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Man sollte schon das Beiheft mit den Textübersetzungen in der Hand haben, wenn man den Ausdrucksnuancen von Patricia Petibon gewinnbringend folgen will. Mit der gebotenen Eindringlichkeit weist die Sängerin, die auch studierte Musikwissenschaftlerin ist, in ihrem Einführungstext darauf hin, wie intensiv und umfassend die Vorbereitungen auf dieses Programm gewesen sind und wie sehr alle beteiligten Musiker hier "an einem Strang ziehen". Das Ergebnis kann sich wahrlich hören lassen: Vor dem geistigen Auge des Hörers entsteht ein plastisches Bild jenes knappen Jahrhunderts der französischen Barockoper, das in den 70er-Jahren des 17. Jahrhunderts begann und von der Musikwissenschaft lange Zeit nur aus der Perspektive von Glucks Opernreformen im 18. Jahrhundert betrachtet wurde, die mit inzwischen entstandenen musikalischen Monstrositäten aufräumten.
Dass mit dieser Sichtweise auch wertvollstes Repertoire vom Tisch gewischt wurde, ist heute keine Frage mehr. Die interpretatorische Aufarbeitung der Opern und Kantaten von Lully, Rameau oder Charpentier steht jedoch immer noch am Anfang; Patricia Petibon und Les Folies Françoises unter Leitung von Patrick Cohen-Akenine leisten hier einen wichtigen Beitrag zu diesem Prozess. Petibon verwendet im Dienst der anschaulichen Vermittlung der zumeist an die antike Mythologie anklingenden, in einem Fall aber auch ein biblisches Sujet vorstellenden Texte eine breite Palette vokaler Ausdrucksnuancen: Die üblichen Parameter des Barockgesangs stehen der von Rachel Yakar ausgebildeten Sopranistin ohnehin zur Verfügung; hinzukommen parodistische Elemente und bisweilen auch bewusst eingesetzte vokale Unebenheiten. Die auf historischen Instrumenten spielenden Musiker unterstützen sie mit aufregend individueller, gleichermaßen klangvoller und aussagekräftiger Gestaltung ihrer Partien. Dass im Vorfeld dieser Aufnahme intensivst geprobt und konzertiert sowie eingehend über das Repertoire diskutiert wurde, ist in jedem einzelnen Stück positiv wahrnehmbar. --Michael Wersin
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