Aus der Amazon.de-Redaktion
Abschreiben vom Banknachbarn haben Fettes Brot nun wirklich nicht nötig -- auch wenn die Klassenkameraden von Samy Deluxe bis Eins, Zwo die Hausaufgaben bereits gemacht haben. Mit
Demotape überspringen Boris, Schiffmeister und Renz zwar nicht die Klasse, aber für ein paar Wochen dürfen sich die Jungs zumindest als Klassenprimus fühlen.
Beats hier, Rhymes da. An beidem wurde hart gearbeitet, seit es Fettes Brot für die Welt gab -- damals, in der Mittelstufe. Jetzt, kurz vorm Abitur, zeigt sich, dass die Hansestädter auch im Prüfungsstress locker bleiben. Schließlich weiß man wo, wer und wie alt man ist: "Fast 30" zum Beispiel, wie einer der Tracks sich vielversprechend anlässt und genau das ausspricht, was viele im HipHop eben nicht fühlen: Credibility haben heißt auch albern sein dürfen. Und wie schon die Vorabsingle "Schwule Mädchen" daherkam, nämlich als Plädoyer gegen Klischees jeglicher Art, so ist auf fast allen Tracks die Devise: Brich das Gesetz indem du es so benutzt, wie es dir passt. Auf revolutionäre Spielereien mit Samples oder den allerneuesten Produktionstricks wartet man ergo umsonst -- auch wenn der technische Standard enorm hoch ist: das Ding kommt fett, sozusagen. Aber die eigentliche Raffinesse auf Demotape liegt doch in der Performance. Auf "The Grosser" stellt Boris seine Sangeskünste mit einem Cover des Steve-Miller-Klassikers "The Joker" unter Beweis. Und bei "Können Sie Mich Kurz Küssen" darf auch Renz den Crooner geben. Dazwischen wird gerappt und mit Wortspielen geglänzt, wie man es schon von vorherigen Alben der Brote kennt. Ein Genuss, wie immer.
Eine der schönsten Stellen auf dem ganzen Album hört man im Übrigen auf dem Interlude "Bolzplatz", wo das Mikro ein paar Jungs beim Straßenfußball einfängt. Da schreit einer seinem Mitspieler mit glockenklarer, präpubertärer Stimme zu: "Ich bin frei!" und meint natürlich seine Spielposition. Aber Fettes Brot meinen damit auch sich. Gut so. Wir freuen uns an diesem und jetzt schon auf das nächste Album. --Richard Goerlich
INTRO
"Schwule Mädchen, Sondereinheit, schwule Mädchen, Kampfeinsatz!" Na endlich. "Wir sind schwule Mädchen". Natürlich seit Ewigkeiten die beste Aussage im deutschen HipHop. Vor allem dieses "es wird Zeit, dass wir zusammen durchdreh'n". Und vor allem so unspektakulär, rockig hingehauen. Als könnte man gar kein schwules Mädchen sein, wenn man "ernsten" HipHop macht. Aber wozu auch? Wenn man nicht mit HipHop-Jungs zusammen durchdreh'n darf, weil man schwul ist oder ein Mädchen oder beides. Egal. Es ist Herbst, und Fettes Brot helfen dir. "Jahrelang war ich Rap ein treuer Begleiter, jetzt steig ich ihm einfach auf den Kopf." Mit Beats, die schneller und entspannter sind, als der Rap erlaubt. Und der Fettes-Brot-üblichen Lausbuben-Romantik. Sie kommen zwar als "Rächer über Deutschlands Dächer", aber eigentlich ist wie immer Party angesagt in den Songs. In "Fast 30" sind sie immer noch die "Rowdys von der Straße" mit den "Flausen im Kopf". Scherzkekse. Keine Band hat so viele Worte für "Abenteuer" wie Fettes Brot. Insofern hat sich eigentlich nicht viel geändert. Aber darum geht es ja wohl. Zwölf neue Abenteuer der fantastischen drei. Die wie immer "so richtig glücklich" werden wollen und deshalb auch immer noch die meisten Worte für Spießerscheiß haben. "Demotape" klingt entsprechend rauh, derbe und ist auch einfach ein Super-Albumtitel. Warum, das könnt ihr euch ja selber überlegen, wenn ihr die CD kauft.
Kerstin Grether / Intro - Musik & so
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