Aus der Amazon.de-Redaktion
Generationen, bevor Johann Sebastian das Licht der Welt erblickte, war der Name seiner Familie Bach im mitteldeutschen Thüringen das Synonym für Musikerfamilie. Sie machten Musik wie andere Schuhe, Hufeisen oder Brot. Sie saßen verstreut in Dörfern und Städtchen, pflegten die kirchliche wie weltliche Musik, waren Mitglieder und Leiter der Stadt- und Dorfmusiken. Keinem wäre es eingefallen, seine Tätigkeit für "höher" zu halten als die des Nachbarn. "Gott zu ehren, den Nächsten zu lehren" schien ihre Aufgabe. Und so wird es auch für Johann Sebastian noch sein, dem Größten unter ihnen. Auf seine Söhne indes wird er dieses Ethos nur noch teilweise vererben können.
Mit einer mehrteilig geplanten Reihe Bachiana besinnt sich auch die Deutsche Grammofon auf ihr einstiges Ethos und hebt dieses musikalische Erbe, das zugleich das musikalische Umfeld Johann Sebastians beschreibt, ans Licht. Ausführend ist das formidable Ensemble Musica Antiqua Köln unter der Leitung von Reinhard Goebel. Werke von Heinrich Bach (1615 - 1692) und seinem Sohn Johann Michael -- Großvater und Vater von Maria Barbara Bach, einer Kusine Johann Sebastians, die seine erste Frau wurde -- gibt es zu hören; ferner von Johann Michaels Bruder Johann Christoph, den Johann Sebastian als einen "profonden Componisten" beschrieb. Mit dabei auch Musik von Ciriacus Wilche, womöglich der Großvater von Anna Magdalena Bach, Johann Sebastians zweiter Frau.
Goebel und sein Ensemble bleiben sich treu: Lieb gewonnene Hörgewohnheiten werden demoliert, atemberaubend die Vitalität der Musiker, ungefällig ihr Habitus. Das passt besonders zum derben Charakter der Werke von Heinrich Bach, die für Goebel laut dem ausgezeichneten und sehr informativen Booklet wie "Spielmusiken" sind. Man ist gespannt auf die zweite Aufnahme der Serie! --Teresa Pieschacón Raphael