, ohne in übertriebene Pop-Sonnigkeit zu verfallen - "Linoleum" etwa hätte als leicht verdauliche Atempause auch auf "Downward Spiral" ihren Platz gefunden. Oft gelingt Vrenna eine wilde, beunruhigende Spielart des US-Elektro-Mainstream, so in "Swamp". Dann aber bratzen die Metal-Gitarren wieder los, und man denkt, dass da doch ein wenig Hoffnung verschenkt wurde. (fis)