Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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18 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Komoedie vom feinsten, 5. Januar 2005
Auch mehrere Jahre nach Erscheinen erfreut mich dieser Film immer wieder von Neuem und verursacht bei mir extrem gute Laune ... Es geht um die Geschichte zweier Brueder, beides Analphabeten ausgeruestet mit einer gehoerigen Portion Naivitaet und kindlicher Unschuld, die gemeinsam ausziehen um ein Erbe anzutreten und auf dem Weg dorthin von einem Abenteuer in das naechste stolpern - um letztendlich als landesweit gesuchte Verbrecher nach Russland zu fluechten. Die schauspielerischen Leistungen sind hervorragend und die Geschichte besitzt einfach einen fabelhaften schwarzen Humor. Es sind die kleinen Details, die diesen Film so umwerfend machen, auch das Spiel mit ueberzeichneten Klischees (z.B. der zynische Kommissar, der seine Zigaretten wie Clint Eastwood raucht und gerne Heftzwecken auf seine Finger spiesst). Ich kann diesen Film jedem Liebhaber hintergruendigen Humors waermstens empfehlen. Ein Minuspunkt ist jedoch die schlechte Filmqualitaet, der Film ist sehr verschwommen und man sollte ihn sich nicht in Grossformat ansehen.
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17 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Der kaltblütigste Mord der deutschen Filmgeschichte ..., 18. Mai 2004
... begangen an einem Angestellten eines Gebrauchtwagenhändlers in MeckPomm. Es ist ein feiner zurückhaltender Humor, welcher sich häufig erst beim 'zigsten mal anschauen eröffnet. Details, die man fast nur im Einzelbildmodus mitbekommt 23 Süßstoff-Pillen im Kaffee; die Roth-Handle-Oma im Hintergrund; der Schrott-Pinscher; der Kranz für Oma "Man hätte sie eigentlich sehen müssen"; der freundliche Makler Moser; der Handschlag ohne Augenkontakt; ... Das macht den Film so interessant und sehenswert. Er lohnt.
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25 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Das schönste deutsche Roadmovie aller Zeiten, 8. Juli 2007
Anfang der 1990er Jahre im unterkühlten deutschen Norden: Zwei Brüder im betagten Pritschenwagen sind auf dem Weg nach Osten -- genauer gesagt: Kipp (Joachim Król) und Moss (Horst Krause), beide des Lesens unkundig und auch sonst keine Nobelpreis-Anwärter, wollen ihr Erbe besichtigen: Oma hat ihnen ein Gut bei Schwerin vermacht.
Nun sind Kipp und Moss zwar nicht die Hellsten, aber sie haben Charakter: Kipp hat im Heim weltmännische Umgangsformen und Fachkenntnisse in der Schweinehaltung erworben, während Moss eher wortkarg, aber beileibe nicht sprachlos ist und seinen Sinn aufs Wesentliche richtet. Leider scheitern sie beide am Entziffern von Wegweisern... Das Roadmovie der etwas anderen Art kann also losgehen.
Wie man sich denken kann, verläuft Kipps und Moss' Fahrt in die große Zukunft nicht ganz reibungslos: Schon in der ersten Nacht nimmt sie der russische Deserteur Viktor (Konstantin Kotljarov) in grober Verkennung der Tatsachen als Geiseln -- und erweist sich mit seiner Kalaschnikow als willkommener Reisegefährte, als eine Horde Neonazis das schräge Trio in die Mache nehmen will. Wenn man sagt, dass Leichen ihren weiteren Weg pflastern, so ist das keine Übertreibung...
Jetzt braut sich über den bald unzertrennlichen Dreien natürlich ein wüstes Gewitter zusammen, angerührt von einem Kommandeur der Roten Armee, einem wortkargen Kommissar in knallharter Clint-Eastwood-Manier (Heinrich Giskes) und einigen rachedurstigen Neonazi-Kameraden -- ganz Mecklenburg-Vorpommern ist ihnen auf den Fersen, aber davon haben sie keine Ahnung, während sie sich auf allerlei Umwegen ihrem Ziel nähern (Viktor kann zwar lesen, aber nur Russisch...) und unterwegs noch einige arme Schweinchen aus unsachgemäßer Haltung befreien, zu den Klängen eines coolen Herrenoberbekleidungs-Shuffles Viktor zu Zivilkleidung verhelfen, einem windigen Bootsverkäufer auf den Leim gehen, einem schicken Autohändler als letzte Erkenntnis seines Lebens mitgeben, dass sie "auch anders" können, und noch einiges mehr. Und natürlich kommt am Ende noch eine schöne Frau (Sophie Rois) ins Spiel...
Weiter will ich nichts über den Plot mitteilen, außer vielleicht Kipps kluge Erkenntnis "Es gibt ja so viele schöne Länder!".
Mit "Wir können auch anders" hat Detlev Buck das witzigste deutsche Roadmovie überhaupt gedreht, und einen der witzigsten deutschen Filme der letzten 20 Jahre (mindestens!) auch. Er widersteht der Versuchung, aus der grellen Ausgangssituation eine Klamaukorgie zu machen; stattdessen durchzieht ein unterkühlter, lakonischer Witz den ganzen Film, und die furztrockenen Dialoge sind allein schon der reine Genuss.
Der lakonische Witz funktioniert aber auch ohne Worte, etwa wenn der Kommissar gewichtig zu Minimalisten-Rhythm'n'Blues durch seine Amtsräume pest; oder wenn das Erscheinen der drei Outlaws, die garnicht mitgekriegt haben, dass sie Outlaws sind, ausgewachsene Schäferhunde zu winselnden Schoßhündchen macht und rechte Schläger Fersengeld zahlen lässt; oder wenn der mittlerweile arg zerzauste Kranz für Omas Grab bei günstiger Gelegenheit durch bessere Ware ersetzt wird. Auch die kleinen feinen Einzelszenen sind den Dialogen ebenbürtig; der Esprit steckt hier auch im kleinsten Detail.
Ein Roadmovie also, und gleichzeitig eine Parodie aufs Genre. Und nicht nur der taffe Clint Eastwood kriegt hier sein Fett ab; im Soundtrack machen sich Detlef Petersen und seine Band schon mal mit gediegenem Minimalismus über barock instrumentierte "Tatort"- und "James-Bond"-Melodien her, und der dank Viktor allgegenwärtige schmissige sowjetische Militärmarsch "N' Put!" erlebt hier ungeahnte Variationen von flottem Foxtrot bis Rotz-Punk.
"Wir können auch anders" ist ganz einfach rundum gelungen; hier stimmt alles: Die brillanten Leistungen der Schauspieler, allen voran Joachim Król, Horst Krause und Heinrich Giskes; der lakonische Witz der Dialoge und Einzelszenen; die im allgemeinen ruhige Kameraeinstellung mit ihren überraschenden Schwenks, die maßgeschneiderte Musik... Nur die Bildqualität der DVD könnte etwas besser sein, aber dafür können sie alle nichts, die am Zustandekommen dieses Prachtstücks beteiligt waren.
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