Aus der Amazon.de-Redaktion
Musikalisches Talent wird in Familien oft weiter vererbt. Man denkt dabei spontan an Bach und Mozart. Alexander Sitkovetsky ist der jüngste Spross der dritten Generation einer berühmten russischen Musikerfamilie, zu der ein Großvater und ein Onkel als Violinisten und eine Großmutter und Mutter als Pianistinnen gehören. Seine Mutter ist sogar mit ihm auf dieser Debüt-Aufnahme als Pianistin zu hören. Sitkovetsky begann im Alter von sechs Jahren mit dem Violinspiel, und zwei Jahre später stand er auf der Bühne. Yehudi Menuhin war von diesem Talent beeindruckt, lud ihn an seine Schule ein und nahm in unter seine Fittiche.
Als Teenager startete er eine glänzende Karriere. Er ist tatsächlich ein äußerst erfolgreicher junger Violinist mit der Technik und dem Flair eines Virtuosen, aber auch mit der lyrischen Seele eines Poeten. Das Programm auf dieser Platte ist seinem Alter angemessen, aber es ist von sehr ungleicher musikalischer Qualität, wobei hier überwiegend die typischen Zugaben präsentiert werden. Einige sind zu lang, andere zu simpel und anspruchslos, die meisten sind zweifelhafte Transkriptionen -- sie sind auf Show ausgerichtete Stücke, die Sitkovetskys brillante Technik demonstrieren sollen. Am bemerkenswertesten ist bei seinem Spiel jedoch, dass er sich mit der Musik in größter Ernsthaftigkeit beschäftigt, ohne einen Hauch von Sentimentalität oder Herablassung; er spielt seine Läufe sogar mit Zurückhaltung und Diskretion.
Seine Klangfarbe ist streng, klar, wirkt niemals übertrieben gefühlvoll oder erdrückend, und er kann sie jederzeit variieren, um sie der jeweiligen Stimmung und dem jeweiligen Charakter anzupassen. Damit schafft er es, die Banalität der Stücke zu überdecken und den Charme und die ausdrucksstarken, lyrischen Elemente dieser musikalisch unbedeutenden Werke hervorzuheben. Prokofievs fünf Stücke aus dem Ballett Cinderella sind sehr einnehmend; Zimbalists Fantasie über ein Thema von Rimsky-Korsakov, ein substanzloses Stück für Bravour-Leistungen, kann überhaupt nicht überzeugen. Dies ist jedoch nicht der Punkt -- die Spielweise ist entscheidend. Es wird noch sehr interessant werden, zu erleben, was dieser fesselnde, bemerkenswerte Musiker aus einem Repertoire mit anspruchsvolleren Werken machen wird. --Edith Eisler