Aus der Amazon.de-Redaktion
Was den Wienern das Alban Berg Quartett ist, ist den Stuttgartern das Melos Quartett. Beide haben sie Standards gesetzt, an denen andere sich messen lassen müssen. Dies ist eine wirklich imposante musikalische Leistung. Mehr noch: Es zeigt, wie konzentriert, diszipliniert und professionell das Ensemble seit dem ersten Tag ihrer Konzertlaufbahn arbeitet.
Das Melos Quartett besteht seit 1965. Nun ist eine neue Aufnahme von den Stuttgartern auf dem Markt: die 1895 komponierten Streichquartette Antonin Dvoráks, mit denen dieser sich von der Kammermusik verabschiedete. Zwei Werke, die kaum unterschiedlicher hätten sein können: Quartett op.106 in G-Dur ist ein verinnerlichtes, von Naturklängen beseeltes Werk; Quartett op.105 in As-Dur indes ist voller rhythmischer Energie, obwohl hie und da auch von leiser Sehnsucht durchzogen. Mit stets großer geistiger Wachheit und diesem Differenzierungsvermögen, das ihnen zweite Natur ist, gehen die Melos-Musiker die Werke an. Im Adagio ma non troppo von Opus 106 vermeint man gar, in die Tiefe der Menschenseele hineinzuhorchen. Doch kein Versinken in Melancholie verschleiert hier die Wahrnehmung, keine klebrige Süßlichkeit verschmiert den Klang. Emotionale Intensität wird nicht durch berauschende Melodieseligkeit erreicht: das wäre viel zu simpel und wenig befriedigend für ein Quartett, das gewohnt ist, analytisch und strukturiert an die Werke heranzugehen. Echtesten Dvorak bieten sie auch mit der Interpretation von op.105. Hier spricht die slawische Seele sich aus, aber nicht, wie man meinen könnte, sentimental und melancholisch, sondern vital und kraftvoll, mit unwiderstehlichem tänzerischem Schwung und an manchen Stellen sogar bezaubernd innig und verträumt (Lento). --Teresa Pieschacón Raphael